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"Der dunkle Turm": chaotischer Ritt durch Kings Universum

von Maximilian Haase

Das düstere Epos von Horror-Autor Stephen King galt lange als unverfilmbar, bis sich Nikolaj Arcel doch an den Stoff wagte. RTL zeigt den Film als Free-TV-Premiere.

RTL
Der dunkle Turm
Fantasy • 10.01.2021 • 20:15 Uhr

Stephen King gilt nicht nur als einer der meistgelesenen Schriftsteller der vergangenen Jahrzehnte, er ist auch der meistverfilmte Autor der Gegenwart. Während selbst abwegigste Kurzgeschichten des Horror-Meisters umgesetzt wurden, traute sich lange niemand an das laut Eigenaussage wichtigste Werk des Meisters. Dieses Tabu fiel 2017, als mit "Der dunkle Turm" Kings achtbändiges Epos endlich den Weg auf die Leinwand fand. RTL zeigt die anspielungsreiche Adaption, welche das Potenzial jener düsteren Welt zwischen Fantasy, Horror und Western nur erahnen lässt, nun als Free-TV-Premiere.

Anders als vom Horror-Papst gewohnt, beschäftigt sich die Geschichte nicht mit dem schrittweisen Einbruch des Grässlichen in unseren Alltag. "Der dunkle Turm" hat eine Sonderstellung. Und zumindest in Ansätzen gelingt es der von King persönlich begleiteten Verfilmung von Nikolaj Arcel, die Essenz des komplexen Epos zu fassen: Wir befinden uns in einem Universum, in dessen Zentrum der titelgebende Turm die ihn umgebenden Welten beschützt und im Gleichgewicht hält. Eine jener Welten ist die unsere: Auf der Erde beginnt der Film und führt die düstere Fantasy-Realität zunächst als Hirngespinste und Träume eines Jungen im New York der Gegenwart ein.

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Anders als in der Roman-Reihe steht jener Junge namens Jake Chambers (Tom Taylor), dessen Eltern ihn direkt in die Psychiatrie einweisen wollen, im Mittelpunkt. Und dessen angebliche Halluzinationen erweisen sich als sehr real: Ein bösartiger Zauberer (Matthew McConaughey) beschießt den dunklen Turm mit entführten Kindern, um damit das Schutzschild unseres mehrdimensionalen Universums zu zerstören, außerhalb dessen sich Millionen abscheulicher Monster tummeln. Einzig der cowboyartige Revolvermann Roland (Idris Elba) kann ihn daran hindern. Gemeinsam mit Jake, der sich als des Zauberers wirksamste Kinder-Waffe entpuppt und durch Portale zwischen den Welten-Dimensionen reisen kann, nimmt der Revolverheld den Kampf Gut gegen Böse auf. Puh.

Die Geschichte lässt erahnen, warum "Der dunkle Turm" als schlecht verfilmbar galt. Tatsächlich gelingt es dem actionreichen, doch optisch nicht sonderlich ausgereiften Spektakel nur in Ansätzen, die komplexe Welt anzudeuten: Denn das düstere Universum stellt eine Art Meta-Erzählung dar, welche, so eine gängige Theorie, alle King-Werke und vielerlei Mythen aus der menschlichen Geschichte vereint. So besitzt Jake etwa das "Shining" aus Kings beliebtem Roman.

Man muss wohl nicht weiter betonen, dass es unmöglich ist, diese übergreifenden Bedeutungen des "Dunklen Turms" in lediglich anderthalb Stunden herauszuarbeiten. Für Einsteiger bedeutet dies einen chaotischen Ritt voller Anspielungen und wirren Handlungssprüngen; für King-Kenner eine geglättete Spar-Version eines der komplexesten Roman-Epen der Gegenwart. So oder so – recht machen kann es die Adaption keinem so richtig, weshalb sie den einzig gangbaren Ausweg wählt: Sie konzentriert sich auf den Kampf Gut gegen Böse.

Das herausragende Spiel der beiden Hauptdarsteller McConaughey und Elba, die eine andere Besetzung der King-Charaktere undenkbar erscheinen lassen, ist für "Der dunkle Turm" ein Glücksfall. So sorgen die beiden Superstars wenigstens dafür, dass sowohl Fans der Reihe als auch komplett Ahnungslose eine kurzweilige Melange aus Fantasy, Horror und Western zu sehen bekommen. In welchem Universum diese nun stattfindet, ist – je nach Blickpunkt – leider oder glücklicherweise zweitrangig.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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