Schönheit aus Frankreich: Isabelle Huppert.
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Isabelle Huppert

Isabelle Anne Huppert
Lesermeinung
Geboren
16.03.1953 in Paris, Frankreich
Alter
68 Jahre
Sternzeichen
Biografie

Sie ist 1,52 Meter klein, blass, hat Sommersprossen, blaugrüne Augen, schmale Lippen. Doch keineswegs unscheinbar, vielmehr eine starke Persönlichkeit. Etwas lauernd trotziges liegt in ihrem Blick. Sie ist neben Isabelle Adjani eine der erfolgreichsten und berühmtesten Schauspielerinnen ihrer Generation. Isabelle Huppert kommt in Paris zur Welt.

Die jüngste von vier Töchtern und einem Sohn muss sich in ihrer gutbürgerlichen Pariser Familie - der Vater ist im Safe-Geschäft - mit Ellenbogen durchsetzen. Sie besucht die Schule in St. Cloud, die Universität in Clichy, wo sie Russisch und orientalische Sprachen belegt - sie weiß nicht so recht, was sie sonst anfangen soll. Die Schauspielerlaufbahn beginnt 1968, als sie ins Konservatorium von Versailles eintritt.

Sie arbeitet an der "Buttess Chaumont" als Statistin, besucht die Schauspielschule im Centre de la Rue Blanche und ab 1972 das Pariser Konservatorium. Da hat sie schon ihre ersten (unterbezahlten) Rollen in Café-Theatern. Erste Bühnenerfolge an der Comédie Française in Moliéres "Der Geizige". 1971 debütiert sie mit Miniaturen im Film. "Faustine ou le bel été" von Nina Companeez neben Isabelle Adjani ist ihr Kinodebüt, davor hat sie schon in der Fernsehfolge "Proust" (1971) mitgewirkt. Dann folgen "Le bar de la fourche" 1972) von Alain Levent, "César und Rosalie" (1972) von Claude Sautet, ein Film in dem sie die kleine Schwester der Rosalie alias Romy Schneider spielt, sowie Bertrand Bliers "Die Ausgebufften" (1973, mit Gérard Depardieu, Miou-Miou, Patrick Dewaere, 1973) und 1974 eine kleine Rolle in Otto Premingers "Unternehmen Rosebud".

Internationale Bekanntheit durch "Die Spitzenklöpplerin"

Gerne erinnert sich die Schauspielerin auch an die Zusammenarbeit mit René Allio in "Ich, Pierre Riviére, der ich meine Mutter, meine Schwester und meinen Bruder getötet habe" (1974). 1976 steht Isabelle Huppert zum ersten Mal unter der Regie von Bertrand Tavernier in der "Der Richter und der Mörder" vor der Kamera, ein Jahr später kommt der Film, der sie international berühmt macht: Claude Gorettas "Die Spitzenklöpplerin". Isabelle Huppert sagt in einem Gespräch mit Florian Hopf (1980): "Ich wollte immer spielen. Das hat wohl irgendwie mit meiner Kindheit zu tun. Ob auf der Bühne oder vor der Kamera befindet man sich da immer in einem Dialog mit seiner eigenen Vergangenheit." Eine merkwürdige Feststellung: Im Grunde hat die Kleinste einer kinderreichen Familie immer versucht, bei ihrem Spiel mit ihrer Lebensrolle fertig zu werden oder sie zu definieren. Vielleicht rührt daher der Eindruck vieler Kritiker, wenn sie vor allem die Intensität ihres Spiels loben.

In vielen Filmen ist Isabelle Huppert das ausgemachte Opfer (oder das alleinige). In Yves Boissets "Dupont Lajoie" (1975) spielte sie ein kleines Mädchen, das vergewaltigt und ermordet wird; in Claude Gorettas "Spitzenklöpplerin" wird sie als Handarbeiterin vom sozial besser gestellten Freund verlassen, und bei Chabrol ist sie als "Violette Nozière" (1977/78) Opfer unerträglicher häuslicher Verhältnisse und der Lebenslust der Dreißigerjahre. Bald darauf spielt sie in "Der Loulou" (1979) von Maurice Pialat die Rolle einer ziemlich lebenshungrigen bürgerlichen Aussteigerin, die der schicken kulturgesättigten Umgebung ein Abenteuer im verkommenen Pariser 15. Arrondissement vorzieht. Zu der Zeit als dieser Film startet, sagte sie: "Ich habe dem französischen Film viel geholfen und ich habe ihn verteidigt, aber sogar ich würde nach meiner bisherigen Entwicklung sagen: es gibt einen Typus Film, den ich nicht mehr machen will. Es hat sicherlich eine Zeit gegeben, wo ich nicht geglaubt hätte, dass ich jemals so reden würde, weil ich das für reaktionär gehalten hätte, aber die Situation hat sich geändert. Der französische Film zumindest ist sehr narzistisch geworden".

