"Man lebt nur zweimal"

"Ein starkes Team": Organraub im OP-Saal

von Wilfried Geldner

Ein Unbekannter erschießt während einer OP den Patienten auf dem OP-Tisch. Das Organ, das dem Mann transplantiert werden sollte, ist danach verschwunden.

ZDF
Ein starkes Team: Man lebt nur zweimal
Krimi • 09.01.2021 • 20:15 Uhr

Das Wort "Teilleber-Lebendtransplantation" würde sich sicher zum Unwort des Jahres eignen, läge die chirurgische Innovation selbst nicht schon einige Jahrzehnte zurück und wäre sie nicht auch ein Segen. Linett Wachow (Stefanie Stappenbeck) klärt denn auch gleich Kommissar Garber (Florian Martens) über den medizinischen Eingriff auf: Es sei durchaus Usus, wenn auch in eher seltenen Fällen, bei dringendem Bedarf eine Hälfte der Leber am lebenden Menschen zu transplantieren – der andere Teil regeneriere sich dann und wachse nach. – Ob die für die Menschheit recht segensreiche Erfindung auch für einen Humor-durchsetzten Samstagskrimi wie "Ein starkes Team" (83. Folge: "Man lebt nur zweimal") tauglich ist, sei allerdings dahingestellt.

So lustig ist ja so eine Teiltransplantation nun auch wieder nicht, zumal sie der Autor Timo Berndt (eine Textmaschine, die in allen Serienkanälen – von "Wilsberg" bis "Bodensee-Krimi" – zu Hause ist) mit einem kuriosen Fall von mörderischer Erbschleicherei und allerlei Familiendramatik verknüpft. Dabei wird das klaustrophobische Krankenhaus-Ambiente von der Regie (Martin Kinkel) nur recht grob gezeichnet. Ein Blick auf die Detailverliebtheit etwa des Dauerbrenners "In aller Freundschaft" im Ersten wäre da sicher hilfreich gewesen.

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Der Transplantationsstoff und seine Verquickungen hätten ihrerseits wohl für mehr als nur eine einzige Serienstaffel gereicht. Als mögliche Täter kommen ja Verwandte des Opfers und deren Hintermänner bzw. -frauen ebenso wie die bestechliche Ärzteschaft und prekäre Spender ins Spiel. Nutznießer des gewaltsamen Todes auf dem OP-Tisch könnten vor allem der Bruder des Toten und dessen intrigante Geliebte (Katharina Heyer) sein. Das Erbe eines angesehenen Parfümkonzerns hatte sich zu verflüchtigen gedroht, es musste eilends gehandelt werden.

Dass die Teilleber dann aber im Bauch der zufällig in der Klinik befindlichen Mutter der selbstlosen Spenderin landet, ist wieder eine ganz andere Sache. Auch die Spenderin war ja in unschöne Familienverhälnisse verstrickt: Der eigenen Mutter hätte sie ihr Halborgan nie gegönnt, wie sie darniederliegend bekennt.

Sollte eine satirische Mulloper, ein Gegenstück zum genannten klinischen Dauerbrenner – Titel-Vorschlag: "In aller Feindschaft" – gedacht gewesen sein? Die beschwerliche Mördersuche steht dem leider arg entgegen – sie dehnt sich über die Maßen. – Zwei immerhin haben aber an der kuriosen Parfüm- und Leberstory ihre Freude: Garber suhlt sich beim Thema "Duftforschung" geradezu genüsslich in seinen Sprüchen ("Die Sache stinkt!"), und Sputnik (Jaecki Schwarz) schiebt als Revierfaktotum noch immer seine Kuchentheke samt Zeitungen durch die Flure, als hätten sich die Zeiger der Uhr nie weitergedreht in all den Jahren. Ein Trost immerhin, wenn auch ein schwacher.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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