Libidoverlust

Was tun bei sexueller Unlust?

12.10.2026, 02.00 Uhr
von Jutta Wiesner
Wenn die sexuelle Begierde schwindet, kann das verschiedene Ursachen haben. Von hormonellen Veränderungen über Stress bis hin zu Lebensstilfaktoren – eine genaue Untersuchung kann helfen, die Gründe zu finden.
Dr. Jutta Wiesner lacht.
Dr. Jutta Wiesner arbeitet als niedergelassene Frauenärztin in Wolfenbüttel. Ihre Schwerpunkte: Wechseljahre der Frau, gesunde Lebensführung für Frauen, Kinderwunsch und Schwangerschaft. Sie ist Mitglied in der „DACH“-Gesellschaft zur Erforschung von Herz-Kreislauferkrankungen. Fotoquelle: Dr. Jutta Wiesner

„Ich habe so gut wie überhaupt keine Lust mehr auf Sex mit meinem Partner. Das beeinträchtigt unsere Beziehung“, erklärte mir eine 38-jährige Patientin. „Besonders belastend kann es werden, wenn die eigene Begierde nicht mehr zu der des Partners passt“, bestätigte ich. In meinem Tätigkeitsfeld rückt Sexualität immer stärker in den Fokus. Themen, die einst tabuisiert waren, gehören nun zum normalen Leben dazu. Doch hat diese sexuelle Befreiung nicht jede Schwierigkeit beseitigt. Stattdessen suchen Patientinnen Rat, da ihnen das Gefühl der Begierde fehlt. Das betrifft Frauen jedes Alters. Oft entsteht das Empfinden, dass mit ihnen selbst etwas nicht stimmt. Aber: Jede Frau besitzt spezifische sexuelle Bedürfnisse. Dies reicht von „sehr oft“ bis hin zu „manchmal“ – und alles dazwischen gilt als üblich. Zudem wandelt sich das Empfinden der Lust während des gesamten Lebens: Romantische Gefühle können sie intensivieren, während Kummer oder schwierige Phasen sie abschwächen mögen. Verschwindet die erotische Begierde aber über einen langen Zeitraum ganz, lohnt sich eine genaue Untersuchung möglicher Gründe. Diese können sein: Stress und Erschöpfung, unterschiedliche Bedürfnisse in der Partnerschaft, Hormone und Wechseljahre sowie Erkrankungen, Medikamente und Lebensstil.

Sobald die anfängliche Phase der Verliebtheit vorüber ist, treten häufig Differenzen bezüglich des Bedarfs an Intimität sowie sexueller Aktivität zutage. Eine Therapie für Paare oder speziell für das Sexualleben kann unterstützen, dass beide Partner ins Gespräch kommen und passende Wege entwickeln. Eine Schwangerschaft, eine Entbindung, das Stillverhalten und vor allem der Eintritt in die Menopause wirken sich potenziell auf die sexuelle Funktion aus. Wenn der Spiegel des Östrogens absinkt, können Trockenheit im Bereich der Scheide auftreten und Schmerzen während des Koitus entstehen, was die Libido negativ beeinflusst. Eine Ärztin für Frauenheilkunde kann feststellen, ob eine topische Anwendung oder eventuell eine medikamentöse Hormonbehandlung indiziert erscheint. Auch Arbeit oder Nachwuchs können das Begehren hemmen. Manchmal trägt schon die Einsicht, woher das Problem kommt, zur Besserung bei. Langandauernde Schmerzleiden, Zuckerkrankheiten, Probleme mit der Schilddrüse sowie manche Arzneistoffe führen dazu, dass das sexuelle Begehren nachlässt. Ferner können übermäßiger Konsum von Spirituosen, mangelnde körperliche Aktivität und zu wenig Schlaf Einfluss haben.

Sexuelle Antriebslosigkeit stellt kein Scheitern dar. Ein ehrlicher Dialog mit einem Arzt kann unterstützen, den Grund aufzuspüren – und gelegentlich ist das wirksamste Mittel keine Tablette, sondern eine Modifikation des Alltagslebens.