Zu dem Zeitpunkt ist sie 30 Jahre alt. Und weiter sagt sie: "Ich bin heute nicht mehr dagegen, einen Film zu machen, der glatt ist, der kommerziell ist" und es ist der Zeitpunkt ihrer Veränderung: "Vieles, was ich spielte, läuft erst einmal cerebral bei mir ab. Jetzt will ich auch Rollen haben, von denen ich sagen kann, das bin ich nicht selbst, das muss ich spielen, das reizt mich deswegen."

Claude Chabrol beobachtet 1977, dass Isabelle Huppert nach dem Spiel der elfjährigen Violette Nozière fast eine Woche lang die wiedergefundenen kindlichen Verhaltensweisen nicht mehr loszubringen vermochte. 10 Jahre nach "Violette Nozière", dreht Claude Chabrol wieder mit Isabelle Huppert in der Hauptrolle, diesmal in "Eine Frauensache". Marie ist eine lebenslustige Frau, die mit zwei Kindern recht und schlecht in einem Rattenloch haust. Durch Zufall hilft sie einer Nachbarin, die eine ungebetene Schwangerschaft loswerden will, bei einer Abtreibung. Maries Fähigkeit macht die Runde, sie wird zu einer gern frequentierten Nachbarschaftshilfe, die sie sich anfangs zögernd, dann doch sehr gezielt und später auch üppig entlohnen lässt. Als der Ehemann, schwer kriegsversehrt und natürlich arbeitslos von der Front zurückkommt, erhält er angesichts der verbesserten Finanzverhältnisse nur die lakonische Antwort: Eine Frauensache. Aus der lebensfrohen, auch immer etwas lasziven Dreißigjährigen wird zusehends eine geldgierige Geschäftsfrau. Sie schafft sich ein Haus auf dem Lande, vermietet Zimmer an Prostituierte, nimmt sich auch eine Hilfe ins Geschäft und treibt es mit einem miesen kleinen Kollaborateur, der davon lebt, dass er den Nazis hilft, "ein wenig Unkraut zu jäten." Als Ehemann Paul seine Frau mit diesem Galan im Bett überrascht, zeigt er sie bei der Polizei an, Marie kommt ins Gefängnis, Marschall Petain will sich durch ein drastisches Urteil Respekt verschaffen und schickt Marie aufs Schafott zur Ehre von "Gott, Familie und Vaterland".

Isabelle Huppert ist hervorragend, bald hilflos symphatisch, dann wieder berechnend, eklig, etwa wie sie mit den armen kleinen Kindern der Frau umspringt, an deren Tod sie schuld ist. 1995 folgt - wieder bei Chabrol "Biester". Zwei Mädchen, ein Dienstmädchen (Sandrine Bonnaire) und ein Postfräulein (Isabelle Huppert) kommen sich näher, fallen auf, man betrachtet sie mit Mißtrauen. Isabelle Huppert kann sich allein in ihren Bewegungen kaum zähmen. Es ist ein Hüpfen und Springen ganz eigener Art, und auch die Gesten und Bewegungen unterliegen einer starken Kontrolle, sind angepasste Bewegungen. Und die beiden werden allmählich zu "Biestern", die ein Chaos anrichten. 1997 ist sie wieder in Chabrols Komödie "Das Leben ist ein Spiel" Betty, die sich sehr handgreiflich eines wohlhabenden kleinen Abenteurers bedient, den sie beim Roulette beobachtet. Sie spielt ihm was vor, geht mit ihm aufs Zimmer, gibt ihm Schlaftropfen - und dann tritt Victor in Aktion: Er macht sich an die Brieftasche.

