Hüftarthroseprävention

Hüftschmerzen: Nicht warten, bis der Schaden irreparabel ist

10.08.2026, 02.00 Uhr
von Martin Rinio
Hüftarthrose entwickelt sich oft schleichend. Erste Anzeichen wie morgendliche Schmerzen sollten ernst genommen werden, um eine spätere OP zu vermeiden. Moderne Behandlungsmethoden und eine gesunde Lebensweise können helfen, die Gelenkgesundheit zu erhalten.
Dr. Martin Rinio ist Ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Ein Behandlungsschwerpunkt des Facharztes für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie sind Hüftgelenk und Endoprothesen.
Dr. Martin Rinio ist Ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen. Ein Behandlungsschwerpunkt des Facharztes für Orthopädie, Chirurgie und Unfallchirurgie sind Hüftgelenk und Endoprothesen. Fotoquelle: Gelenk-Klinik Gundelfingen

„Es war ein schleichender Prozess über mehrere Jahre, die Schmerzen in meiner rechten Hüfte traten anfangs nur sporadisch auf. Inzwischen habe ich sogar beim Sitzen oder Liegen ständig Beschwerden. Hätte ich mal nicht so lange gezögert, bis ich zu Ihnen gekommen bin“, sagte ein 74-jähriger Patient kürzlich in meiner Sprechstunde, der kurz vor seiner Hüftgelenks-OP stand. „Was Sie schildern, ist ganz typisch bei fortschreitender Hüftgelenks-Arthrose. Oftmals spüren die Betroffenen erst dann etwas von ihrer Arthrose, wenn der Gelenkknorpel – wie bei Ihnen diagnostiziert – bereits irreparablen Schaden genommen hat. Dann treten die Schmerzen auch im Ruhezustand auf“, antwortete ich ihm. Um einen irreparablen Schaden des Hüftgelenkknorpels zu verhindern, sollte schon bei ersten Anzeichen wie etwa den typischen, meist morgendlichen Anlauf- sowie Belastungsschmerzen der Facharzt konsultiert werden. Denn im Frühstadium können mechanische Knorpelreibungen oft durch eine minimalinvasive Arthroskopie (Gelenkspiegelung) beseitigt werden. Rechtzeitig angewendet hilft zudem Physiotherapie, den Bewegungsablauf zu korrigieren und das Gelenk zu entlasten. Primäres Ziel des Behandlungskonzepts sollte es sein, dank einer vernünftigen Gelenkbelastung in Sport und Beruf sowie mit regelmäßiger, gezielter Gymnastik die Beweglichkeit der Hüfte und die Muskelkraft zu erhalten. Eine starke Muskulatur entlastet den Knorpel beziehungsweise das Hüftgelenk bei jeder Bewegung und schützt so wesentlich vor (weiterer) Arthrose.  Ist der Defekt noch nicht zu groß, so lässt er sich manchmal auch durch eine Knorpeltransplantation oder ein anderes knorpelregeneratives Verfahren reparieren.  

Wird eine frühzeitige qualifizierte Behandlung verpasst, so steigern sich in der Regel die Beschwerden merklich: Treten diese anfänglich nur bei Belastungen auf, so werden sie schließlich sogar im Ruhezustand zur Qual. Je mehr die Knorpelschicht des Gelenks zerstört wird, desto stärker werden meist Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen. Ganz typisch sind etwa Probleme beim Schuhe anziehen oder beim Sitzen in der Hocke. Am Ende dieses Prozesses steht oft das völlige Versagen des Gelenks und damit der erforderliche Austausch durch eine Prothese. Doch so weit muss es dank moderner Behandlungsoptionen gar nicht erst kommen. Bewegung ist das A und O der Prävention. Sinnvoll zum Muskelaufbau sind gezielte Gymnastik und maßvoller Kraftsport. Mein Rat: Bleiben Sie selbst bei Hüftarthrose möglichst aktiv – aber bitte, ohne die Gelenke zu stark zu belasten. Am besten sind Radfahren, Walken und Wandern. Ebenso wichtig wie maßvolle Bewegung ist ein moderates Körpergewicht. Denn je mehr man wiegt, desto mehr haben unsere Gelenke zu stemmen. 

Achten sollte man jedoch nicht nur darauf, wieviel man isst, sondern auch darauf, was man verzehrt. Mit gesunden Lebensmitteln lässt sich zerstörtes Knorpelgewebe zwar nicht wiederherstellen. Aber ausgewogene Kost kann sich auf den Arthrose-Verlauf nachweislich günstig und auch präventiv auswirken. So beeinflussen Omega 3-Fettsäuren, wie sie beispielsweise in Leinöl oder Fisch enthalten sind, nach neuen Erkenntnissen die Gelenksituation positiv.