Jacques Becker

Ihn interessierten ungewöhnliche Charaktere: 
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Ihn interessierten ungewöhnliche Charaktere: Regisseur Jacques Becker 
Jacques Becker
Geboren: 15.09.1906 in Paris, Frankreich
Gestorben: 20.02.1960 in Paris, Frankreich

Als Angestellter einer Reederei kommt Jacques Becker auf einer Seefahrt erstmals mit dem Film in Berührung. King Vidor begeistert ihn für Hollywood, doch Amerika will keine Ausländer. Da geht der junge französische Ingenieur nach Hause zurück und wird Assistent bei Jean Renoir, der "Die Hündin" dreht. Er bewundert Renoir, sie werden Freunde und diese Freundschaft prägt Becker ein Leben lang. Wie Robert Bresson und Henri Georges Clouzot beginnt Becker mit eigenen Filmen im besetzten Frankreich, doch der Krieg unterbricht die Arbeit, "L'or de Cristobal" wird von Jean Stelli fertiggestellt und gezeichnet. Nach dem Krieg dreht Jacques Becker Filme: vielseitig, immer wieder überraschend: Menschen, Charaktere inmitten einer Welt, in der sie gefordert sind. Ein ungewöhnlicher Mann, der 1960, mit 54 Jahren viel zu früh stirbt.

Im Paris der Jahrhundertwende verliebt sich das junge Mädchen Marie (genannt: Goldhelm) in den Ganoven Manda und diese romantische Liebe führt zur tödlichen Unterwelttragödie. Der hochbegabte, arbeitslose Pianist Edouard, der seine bezaubernde Frau Caroline aufrichtig liebt, setzt aus Unachtsamkeit Glück und Ehe beinahe aufs Spiel ("Edouard und Caroline"). Die Jazzkeller von Saint-Germain, das Leben und Treiben der jazzbegeisterten Studenten der Nachkriegszeit, eine Jugend die ihre eigenen Wege geht, sich von den tradiierten Vorstellungen der Väter emanzipiert hat steht in "Rendezvous de Juillet" im Mittelpunkt.

Jacques Becker hat das Kino in einem Kinderbuch gefunden: "Ich erinnere mich an ein paar Ausgaben der "Belles Images", die ich als Kind durchstöberte. Da gab es klare Geschichten mit allen cinematographischen Details," und bei den Jugendlichen fühlte er sich am ehesten zu Hause. Was seinen Film über die Nachkriegsjugend von Paris so lebensvoll, so authentisch macht, ist die Leichtigkeit, Phantasie, die Dramaturgie, die die scheinbar zufällig zusammengewürfelten Episoden zu einem Ganzen vereint. Paris und die Welt rings um den Montmartre, Lebensfreude, doch ohne geschönten Blick, Probleme und Alltagskonflikte nicht fortgeleugnet: Immer bleibt die Kinogeschichte der Wirklichkeit verpflichtet.

Und in der Tat war Jacques Becker eine der zentralen Gestalten der Pariser Filmszene. Nur 14 Filme umfassen sein Lebenswerk, doch mit diesen steht er in der Tradition jener, "die mit der comédie humaine dem Bild des Menschen unverlierbare Aspekte hinzugewonnen haben", wie es Hans-Dieter Roos formuliert hatte, und der Kritiker Jean de Baroncelli schrieb: "Wenn man über Beckers Filmwerk nachdenkt, entdeckt man, dass wir ihm den besten Bauernfilm ("Fatale Familie") verdanken, den besten französischen Krimi ("Wenn es Nacht wird in Paris"), eine subtile Chronik unserer Gesellschaft der Fünfziger Jahre ("Haute Couture", "Zwei in Paris") und ein Meisterwerk ("Goldhelm").

Chaplin und Stroheim waren die großen Vorbilder des jungen Becker, und wenn man seinen "Arsène Lupin, der Millionendieb" sieht, kommt diese Zuneigung voll zur Geltung: das Clowneske der Charlie-Figur in Robert Lamoureux' André/Arséne und die bitterböse Typisierung der Gesellschaft des Ministerpräsidenten, die an Stroheims Sarkasmus ("Foolish Wives") erinnert. Becker, den man den französischsten unter den französischen Regisseuren nannte, ist eigentlich von der Abstammung her Schotte und war ja ursprünglich auf dem Weg nach Hollywood.

Zwangsweise blieb er in Frankreich und drehte von seinem Debüt bis zu den letzten Filmen eine Reihe unvergesslicher Werke. Becker war kein Regisseur der psychologisch-sozialen Geschichten, ihn interessierten die ungewöhnlichen Charaktere in der Konfrontation der Umgebung: Nicht der Ganove Arséne Lupin, der eigentlich Mitglied der honorigen Gesellschaft ist, sondern der Fremde, der Geheimnisvolle, der die anderen durch sein unerwartetes Handeln, sein keckes Auftreten, seine Behendigkeit überrascht; nicht der geniale Maler Moudliani, sondern die Reaktion des Paris auf das Genie ist wichtig, und Gérard Philipe lässt eine Art nüchterner Zurückhaltung spüren ("Montparnasse 19"). Es fehlt jedes Raffinement, nichts von Sensation liegt in der Geschichte des Malers, der immer nur unter Alkohol schaffen konnte.

Und wenn Jean Gabin als Max am Ende von "Touchez pas au Grisbi" durch die Geschwätzigkeit seines Freundes Riton um sein "Erspartes", das heißt um die Beute aus dem letzten großen Coup gebracht wird, nimmt er das schulterzuckend hin und ist eher traurig über den Tod seines Freundes.


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