Osteoporose-Risiko

Männer-Osteoporose wird oft spät erkannt

17.08.2026, 02.00 Uhr
von Annie Matthew
Ein 55-jähriger Patient erfährt überraschend von seiner Osteoporose-Diagnose, nachdem er wegen erhöhter Blutzuckerwerte einen Arzt aufsuchte. Rückenschmerzen und eine Cortisontherapie führten zur Entdeckung. Frühzeitige Diagnose von Rückenschmerzen bei Risikofaktoren kann entscheidend sein.
Dr. med. Annie Mathew lacht.
Dr. med. Annie Mathew ist Oberärztin an der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Stoffwechsel der Universitätsmedizin Essen. Fotoquelle: Universitätsmedizin Essen

Ungläubig und überrascht war kürzlich ein 55-jähriger Patient, als er von seiner Osteoporose-Diagnose erfuhr. Eigentlich hatte er meine Sprechstunde wegen stark erhöhter Blutzuckerwerte aufgesucht. Sie waren im Zusammenhang mit einer vorübergehenden Cortisontherapie aufgetreten. Diese hatte er wegen einer chronischen Lungenerkrankung erhalten. „Ich habe auch zunehmend stärker werdende Rückenschmerzen, die mich in meiner Bewegung bereits merklich einschränken“, erwähnte er in unserem Patientengespräch. Solche Beschwerden verdienen besondere Aufmerksamkeit, wenn gleichzeitig Bedingungen vorliegen, die den Knochenstoffwechsel beeinträchtigen.

Dazu zählt ein langjähriger Diabetes oder die Einnahme Cortison-haltiger Präparate. Beides kann die Knochen im Laufe der Zeit schwächen und das Risiko für eine Osteoporose erhöhen. Auch andere Faktoren wie familiäre Vorbelastung, Untergewicht, eine Überfunktion der Schilddrüse oder Nebenschilddrüsen und bestimmte chronische Erkrankungen spielen eine Rolle.

Die weitere Diagnostik zeigte einen frischen Bruch eines Wirbels, der die Rückenschmerzen erklärte. Viele Betroffene wissen nicht, dass die Osteoporose anfangs still verläuft und sich oft erst bemerkbar macht, wenn bereits ein Knochen gebrochen ist. Eine Knochendichtemessung bestätigte schließlich eine ausgeprägte Osteoporose im Bereich der Lendenwirbelsäule.

Der Patient erhielt umgehend eine spezifische Behandlung mit Medikamenten zur Hemmung des Knochenabbaus. Gleichzeitig wurde die Diabetestherapie optimiert, da eine stabile Stoffwechsellage auch für die Knochengesundheit eine wichtige Rolle spielt. Bei der Kontrolle sechs Monate später hatte sich der Langzeitzucker bereits deutlich verbessert. Die Beweglichkeit des Patienten war weitgehend wiederhergestellt. Die Rückenschmerzen hatten sich erheblich verbessert.

"Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, Rückenschmerzen bei Menschen mit Risikofaktoren nicht zu unterschätzen. Eine frühzeitige Abklärung kann entscheidend sein, um Osteoporose und mögliche Knochenbrüche rechtzeitig zu erkennen und effektiv zu behandeln."