Freitagsfilm in der ARD

"Anna und ihr Untermieter": Wortgefecht und das Rosten im Alter

von Wilfried Geldner

Anna ist eine penible Hausfrau, ihr neuer Untermieter Kurtz ein Menschenfeind. Als es darum geht, eine Frau davon abzuhalten Selbstmord zu begehen, macht das ungleiche Paar dennoch gemeinsame Sache.

ARD
Anna und ihr Untermieter: Aller Anfang ist schwer
Komödie • 09.10.2020 • 20:15 Uhr

Nicht nur Hollywood entdeckt die Alten wieder, auch hierzulande haben Seniorenkomödien wie "Altersglühen" oder "Wir sind die Neuen" Hochkonjunktur. Nur beim Generationen-Clash via Dokutainment – siehe "Altes Haus sucht Mitbewohner" bei VOX – will's nicht so richtig klappen: Das "Generationenprojekt" wurde kurz nach dem Start mangels Zuschauern eingestellt. Dass die ARD-Freitagskomödie "Anna und ihr Untermieter: Aller Anfang ist schwer" (Drehbuch: Martin Rauhaus, Regie: Ralf Huettner) auf den Feierabendklamauk verzichtet und sich stattdessen ganz auf Dialogwitz verlegt, ist ihr gar nicht hoch genug anzurechnen. Der Subtitel "Aller Anfang ist schwer" lässt wohl auf mögliche weitere Folgen schließen.

Allerdings wurden die von Katerina Jacob und Ernst Stötzner gespielten Hauptfiguren, eben die Senioren Anna und ihr neuer Untermieter, vom Drehbuch allzu sehr in ihrer Altersstarrheit festgelegt, sodass sie stets wirken wie von einem eisernen Panzer umgeben. Anna, die mit 60 ihre Stelle in einer Parfümerie verloren hat, ist – obwohl von ihrem Mann via Thailand verlassen (Mai Ling!) – noch immer ganz die penible Hausfrau, die bestimmen will, was Sache ist: Tisch und Badezimmerbord werden abgegrenzt, die Badetüre gilt es zu verriegeln. Schließlich hat die Vermieterin kein Bedürfnis, "bereits am frühen Morgen einen nackten Mann zu sehen".

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Kein Mensch weiß, wie es der neue Untermieter, ein auf die 70 zugehender Pensionär vom Kölner Ordnungsamt namens Kurtz ("Kurtz wie lang, nur mit tz!"), auch nur wenige Minuten bei Anna aushalten sollte. Doch der Mann ist zäh, das Leben hat ihn offensichtlich abgehärtet, der Gram sitz tief bis zur Verachtung seiner Mitmenschen. Nicht nur in Notwehr fährt Kurtz die Stacheln aus und setzt verbale Stiche ohne Ende.

Doch der Zufall will es, dass Anna ehrenamtlich bei der Kölner Telefonseelsorge arbeitet. Als sie der anonyme Anruf einer Lebensmüden erreicht, setzt sie alle Hebel in Bewegung, um die Anruferin vor dem beabsichtigten Suizid zu retten. Herr Kurtz vom Ordnungsamt kommt ihr dabei gelegen. Beim Abholen seines Kaktus', den er am Arbeitsplatz zurückgelassen hat, erschleicht er sich auf Annas Geheiß auf dem "kurzen Dienstweg" die Nummer der Lebensmüden. Mal mehr, mal weniger gemeinsam, observieren dann Anna und ihr Untermieter die an sich lebensfroh wirkende junge Frau (Berit Vander), der vor allem mit Kurtzens verbalen Künsten aus Miet- und Studienquerelen geholfen wird. Das dicke Ende allerdings kommt spätestens beim Gartenfest ...

Schade, dass zwischen großteils sublimeren Wortgefechten – ein wahrer Wasserfall aus Spitzfindigkeiten und Sottisen – immer mal wieder mit dem Holzhammer gearbeitet wird. Allzu oft doziert Kurtz über die Endlichkeit des Lebens und über das allmähliche Rosten des Menschen beim Altern. "Si tacuisses!" möchte man da mit dem Lateiner sagen. – An die von Martin Rauhaus ("Hotel Heidelberg") zuletzt für Joachim Król geschriebene Groteske "Endlich Witwer" (ZDF, im Mai 2019) reicht diese Wortkomödie letztlich nicht heran. Unter der Regie von Ralf Huettner wirken die Figuren dann doch allzu stereotyp und letztlich auch zu wenig geheimnisvoll.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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