Das Land der Freien und die Heimat der Tapferen: So stellt sich die älteste tatsächliche Demokratie der Welt gerne dar. Daher landete erwähnter Satz im Jahr 1814 auch in dem Gedicht von Francis Scott Key, das 1931 zur Nationalhymne der USA erhoben wurde, nachdem man die Melodie eines Trinkerlieds unter den Text gelegt hatte. Ein Epos, das beschreibt, wie die amerikanische Flagge einem Angriff der Briten im Krieg von 1812 standhält und weiter auf dem zuvor beschossenen Fort McHenry in Baltimore weht, als sich der Rauch legt. Widerstand, Kampf, Freiheitsstreben: Diese Begriffe beschreiben den Geist, der bei den Kolonisten vorherrschte, die sich vor 250 Jahren im Krieg mit den Briten befanden. Es ging um Besteuerung und Vorschriften aus einem „Mutterland“, das seinen „Kindern“ fremd geworden war.
Diese Kinder begehrten schon länger auf. Am 11. Juni 1776 beauftragte der Kontinentalkongress der 13 amerikanischen Kolonien ein Komitee, bestehend aus Thomas Jefferson, Benjamin Franklin, John Adams, Robert Livingston und Roger Sherman, mit dem Verfassen einer Unabhängigkeitserklärung. Das Dokument erklärte, „dass alle Menschen gleich geboren; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt sind; dass zu diesem Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit gehöre; dass, um diese Rechte zu sichern, Regierungen eingesetzt sein müssen, deren volle Gewalten von der Zustimmung der Regierten herkommen; dass zu jeder Zeit, wenn irgendeine Regierungsform zerstörend auf diese Endzwecke einwirkt, das Volk das Recht hat, jene zu ändern oder abzuschaffen, eine neue Regierung einzusetzen, und diese auf solche Grundsätze zu gründen, und deren Gewalten in solcher Form zu ordnen, wie es ihm zu seiner Sicherheit und seinem Glück am zweckmäßigsten erscheint“.
Nach 250 Jahren weiß man, dass vieles in diesen Zeilen durchaus interpretierbar ist. Bestimmte Bevölkerungsgruppen waren in dem hauptsächlich von Sklavenbesitzer Thomas Jefferson formulierten Papier offenbar nicht gemeint, wenn von „Menschen“ die Rede war. Die Sezessionisten, die 1861 den Bürgerkrieg begannen, beriefen sich auf den mittleren Teil der Erklärung, die Sklavereigegner auf den Beginn. Was das „Streben nach Glückseligkeit“ bedeutet, wird bis heute diskutiert. Handelt es sich um den „amerikanischen Traum“? Das wäre zumindest ein schöner Gedanke. Die USA haben es in den vergangenen 250 Jahren auch und vor allem durch wirtschaftliche und außenpolitische Erfolge geschafft, ihrer internationalen Stellung als Großmacht und Weltpolizist auch innenpolitisch gerecht zu werden. Themen wie Gleichberechtigung, Wahlrecht und generelle demokratische Werte fanden Niederschlag im politischen Tagesgeschäft.
Heute regiert mit Donald Trump ein autoritärer Präsident mit der Unterstützung eines erzkonservativen Kabinetts in Washington. Im Inneren tief gespalten und nach außen in diverse Konflikte verstrickt, sieht sich die Nation, die einst der Welt erfolgreich ihre demokratische Idee präsentierte, enormen Herausforderungen gegenüber.
Hat die aktuelle Regierung in Washington schon längst damit begonnen, die Demokratie durch Einschüchterung von Gegnern, Zensur, aber auch durch vorgeblich legale Verschiebung von Befugnissen und der Schwächung demokratischer Institutionen abzuschaffen? Die Politologin Cathryn Clüver Ashbrook deckt das Muster hinter diesem Prozess verständlich und schonungslos auf.
„Der amerikanische Weckruf“
von Cathryn Clüver Ashbrook, Brandstätter, 208 Seiten,
22 Euro
ISBN: 978-3-462-00913-2
„Amerika - Traum und Wirklichkeit“
Dreiteilige Reihe über die amerikanische Idee und ihre Umsetzung.
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