ARTE-Doku

"Kielings wilde Welt": Atemberaubende Bilder, ernste Botschaft

von Julian Weinberger

Zwischen Wildkatzen und Hyänen: Der preisgekrönte Dokumentarfilmer Andreas Kieling geht in neuen Folgen seiner ARTE-Reihe "Kielings wilde Welt" auf Tuchfühlung mit Exoten des Tierreiches.

ARTE
Kielings wilde Welt
Dokumentation • 07.01.2021 • 20:15 Uhr

Auch nach knapp 30 Jahren hat Andreas Kieling seine große Leidenschaft noch immer nicht verloren. Mit seiner Kamera hat er die exotischsten Tiere in den entlegensten Winkeln unserer Erde aufgenommen und ihr Verhalten dokumentiert. Erstaunliche Einblicke, vom Tierfilmer in epische, farbenprächtige, aber auch mal wilde und raue Bilder gebannt, gibt es nun in den neuen Folgen der ARTE-Reihe "Kielings wilde Welt" zu sehen. Die neuen Episoden führen den erfahrenen Tierfilmer unter anderem nach Island, auf die Fidschi-Inseln – und nach Tansania.

In der Weite der afrikanischen Savanne geht Kieling auf Tuchfühlung mit der Artenvielfalt im Ngorongoro Krater, einem Weltnaturerbe auf 11.700 Metern Höhe. Allein 25.000 Großsäuger wie Büffel, Gnus und Zebras leben dort, stets in der Gefahr von Jägern – im Ngorongoro Krater herrscht die größte Beutegreiferdichte in Afrika – gerissen zu werden. Eine besonders eindrückliche Szene der Auftaktfolge zeigt imposant den Kreislauf des Lebens. In beeindruckender Manier dokumentieren Aufnahmen, wie ein Clan von Hyänen ein Büffelkalb angreift. Zunächst noch verzweifelt von seiner Mutter verteidigt, verendet das Kalb letztlich – und wird von Löwen vertilgt, die in der Hierarchie der Wildnis über den Hyänen stehen.

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Nicht minder interessant sind die Erklärung des Hyänenexperten Dr. Oliver Höner vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Berlin). Er räumt mit einigen Missverständnissen über Hyänen auf und berichtet von den streng hierarchischen Clans der Tüpfelhyänen: "Das Sozialverhalten ist ungeheuer komplex. Es gibt Intrigen, Allianzen, Koalitionen." Entscheidend für den Platz in der Hierarchie ist neben der Verwandtschaftslinie auch die soziale Rangordnung – fast wie in den sozialen Medien, wie Höner vergleicht. Überraschend ist zudem, dass in den Clans Alphaweibchen das Sagen haben. Männchen dagegen stehen den Gruppen in so gut wie keinem Fall als Chefs vor.

Ein komplettes Kontrastprogramm erwartet Andreas Kieling in Island, wo die raue Landschaft aber nicht minder reich an Naturschauspielen ist. Bei der Beobachtung von Küstenseeschwalben in deren Brutzeit gerät der Tierfilmer gar in eine brenzlige Situation: Die Tiere, die den 61-Jährigen als Bedrohung für ihren Nachwuchs begreifen, gehen in den Angriff über. Deutlich beschaulicher geht es für Kieling dagegen im thüringischen Nationalpark Hainich zu, wo er sich auf die Lauer legt. Sein Ziel: ein seltenes Exemplar der Wildkatze vor die Kamera zu bekommen. Und tatsächlich hat der Filmer gleich doppeltes Glück. Nicht nur ein Exemplar des scheuen und sehr sensiblen Waldbewohners wagt sich aus dem Unterholz – sogar ein paar kleine Kätzchen der bedrohten Tierart zeigen sich.

Egal ob bei den Wildkatzen im deutschen Schutzgebiet oder bei der Fütterung von Bullenhaien vor den Fidschi-Inseln: Andreas Kieling stellt auch kritische Fragen, interessiert sich für das Schicksal von bedrohten Tieren. Er tut dies aber zurückhaltend und gestützt von Expertise sowie jahrzehntelanger Erfahrung. Den moralischen Zeigefinger erhebt er an keiner Stelle. Stattdessen werden die Bedrohung der Tiere und die Einschränkung ihrer Lebensräume nebenbei eingewebt und komplettieren so ein insgesamt stimmiges Bild – spektakuläre Motive aus der Luft, auf dem Boden und unter Wasser inklusive.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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