Betty und Victor, das sind Isabelle Huppert und Michel Serrault, ein wunderbares Gespann! Wie sie miteinander und mit den anderen umgehen, wie sie immer wieder neue Spiele spielen, das ist wunderbar anzusehen. Chabrol lässt ihre Identität, ihre Beziehung zueinander in der Schwebe, man weiß nur, dass er der Chef ist, den Kurs bestimmt und vor allzu gefährlichen Dingen warnt, wenn es droht, brenzlig zu werden. Zu ihren wichtigen Rollen gehört das zerbrechliche Mädchen Jenny, die in Patrizia Moraz' "Die Indianer sind noch fern" (1977) nach Glück, nach Kommunikation, nach irgendeinem Zeichen sucht, oder Rose, die junge Frau in Bertrand Taverniers "Der Saustall" (1981), die ständig von ihrem Mann geprügelt wird und gelegentlich Schutz sucht in den starken Armen des Dorfpolizisten Philippe Noiret. Vor allem aber die Prostituierte Ella, Partnerin von Kris Kristofferson in Michael Ciminos "Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel".

Für "Violette Noziére" wird sie 1978 in Cannes ausgezeichnet, 1996 erhält sie gemeinsam mit Sandrine Bonnaire den Darstellerpreis für "Biester" in Venedig. 2009 übernahm Huppert zudem das Amt der Jurypräsidentin bei den 62. Filmfestspielen von Cannes, nachdem sie bereits 1984 Mitglied der Wettbewerbsjury war.

Für ihre Rolle in der Komödie "8 Frauen" bekam Huppert 2002 einen Silbernen Bären bei der Berlinale, 2017 gewann sie ihren ersten Golden Globe-Award als beste Darstellerin in einem Drama für ihre Leistung "Elle" und wurde zudem für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert.

Weitere Filme mit Isabelle Huppert: André Téchinés Künstlerbiografie "Die Schwestern Brontë" (1978), "Die Kameliendame", Godards "Rette wer kann (das Leben)" (beide 1980), "Stille Wasser" (1981), "Passion" (1982), "Entre Nous" (1983), "La Garce" (1984), Curtis Hansons Thriller "Das Schlafzimmerfenster" (1986), Andrzej Wajdas Historiendrama "Die Dämonen" (1987), Werner Schroeters Literaturverfilmung "Malina" (1990), Chabrols Literaturverfilmung "Madame Bovary" (1991), "Nach der Liebe" (1992), Hal Hartleys Thriller "Amateur" (1993), das Ehedrama "Trennung", "L' Inondation" (beide 1994), Paolo und Vittorio Tavianis Literaturverfilmung "Wahlverwandtschaften", Claude Pinoteaus Filmbiografie "Marie Curie - Forscherin mit Leidenschaft", "Abfallprodukte der Liebe" (alle 1996), "Schule des Begehrens" (1998), "Pas de scandale" (1999), Chabrols Kriminalfilm "Süßes Gift", "Saint Cyr" (beide 2000), "Die Klavierspielerin" (2001), "8 Frauen" (2002), "Wolfzeit", "Henri Cartier-Bresson - Biographie eines Blickes" (beide 2003), "I Heart Huckabees", "Zwei ungleiche Schwestern" (beide 2004), "Gabrielle - Liebe meines Lebens" (2005), "Geheime Staatsaffären", "Privatbesitz" (beide 2006), "Home" (2008), "Villa Amalia" (2009), "Copacabana" (2010), "I'm Not a F**king Princess", "Mein liebster Alptraum" (beide 2011), "Liebe", "Die Nonne" (beide 2012), "Dead Man Down", "Missbrauch" (beide 2013), "Das Verschwinden der Eleanor Rigby", "Sehnsucht nach Paris" (beide 2014), "Louder Than Bombs", "Valley Of Love - Tal der Liebe", " Falsche Vertraulichkeiten", "Alles was kommt" (alle 2015), "Elle" (2016).

