Zahnpflege und Herz

Gründlich Zähneputzen ist auch gut fürs Herz  

21.09.2026, 02.00 Uhr
von Jochen H. Schmidt
Eine gründliche Zahnpflege ist nicht nur für die Mundgesundheit wichtig, sondern kann auch schwerwiegende gesundheitliche Folgen wie Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern. Studien zeigen, dass Parodontitis und Wurzelentzündungen das Herz gefährden können.
Dr. Jochen H. Schmidt.
Dr. Jochen H. Schmidt ist zahnärztlicher Leiter des Carree Dental in Köln. Er besitzt den akademischen Zusatztitel des „Master of Science in Oral Implantology and Surgery“. Fotoquelle: Carree Dental

„Steigt mein Herzinfarkt-Risiko wirklich, wenn ich meine Zähne nicht stets gründlich reinige?“, wollte kürzlich eine 45-jährige Patientin in meiner Sprechstunde wissen. Ja, so ist es wirklich, antwortete ich ihr und erklärte ihr auch gleich den Zusammenhang:  Putze ich meine Zähne nicht gründlich und regelmäßig, so riskiere ich Parodontitis, eine weit verbreitete Entzündung des Zahnhalteapparates. Unbehandelt können die Bakterien aus dem Mund über die Blutbahn in den Körper gelangen und zu einer Veränderung in den Blutgefäßen führen. Genauer gesagt zu einer Ansammlung von Blutplättchen, den Thrombozyten. Als Folge drohen die Gefäße zu verstopfen. Das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkte oder Schlaganfälle erhöht sich. Selbst Herzklappenentzündungen sind möglich. Das ist besonders gefährlich für Patienten mit vorgeschädigten Herzklappen oder mit Herzklappenersatz. Auch ein Diabetes kann sich durch die Parodontitis-Bakterien verschlechtern – denn Parodontitis und Diabetes beeinflussen sich gegenseitig.

Ich empfahl der Patientin in meiner Sprechstunde nicht nur eine gründliche Zahnpflege zwei- bis dreimal täglich, sondern zudem zweimal jährlich zahnärztliche Kontrollen inklusive professioneller Zahnreinigung. Außerdem riet ich ihr, auf Rötungen und Schwellungen des Zahnfleischs zu achten. Denn durch diese Symptome machen sich Entzündungen vor allem anfangs bemerkbar. Ein weiteres Alarmzeichen ist blutendes Zahnfleisch beim Zähneputzen. Dies spricht fast immer für eine Entzündung des Zahnbetts, also eine Parodontitis. Zudem können auch unangenehmer Mundgeruch und gelockerte Zähne auf eine parodontale Erkrankung hinweisen. 

Doch nicht nur Gingivitis oder Parodontitis, sondern auch Wurzelentzündungen gefährden die Gesundheit unseres Herzens. Bakterielle Keime dringen in diesem Fall über Löcher in den Zähnen unbemerkt ins Zahninnere ein und verursachen in den Wurzelkanälchen Entzündungen. Ohne zahnärztliche Behandlung gelangen die potenziellen Krankheitserreger vielfach bis in den Kieferknochen und führen auch dort zu Infektionen – mit oftmals gravierenden Folgen: Innerhalb weniger Stunden können sich die Bakterien über die Blutbahn ausbreiten und zu schweren Erkrankungen des Herzens oder anderer innerer Organe führen. Dies dokumentiert auch eine neue klinische Studie des King‘s College in London. Die englischen Forscher wiesen nach, dass unbehandelte Wurzelkanalinfektionen das Risiko gravierender Gesundheitsprobleme erhöhen. Entsprechend wichtig ist eine frühzeitige Diagnose und Behandlung.