11.01.2021 Schauspielerin

Liza Tzschirner

Von Marcus Italiani
Liza Tzschirner spielt eine der Hauptrollen in der ARD-Reihe "Der Ranger".
Liza Tzschirner spielt eine der Hauptrollen in der ARD-Reihe "Der Ranger". Fotoquelle: Leonie Handreck

Alles klar im Naturschutzgebiet. Die Ranger Jonas Waldek (Philipp Danne) und Emilia Graf (Liza Tzschirner) sind auch 2021 wieder in der Sächsischen Schweiz unterwegs, um für das "Paradies Heimat" zu sorgen. Dabei müssen sie immer wieder Hindernisse überwinden, die meist menschlichen Ursprungs sind. Fallen stellende Wilderer, illegal im Wald hausende Teenager und diverse eigene Probleme wollen betreut werden. In jedem Fall sind dafür starke Nerven nötig.

Wir plauderten mit Liza Tzschirner nicht nur über die Fortsetzung der beliebten Freitagabend-Serie, sondern auch über Rheinländer in Sachsen, Schauspielerinnen hinterm Tresen und sich verändernde Rollenbilder.

Frau Tzschirner, wie oft werden Sie bei Produktionen mit Nora Tschirner verwechselt?

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Haha, nach dem Motto "Oh, das bist du ja gar nicht? Ok, wir melden uns wieder"? Nein, das ist mir tatsächlich noch nie passiert. Aber vielleicht sollte ich mir dazu mal eine Fake-Story überlegen. Spaß beiseite: Ich kenne Nora Tschirner nicht persönlich, habe aber gehört, dass sie sehr nett sein soll.

Was haben Emilia Graf und Liza Tzschirner gemeinsam?

Ich bin selber ein naturverbundener, tieraffiner Mensch. Und ich stehe hinter dem Gedanken, mein eigenes Ding zu machen.

"Der Ranger" verbindet Charakterschauspiel mit Naturschutz und eher milden Krimi-Motiven.

Es war seinerzeit komplett neu und wurde mir als Adventure-Format am Freitagabend in der ARD präsentiert. Als man mir diese starke Frauenfigur der Wolfsbiologin vorstellte, die unabhängig und dauernd in der Natur unterwegs ist, war für mich sofort klar, dass ich das machen wollte. Natürlich gibt es in der Serie die Liebesgeschichte, die auch wichtig ist. Aber der Inhalt besteht aus viel mehr: Es ist eine Mischung aus Naturschutz, Familie, Leidenschaft und Identität. Auch die Erzählweisen werden immer wieder neu ausgelotet, andere Schwerpunkte gesetzt. Die letzten beiden Filme hatten mehr Action, brennende Wälder, Flugzeugabstürze und so weiter. Die neuen Teile sind etwas leiser und inhaltlich komplexer. Das liegt mir persönlich auch etwas mehr. Am Ende machts die Mischung.

Wie viel Einfluss haben Sie persönlich auf die Entwicklung Ihrer Figur?

Ich war vor dem Projekt ehrlich gesagt sehr nervös, da es für mich persönlich auch den nächsten Schritt darstellte. Daher musste ich zunächst schauen, wie viel Raum ich mir nehmen kann. Denn natürlich gibt es da auch immer Grenzen. Ich kann zum Beispiel nicht hingehen und die Emilia als zerrissene Frau mit einem Alkoholproblem darstellen. Das ist nicht der Auftrag, der dahinter steht, obwohl so etwas natürlich total faszinierend ist. Trotzdem konnte ich die Figur von Jahr zu Jahr und von Buch zu Buch entwickeln und mich einbringen. Mittlerweile sind wir ja bereits bei den Teilen fünf und sechs angelangt. Da kann ich dann schon mal sagen: "Hey, das verstehe ich nicht, können wir das bitte anders machen?"

Braucht der deutsche Film grundsätzlich mehr dimensionalere Frauenfiguren?

Ich denke schon. Und da ist man ja auf einem guten Weg. Evolutionäre Prozesse dauern lange, aber ich habe das Gefühl, dass wir dabei sind, Sehgewohnheiten zu ändern. Natürlich schreien im ersten Moment immer alle auf, wenn es um etwas Neues geht. Aber mittlerweile haben wir auch eine Plattform dafür entwickelt und mehr Raum, um auch mal andere Frauenfiguren zu erzählen.