Filme mit Isabelle Huppert
1972
Wen lieb' ich denn nun? Romy Schneider zwischen
Sami Frey (l.) und Yves Montand
César und Rosalie
Liebesfilm
1973
Flotter Dreier: Gérard Depardieu, Miou-Miou und
Patrick Dewaere (v.l.)
Die Ausgebufften
Erotikfilm
1974
Larry Martin (Peter O'Toole , l.) verhandelt mit
Sloat (Richard Attenborough)
Unternehmen Rosebud
Agententhriller
1976
Der Richter und der Mörder
Kriminalfilm
1977
Ich will dich nicht so sehen, mein Kind!
Jean Carmet und Isabelle Huppert
Violette Nozière
Kriminalfilm
1978
Reverend Patrick Brontë (Patrick Magee) mit seiner Tochter Emily (Isabelle Adjani)
Die Schwestern Brontë
Künstlerbiografie
1979
Wer hat gesagt, dass das Aussteiger-Dasein lustig
sei! Gérard Depardieu und Isabelle Huppert
Der Loulou
Drama
1980
Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel
Westernepos
1980
Ihr könnt mich auch am A... lecken! Isabelle Huppert hat ihr Leben satt
Rette wer kann (das Leben)
Episodenfilm
1981
Der Saustall
Tragikomödie
1981
Treiben ein perfides Spielchen: Jean-Louis
Trintignant und Isabelle Huppert
Stille Wasser
Psychokrimi
1982
Passion
Gesellschaftsdrama
1983
Finden sich:  
Léna (Isabelle Huppert) und Madeleine (Miou-Miou, r.)
Entre Nous
Melodram
1987
Der Verzweiflung nahe: Isabelle Huppert als Marie
Schatow
Die Dämonen
Historiendrama
1988
So, und jetzt die Beine breit! Isabelle Huppert
(l.) als "Engelmacherin" 
Eine Frauensache
Drama
1991
Madame Bovary
Literaturverfilmung
1992
Muss du immer so viel reden? Isabelle Huppert und
Hippolyte Girardot
Nach der Liebe
Liebesfilm
1993
Isabelle (Isabelle Huppert) will Thomas (Martin
Donvan, r.) helfen, sein Gedächtnis wieder
zu finden.
Amateur
Thriller
1995
Sind gefährlich: die Biester Sandrine Bonnaire
(l.) und
Isabelle Huppert
Biester
Psychokrimi
1996
Erfolgreiches Team: Isabelle Huppert, Philippe
Noiret (M.) und Charles Berling
Marie Curie - Forscherin mit Leidenschaft
Filmbiografie
1996
Wahlverwandtschaften
Literaturverfilmung
1997
Also, ich find' rauchen cool! Isabelle Huppert
Das Leben ist ein Spiel
Gaunerkomödie
1998
Schatz, du hast dich vollgesabbert! Isabelle Huppert und Vincent Martinez
Schule des Begehrens
Melodram
1999
La fausse suivante
Tragikomödie
1999
Nur kein Skandal!
Spielfilm
2000
Comédie de l'innocence
Gesellschaftsdrama
2000
Saint Cyr
Historiendrama
2000
Süßes Gift
Kriminalfilm
2001
Die Klavierspielerin
Drama
2002
8 Frauen
Musicalkomödie
2002
The Piano Player
Thriller
2003
Einer der größten Fotografen aller Zeiten: Henri
Cartier-Bresson
Henri Cartier-Bresson - Biographie eines Blickes
Dokumentarfilm
2003
Wolfzeit
Drama
2004
I Heart Huckabees
Komödie
2004
Meine Mutter
Erotikfilm
2004
Mimen die Schwestern: Isabelle Huppert (l.) und
Catherine Frot
Zwei ungleiche Schwestern
Tragikomödie
2005
Gabrielle - Liebe meines Lebens
Drama
2006
Geheime Staatsaffären
Drama
2008
Home
Drama
2009
Villa Amalia
Drama
2009
White Material - Land in Aufruhr
Drama
2010
Copacabana
Tragikomödie
2011
I'm Not a F**king Princess
Drama
2011
Mein liebster Alptraum
Komödie
2011
Mondo Lux - Die Bilderwelten des Werner Schroeter
Dokumentarfilm
2012
Die Nonne
Drama
2012
Liebe
Drama
2013
Dead Man Down
Thriller
2014
Das Verschwinden der Eleanor Rigby
Drama
2014
Sehnsucht nach Paris
Tragikomödie
2015
Louder Than Bombs
Drama
2015
Valley Of Love - Tal der Liebe
Drama
2016
Alles was kommt
Drama
2016
Ein Chanson für dich
Drama
2016
Elle
Drama
2017
Isabelle Huppert spielt die taffe, unterkühlte Firmenchefin Anne.
Happy End
Drama
2017
Marvin (Jules Porier) hat in seiner Kindheit in der Provinz keine Chance, zu sich selbst zu stehen.
Marvin
Drama
2018
Zwischen Greta (Isabelle Huppert, rechts) und Frances (Chloë Grace Moretz) entwickelt sich eine innige Freundschaft.
Greta
Thriller
2020
Als Madame Ben Barka hat Patience Portefeux (Isabelle Huppert) in der Pariser Drogenszene das Sagen. Da können die Machos nur demütig den Kopf senken.
Eine Frau mit berauschenden Talenten
Komödie

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