„Warum habe ich immer noch diesen Druck auf der Brust?“, fragte mich besorgt einer meiner Patienten. Wir hatten den 53-Jährigen bereits wegen verengter Herzkranzgefäße behandelt. Bei körperlicher Anstrengung hatte er dennoch weiterhin ein Druckgefühl im Brustkorb. Dabei handelt es sich um ein klassisches Symptom einer Angina pectoris. Das machte ihm Angst.
Wenn der Herzmuskel wegen verengter Blutgefäße nicht ausreichend mit Blut versorgt wird, muss das Herz härter arbeiten. Dann kommt es oft zu Beschwerden wie Engegefühl oder Druck im Brustkorb, Atemnot, Schmerzen und Angst. Ich konnte meinen Patienten beruhigen: Trotz der richtigen Medikamente oder Operation leiden einige Betroffene weiterhin an unangenehmen Beschwerden, obwohl ihre Gefäße nicht mehr stark verengt sind. Diese Beschwerden sind dann zwar nicht lebensbedrohlich. Sie können aber Angst machen, die körperliche Belastbarkeit und Lebensqualität einschränken. Wir sprechen hier von einer refraktären Angina pectoris.
Für diese Fälle gibt es eine relativ neue Behandlungsmöglichkeit: die Implantation eines sogenannten Sinus-Reducers. Dabei handelt es sich um ein kleines, sanduhrförmiges Drahtgeflecht, das über einen Herzkatheter in eine Vene des Herzens eingesetzt wird. Dort erhöht es den Druck in der Vene, wodurch sich der Blutfluss verbessert. Der Herzmuskel wird entlastet und kann sich besser erholen. Die Behandlung kann also helfen, die Beschwerden zu lindern und die körperliche Belastbarkeit und Lebensqualität wieder zu verbessern.
Der Eingriff erfolgt minimalinvasiv im Herzkatheterlabor. Eine örtliche Betäubung reicht in der Regel aus. Zur Beruhigung kann noch ein leichtes Beruhigungsmittel verabreicht werden. Vor dem Eingriff wird sorgfältig geprüft, ob der Patient medizinisch und anatomisch dafür geeignet ist. So haben wir es auch bei unserem Patienten gemacht. Nach etwa 30 Minuten hatten wir den Sinus-Reducer eingesetzt. Mein Patient fühlt sich deutlich besser. Eine spürbare Besserung tritt meist nach sechs Wochen bis drei Monaten ein. Der genaue Zeitpunkt kann jedoch unterschiedlich sein. Studien zeigen, dass mehr als 70 Prozent der behandelten Patienten von diesem Verfahren profitieren. Bei einer Behandlung allein mit Medikamenten liegt die Verbesserung dagegen bei etwa 42 Prozent.