Hal Hartley

Regisseur, Autor, Komponist und Schauspieler: Hal Hartley Vergrößern
Regisseur, Autor, Komponist und Schauspieler: Hal Hartley
Hal Hartley
Geboren: 03.11.1959 in Lindenhurst, New Jersey, USA

Auf höchst eigene Weise kreisen die intelligenten Filme des amerikanischenn Independent-Regisseurs Hal Hartley immer wieder um die Themen Liebe und Vertrauen, Sehnsucht nach Geborgenheit und Angst vor Enttäuschung. Hartley gilt als einer der talentiertesten Vertreter des jungen unabhängigen Autorenfilms in den USA.

Schon mit seinen Kurzfilmen sorgte er für Aufsehen, nach Spielfilmen wie "Trust" (1991), "Simple Men" (1992), "Amateur" (1993) und "Flirt" (1993, mit Maria Schrader) ist er zu einer festen Größe auf Festivals geworden und genießt besonders unter europäischen Cineasten großes Ansehen. Mit der analytischen Distanz und dem ästhetischen Selbstbewusstsein eines Jean-Luc Godard einerseits und mit dem entlarvenden Witz eines Woody Allen andererseits führt Hal Hartley - der Howard Hawks und Preston Sturges zu seinen Vorbildern zählt - dem Zuschauer menschliche Verhaltensweisen mit all ihren Unzulänglichkeiten, aber auch mit all ihrem versteckten Charme vor Augen.

Hal Hartley wächst in Lindenhurst, Long Island auf, nur eine Zugstunde von New York entfernt. Nach seiner Schulausbildung studiert er Malerei an der Kunstakademie in Boston und dreht erste kleine Experimentalfilme und Videos. 1980 schreibt er sich an der Filmschule von Purchase im Staat New York ein, wo er bei Aram Avakian Regie und Schnitt sowie bei Yari Neyman Kamera studiert. Nach seinem Studienabschluß 1984 dreht er einige Kurzfilme wie "Kid" (1984) und "Die Freundin des Kartographen" (1987), die mit Erfolg auf verschiedenen Festivals aufgeführt werden. Außerdem arbeitet er als Produktionsdesigner unter anderem bei Laurie Andersons Multimedia-Performance "Home of the Brave" mit.

Gemeinsam mit Jerome Brownstein und Bruce Weiss gründet Hartley 1988 die Firma "Action Features", die auch seinen ersten Spielfilm "Verdacht auf Liebe" (1989) produziert. Schon in diesem Film kommen all die Elemente zum Vorschein, die auch für Hartleys folgende Werke so typisch sind: ein feines Gespür für psychologische Vorgänge, die Bloßstellung grotesker Machtrituale und die Suche nach der eigenen Identität. Seine Helden des Alltags sind Außenseiter auf der Suche nach Liebe und Verständnis, hin- und hergerissen zwischen einem merkwürdigen Drang nach Unabhängigkeit und Anpassung. Die größten Banalitäten werden mitunter zu ihrem größten Problem, während sie hohen Idealen nachjagen. Hartleys lakonischer Humor wird kontrastiert durch seinen ausgeprägten Sinn für absurde Situationen und groteske Überspitzungen, die er mit perfektem Timing inszeniert.

Auf dem Londoner Filmfestival läuft "Verdacht auf Liebe" mit so großem Erfolg, dass die britische Produktionsfirma "Zenith" ("Sid und Nancy", "Die Toten") die Finanzierung von Hartleys zweitem großen Film "Trust – Blindes Vertrauen" übernimmt, der 1991 auf zahlreichen Festivals Preise erhält, unter anderem beim Sundance Festival in Park City, sowie auf Festivals in Sydney, Deauville und Houston. Als "Trust" in die amerikanischen Kinos kommt, wird der damals 33jährige Hartley schnell als die heißeste Entdeckung seit Jim Jarmusch gehandelt. Der Durchbruch beim europäischen Publikum gelingt Hal Hartley 1991 mit seiner wunderbar absurd-melancholischen Komödie "Simple Men". Nicht zufällig spielt der Film auf Long Island, der Heimat Hal Hartleys, der von sich behauptet, er mache Filme über Menschen, die er kennt, und über Dinge, die ihm vertraut sind.

Seit "Simple Men" sind es vor allem europäische Produzenten und Firmen, mit denen er seine Filme realisiert, die gerade von amerikanischen Kritikern immer wieder gerne als "europäisch" charakterisiert werden. Besonders Vergleiche mit dem Werk und der Filmsprache Jean-Luc Godards. Hartleys Affinität zu Europa spricht auch aus der Besetzung der weiblichen Hauptrolle in "Amateur" (1994), eine tragikomisch-schräge Melange aus Gangsterfilm und Beziehungsdrama. mit der bekannten französischen Schauspielerin Isabelle Huppert. Diese Besetzung ist deshalb bemerkenswert, weil Hartley für seine kontinuierliche Zusammenarbeit mit einem bewährten kleinen Schauspieler-Team bekannt ist.

Zu diesem ausgewählten Kreis zählen neben der gebürtigen Rumänin Elina Löwensohn ("Basquiat") noch Karen Sillas ("Female Perversions - Phantasien einer Frau"), Martin Donovan ("Malcolm X") und Robert Burke ("Robocop 3", "Cop Land"). Alle vier tauchen auch in einer der drei Geschichten wieder auf, die Hartley in "Flirt" erzählt. Noch auffälliger ist die Kontinuität der Zusammenarbeit im Fall des Kameramanns Michael Spiller, der schon seit dem Kurzfilm "Kid" zu Hartleys Team gehört. Ähnliches gilt auch für den Cutter Steve Hamilton und den Produktionsdesigner Steve Rosenzweig.

Neben der Schauspielerin Elina Löwensohn war Rosenzweig als Produktionsdesigner auch bei Hartleys Premiere als Regisseur bei den Salzburger Festspielen mit dabei. Dort hatte 1998 sein Musical Play "Soon" über den Sektenwahn in den USA Weltpremiere. Hartley, der unter dem Pseudonym Ned Rifle auch den Soundtrack für viele seiner Filme komponierte, schrieb die Musik zu der Auftragsproduktion der Salzburger Festspiele gemeinsam mit dem Rockmusiker Jim Coleman.

Weitere Filme von Hal Hartley: "Henry Fool" (1997), "Das Buch des Lebens" (1998), "The New Math(s)", "Die schönste Sache der Welt: Kimono" (beide 2000), "No Such Thing" (2001), "The Sisters of Mercy" (2004), "The Girl from Monday" (2005).


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