In einer Serie wie "Sturm der Liebe", in der Sie auch lange mitgewirkt haben, bleibt man hingegen eher bei der klassischen Variante, oder?

"Sturm der Liebe" hat eine andere Funktion und daher auch andere Figuren und eine andere Erzählstruktur. Es gibt wie im klassischen Märchen, Gut und Böse, Richtig und Falsch. Diese Klarheit hat eine beruhigende Wirkung auf den Zuschauer, gibt Sicherheit. Das kann ich sehr gut nachvollziehen, bildet aber natürlich nicht die Wirklichkeit ab. Vielleicht kann man es mit einem Schokoriegel vergleichen, er tut gut, man braucht ihn immer wieder, der Ernährungsplan muss aber diverser sein. (lacht). Medien haben in diesem Prozess hin zu mehr Diversität eine zentrale Aufgabe, da sie Wahrnehmung und Sehgewohnheiten formen und beeinflussen.

Wie stellt sich das in "Der Ranger" dar?

Wenn wir bei der Emilia bleiben: Diese Figur muss man nicht die ganze Zeit mögen. Sie kann dreidimensional erzählt werden und muss nicht die vollkommen gute und moralisch einwandfreie junge Liebende sein, als die man sie vielleicht vor einigen Jahren erzählt hätte. Sie kann sich durchaus mal einen feuchten Dreck um Konventionen oder das Richtige scheren und ist nicht die Heldin im klassischen Sinne.

Ist "Der Ranger" Heimatfilm 2.0?

Ich glaube, dass es darum geht, was Heimat oder Zuhause bedeutet. Die Sächsische Schweiz spielt in der Reihe eine Hauptrolle. Gleiches gilt für die Themen Klima und Naturschutz. Wenn wir zu den Figuren kommen, haben wir Jonas, der in Kanada gewesen ist und erst mal wieder ankommen muss. Emilia ist zudem selbst gewählt heimatlos und muss den Heimatbegriff neu für sich definieren, im Gegensatz zu Familie Waldeck, für die dieser Begriff ganz klar ist. Unterm Strich steht also: Wir sind auf dem Weg, den Heimatbegriff zu entwickeln.

Wie reagieren die Einheimischen am Drehort auf die regelmäßige Invasion des Filmteams, das zum großen Teil aus Rheinländern besteht und mit Akzent und Ähnlichem gar nichts am Hut hat?

Tatsächlich waren die Menschen erst skeptisch, haben uns dann aber akzeptiert und freuen sich mittlerweile sogar richtig, wenn wir wieder dort aufschlagen, um zu drehen. Mittlerweile sind wir "ihr" Filmteam geworden. Das finde ich schön.

Auch im wahren Leben sind Sie ziemlich vielseitig. Sie arbeiten nebenbei als Barista.

Ja, aber eher aus Spaß. Begonnen habe ich dort seinerzeit aber nicht nur, weil ich Kaffeehaus-Atmosphäre liebe, sondern weil ich schlicht Geld gebraucht habe. Viele Leute denken ja, dass jeder Schauspieler einen Maserati in der Garage stehen hat. Zu dem Zeitpunkt hat’s bei mir aber kaum für ein Fahrrad gereicht (lacht). Es hat sich dann als Arbeit mit einem wundervollen Team herausgestellt. Zudem braucht man für diesen Job einfach eine praktische Intelligenz, die mir nicht unbedingt gegeben ist. Ich bin die Königin darin, die Milchtüte 90 Mal falsch aufzuschneiden und meine Kollegen damit in den Wahnsinn zu treiben. Aber mein Chef sagt, dass ich das mit meinen sozialen Skills wieder ausgleiche.

Und diese Sozialkompetenz ist ja wiederum auch für eine Schauspielerin wichtig.

Das stimmt. Sich auf unterschiedliche Menschen in Rekordzeit einzustellen und mit ihnen zu improvisieren, ist ein großer Bestandteil des Jobs. Als Schauspielerin muss man persönliche Schwellen am Set viel schneller überwinden, weil man eine Form von Intimität herstellen muss und will, um Dinge möglich zu machen, die sonst nie und nimmer funktionieren würden. Von daher helfen mir beide Jobs auf jeden Fall weiter.

TV-TIPP

  • "Der Ranger"
  • Freitag, 22. Januar, 20.15 Uhr
  • ARD

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