Film im Ersten

"Die Liebe des Hans Albers": leises Dokudrama statt Biopic

von Eric Leimann

Hans Albers war in der NS-Zeit Deutschlands größter Filmstar. Sein Herz gehörte einer Jüdin. Ken Duken und Picco von Groote spielen das Paar im Moment des Wiedersehens 1945.

ARD
Die Liebe des Hans Albers
Dokudrama • 06.01.2021 • 21:50 Uhr

Eigentlich ist es erstaunlich, dass es nie ein großes Filmprojekt über das Leben von Hans Albers gab. Immerhin war der Hamburger Schauspieler und Sänger, der – zumeist schwer alkoholisiert – unvergleichlich zwischen Melancholie, Schnoddrigkeit und Optimismus wechseln konnte, der größte deutsche Filmstar in den Jahren des Nationalsozialismus. Ein Star, der nicht zuletzt wegen seiner jüdischen Lebensgefährtin Hansi Burg nach dem Krieg schnell rehabilitiert wurde. Auch in der 50-ern galt Albers als einer der Großen in der deutschen Unterhaltungsbranche. 1960 starb er im Alter von 68 Jahren am Starnberger See, wo er seine letzten beiden Lebensjahrzehnte verbracht hatte. Übrigens an der Seite seiner großen Liebe Hansi Burg, die direkt nach dem Krieg ins Land der Mörder ihrer Eltern zu "ihrem" Hans zurückgekehrt war. 

Als Hansi in britischer Soldatenuniform zum Hause des ehemaligen Nazi-Idols kommt, lebt dort eine andere Frau. Doch die schmeißt Hans binnen weniger Minuten raus, als er seine Hansi nach sieben Jahren im englischen Exil wiedersieht. So beginnt das Dokudrama von Carsten Gutschmidt ("Weltenbrand 1914"), das nur die ein, zwei Tage direkt nach dem Wiedersehen des nunmehr reiferen Liebespaares erzählt – wobei die Geschichte der beiden in Rückblenden, in die sich dokumentarisches Filmmaterial mischt, nacherzählt wird. Hansi Burg war die Tochter von Eugen Burg, der als einer der gefragtesten Theaterregisseure und Schauspieler seiner Zeit galt. Burg wurde auch zum Mentor der frühen Karriere von Hans Albers. Als die Repressalien der Nazis gegen jüdische Mitbürger immer schlimmer wurden, gingen Hansi Burgs Eltern ins niederländische Exil. 1944 starb Eugen Burg im KZ Theresienstadt.

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Die Liebesgeschichte zwischen Hansi Burg und Hans Albers ist ebenso interessant wie die Karriere des Schauspielers in der Nazi-Zeit. Während Albers einen Unterhaltungsfilm nach dem anderen drehte – die man entweder als Abenteuerstreifen oder auch Propagandaparolen lesen konnte – blieb er den Nazis gegenüber stets distanziert und ließ sich bei offiziellen Terminen "entschuldigen". Hansi Burg, von der er sich 1935 per offiziellem Brief an Josef Goebbels getrennt hatte, versteckte sich lange Zeit in einer Berliner Wohnung, das Paar traf sich heimlich. Erst 1938 floh Burg, die auch selbst als Schauspielerin gearbeitet hatte, nach England – ohne ihren Lebensgefährten darüber zu informieren.

In seiner Darstellung versucht Ken Duken erst gar nicht, wie der echte Hans Albers zu wirken. Auch sieht er dem markanten Hamburger Volkshelden ("Auf der Reeperbahn nachts um halb eins") nicht wirklich ähnlich. Macht aber nichts, denn im leisen Kammerspiel zweier vom Krieg und ihrer ambivalenten Vergangenheit geschädigter Seelen geht es viel mehr um Fragen der Liebe, Moral und zwiespältigen Lebensentscheidungen als um Nachahmungswettbewerbe. Seine Themen setzt das elegische Dokudrama-Stück am See sehenswert und schauspielerisch anspruchsvoll in Szene. Dass es ein leiser, nachdenklicher Film geworden ist, zeigt auch seine Platzierung nach der klassischen Primetime, um 21.45 Uhr.

Bleibt die Frage, warum es bislang keinen "großen" Hans Albers-Film gab. Vielleicht wollte man sich in den zwei, drei Jahrzehnten nach dem Krieg, als sich noch fast alle Deutschen an den größten Leinwandhelden der Nazi-Jahre erinnern konnten, politisch nicht in die Nesseln setzen. Später dann, als es möglich gewesen wäre, war Albers dann schon halb vergessen, zumindest galt er als onkelhaft altmodisch. Trotzdem lebte der nuschelige Schauspieler und Sänger, der übrigens nie zur See fuhr, dazu unverheiratet und kinderlos blieb, vor allem in seinen ikonografischen Filmszenen und Songs weiter, die spätestens in den 70-ern in die Randbereiche nostalgischer Unterhaltung wanderten. Wenn man es so sieht – im Juli 2020 feierte man Albers' bereits 60. Todestag – ist die filmische Annäherung an seine wirklich spannende Biografie auf eine eher unspektakuläre Art dann auch wieder erklärbar.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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