„Es hat weh getan, gejuckt, gebrannt, war unangenehm, ein Störfaktor. Manchmal konnte ich nicht sitzen, musste liegen.“ So beschrieb mir eine Patientin ihre Beschwerden, als sie vor zwei Jahren zum ersten Mal in meine Sprechstunde kam. 20 Jahre Leiden hatte sie da bereits hinter sich, 20 Jahre mit Hämorrhoiden-Schmerzen, über die sie sich lange nicht zu sprechen traute.
Begonnen hatte es mit 19 Jahren, fast jeder Toilettengang eine Qual. Aus Scham ging sie jahrelang nicht zum Arzt, sondern behandelte sich mit frei verkäuflichen Cremes. Erst nach zwei Jahrzehnten überwand sie sich und suchte einen Proktologen auf. Die Diagnose: stark vergrößerte Hämorrhoiden.
Jeder Mensch hat Hämorrhoiden. Es sind mit Blut gefüllte Gefäßpolster am Ausgang des Enddarms, die zusammen mit dem Schließmuskel den After abdichten. Sobald wir auf der Toilette sitzen, schwellen sie ab und geben die Bahn frei. Sind sie dauerhaft vergrößert, kommt es zu Beschwerden wie Jucken, Nässen, Schmerzen oder Blut im Stuhl. Je nach Schweregrad behandelt man sie mit Salben, verödet sie oder bindet sie mit einer Gummibandligatur ab. Nur im Extremfall muss operiert werden.
Gerade die Gummibandligatur ist sehr effektiv. Über ein Instrument wird ein Teil der Hämorrhoide gefasst und mit einem winzigen Gummiring abgebunden, der das Gewebe nach wenigen Wochen absterben lässt. Setzt man den Ring aber zu tief, Richtung Analkanal, kann das sehr schmerzhaft werden, denn dieser Bereich ist dicht mit Nerven besetzt. Genau das hatte meine Patientin in einer anderen Praxis erlebt: Bei ihr waren die Ligaturen weder schmerzfrei noch erfolgreich.
Über die Jahre hatte sie vieles ausprobiert, doch nichts half dauerhaft. Zudem hatte sie bei früheren Ärzten schlechte Erfahrungen gemacht: „Leider war ich sehr lange bei den Ärzten, hab´ feststellen müssen, dass ich nicht ernst genommen wurde.“ Als sie zu mir kam, zeigte sich eine fixierte Hämorrhoide dritten bis vierten Grades. Es führte kein Weg vorbei, ein Großteil musste unter Vollnarkose entfernt werden.
Seitdem ist sie beschwerdefrei. Ihr Fall erinnert mich an das, was ich meinen Patientinnen und Patienten immer wieder sage: Kommen Sie früher. Je eher eine Therapie beginnt, desto einfacher ist sie und desto seltener muss operiert werden.