„Meine Finger sind wieder ganz steif. Diese Augentropfen bekomme ich kaum geöffnet“, sagte mir neulich eine meiner Stammkundinnen. Sie ist frisch im Ruhestand, und das Greifen fällt ihr zunehmend schwer – wie beim Öffnen ihrer Augentropfen. „Ja, diese Ampullen sind oft ziemlich schwer zu öffnen. Für die Augentropfen hätte ich ein Hilfsmittel für Sie. Kann ich außerdem noch etwas für Sie tun?“, antwortete ich. „Haben Sie etwas Pflanzliches gegen mein Rheuma?“, wollte meine Kundin wissen. Ich fragte zunächst nach, was ihre Ärztin genau festgestellt hätte.
Denn „Rheuma“ ist nur ein Oberbegriff für viele verschiedene Krankheiten. Was alle eint, sind die schmerzenden Gelenke. Vereinfacht gesagt gibt es zwei große Gruppen. Bei der Arthrose verschleißen Gelenke im Laufe des Lebens. Bei einer Arthritis steht dagegen eine Entzündung im Vordergrund. Die Diagnose stellen kann nur eine Ärztin oder ein Arzt. Deshalb sollte man länger anhaltende Gelenkbeschwerden immer abklären lassen.
„Es gibt verschiedene Heilpflanzen gegen rheumatische Beschwerden, und ich erkläre Ihnen gerne die wichtigsten“, sagte ich ihr. Pflanzliche Medikamente zum Einnehmen enthalten unter anderem Extrakte der Teufelskralle, der Weidenrinde oder aus Brennnesseln. Alle drei sind traditionell bewährte Heilmittel, die gut verträglich sind. Ihre Wirkung setzt nicht sofort ein, sondern erst nach ein paar Tagen. Lokal aufgetragen werden zum Beispiel Salben mit Pflanzen wie Beinwell. „Salben und Gele sind in aller Regel besser verträglich als Schmerzmittel, da diese den Magen auf Dauer belasten können.“ Pflanzliche Arzneimittel können häufig Beschwerden lindern. Reichen sie jedoch nicht aus oder steckt eine entzündlich-rheumatische Erkrankung dahinter, kommen häufig verschreibungspflichtige Medikamente zum Einsatz.
Meine Kundin nickte. „Meine Cousine schwört auf Rosmarin. Ein Zweig jeden Tag, und ihr Rheuma ist weg.“ Das höre ich ebenfalls häufig, und ich kann den Wunsch dahinter gut nachvollziehen. „Rosmarin ist als Arzneipflanze durchaus interessant“, sage ich. „Aber man darf Gewürze nicht mit Arzneimitteln verwechseln.“ In Arzneimitteln werden definierte Mengen bestimmter Inhaltsstoffe eingesetzt. Ein paar Nadeln Rosmarin auf den Kartoffeln erreichen solche Konzentrationen nicht. Das macht das Essen nicht schlechter, aber eben auch nicht automatisch zum Medikament. Ähnliches gilt für andere Heilpflanzen wie Gelbwurz oder Ingwer. Sie sind kulinarisch empfehlenswert, aber keine Wundermittel. „Gewürze sind lecker und gesund“, sagte ich. „Arzneimittel sind sie aber noch lange nicht.“