"Wilsberg – Straße der Tränen"

Wilsberg gegen die Computer-Kids

von Wilfried Geldner

Eine junge Frau wurde nach einem Diskobesuch entführt. Dasselbe passierte vor zwei Jahren zwei anderen Frauen, die wenige Tage später ermordert wurden. Das Internet jedoch macht Wilsberg-Freund Ekki als Tatverdächtigen aus.

ZDF
Wilsberg – Straße der Tränen
Kriminalfilm • 27.06.2020 • 20:15 Uhr

In seinem 55. Fall "Straße der Tränen" (2017), den das Zweite nun wiederholt, wird Wilsberg (Leonard Lansink) mit einer Jugend konfrontiert, die dem Internet huldigt – und das reichlich gedankenlos. Es ist Wilbergs Sicht, und sie passt zu ihm wie angegossen. Analog gegen digital, einsamer und umsichtiger Wolf gegen vorauseilende Computer-Kids – so ungefähr lauten die Gegensätze, die sich genüberstehen. Wenn dann auch noch Wilsbergs Antipodin, die Hauptkommissarin Anna Springer (Rita Russek), auf ihr "Bauchgefühl" pocht und ihre konservative Sicht der Dinge hinzufügt, ist die Devise "Mehr Spaß als Spannung" wieder einmal programmiert.

Emelie Boll, eine junge Frau, wurde nach einem Clubabend entführt – so wie zwei weitere Frauen vor zwei Jahren. Und weil eben diese nach jeweils drei Tagen ermordet wurden, beginnt für Wilsberg & Co. ein Kampf gegen die Zeit. Denn es scheint ganz so, als hätte der Serienmörder von damals wieder zugeschlagen. Ausgerechnet Wilsbergs Freund und Helfer Ekki (Oliver Korittke) wurde aber gesehen, wie er Emilie als Tramperin im Auto nach Hause fuhr. Unter dem eilends ins Internet gestellten Hashtag "#woistemelie" scheint der Fall für viele Follower schnell geklärt: Ekki war's. Gleich wird denn auch auf Ekkis Karre ein weißes "M" gepinselt – ganz wie im Fritz-Lang-Fim "M – Eine Stadt sucht einen Mörder". Ein etwas hoch gegriffenes Zitat.

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An Ekkis Schuld können allerdings weder Wilsberg noch die Kommissarin Springer glauben. Doch während Wilsberg mit einem ganzen Pulk Internet-Freaks gemeinsame Sache macht, um den Täter zu finden, wendet sich die Kommissarin von dieser Strategie mit Verachtung ab. Es dauert, bis der Münsteraner Privatdetektiv und Antiquar Wilsberg endlich zu einer kleinen finalen Moralpredigt ansetzen kann. Ob es nicht besser wäre, sich ganz analog an die Umwelt zu wenden, wenn man sich verachtet und ausgeschlossen fühle, statt sich in die Untiefen des world wide web zu begeben, fragt er nicht ohne Grund. Darin schwingt fraglos auch Wilsbergs Sehnsucht mit, dass das ganz reale Leben, ohne Hashtags und zweifelhafte Internet-Nerds wieder Platz greifen möge.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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