Vor ein paar Wochen hatte ich eine 54-jährige Patientin in meiner Sprechstunde. Sie litt seit geraumer Zeit unter Luftnot und war bereits bei zwei anderen Ärzten in Behandlung gewesen. Eine eindeutige Diagnose und erfolgreiche Therapie blieben jedoch aus. Deshalb kam sie zu mir. „Ich hoffe, Sie können mir helfen, endlich den tatsächlichen Grund für meine Luftnot zu finden“, erklärte sie mir. „Die Ursache von Luftnot wird leider gerade bei Frauen häufig verkannt und falsch eingeschätzt. Denn es gibt eine Reihe von Erkrankungen, die zugrunde liegen können. Daher müssen wir Sie erstmal gründlich untersuchen, um eine gesicherte Diagnose stellen zu können“, antwortete ich der Patientin.
Für Luftnot können die unterschiedlichsten Gründe vorliegen. Zum einen kann eine harmlose Belastungs-Luftnot vorliegen durch einen Mangel an Training, etwa wegen unregelmäßigem oder keinem Sport in Verbindung mit Übergewicht. Als weitere Ursachen kommen Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD in Frage. Auch eine Herzmuskelentzündung nach einer Infektion oder eine Füllungsstörung des Herzens (diastolische Herzinsuffizienz) sind mögliche Gründe für Luftnot.
Letztere ist insbesondere bei Frauen massiv unterdiagnostiziert. Auch Hormonumstellungen in den Wechseljahren, Gewichtszunahme und Bluthochdruck spielen eine Rolle.
Bei meiner Patientin führten wir ein EKG, eine Lungenfunktionsprüfung, einen Ultraschall des Herzens und eine Stress-Ultraschalluntersuchung des Herzens durch. Nachdem wir ausschließen konnten, dass die Luftnot von einer Störung ihres Herzmuskels ausging, stellten wir bei ihr schließlich die Diagnose „Asthma bronchiale“. Ich verschrieb der 54-Jährigen ein luftwegerweiterndes kortisonhaltiges Spray, das sie vier Wochen lang nehmen sollte. Danach soll die Patientin zu zwei weiteren Untersuchungen in meine Sprechstunde kommen, um die Wirkung des Kortison-Sprays und den endgültigen Therapieerfolg zu beurteilen.