Die Gerichtsvollzieherin mit dem drolligen Namen Kuckuck hat viel zu tun: Alte Mieter müssen entmietet werden, Schlangen aus Gründen des Geldmangels verkauft. Und privat läuft es sowieso nicht rund.

Genug der Dorfhelferinnen, Insel- und Eifelärztinnen. Jetzt sind mal die Gerichtsvollzieherinnen dran. Einfühlungsvermögen, man mag es gar nicht glauben, ist ja sogar in deren Berufsbild eingeschrieben. Zudem sind sie ja auch, das nur nebenbei, für die Vollstreckung der Rundfunkgebührenpflicht zuständig. Billy Kuckuck (Aglaia Szyszkowitz) im ARD-Freitagsfilm "Billy Kuckuck – Margot muss bleiben!" ist eine von der sympathischen Sorte. Wenn schon, dann möchte man den behördlichen Zugriff auf Haushaltsgegenstände oder gar die Wohnungstüre von einer wie dieser ertragen – zumal ja bei ihr nicht sicher ist, dass das alles schon endgültig sei.

Aglaia Szyszkowitz lächelt so schön. Sie hat das schönste Mädchengesicht des deutschen Fernsehens. Alles kommt bei ihr ehrlich rüber und vertrauenswürdig. Man nimmt ihr alles ab – selbst den abwegigsten aller erdenklichen Jobs – den der Gerichtsvollzieherin.

Schade nur, dass sie im Film (Drehbuch: Kirsten Peters, Regie: Jan Ruzicka) viele Texte sprechen muss, die nicht ihr Gefühlsniveau erreichen. Gleich zu Beginn muss sie wie ein Schnellfeuergewehr loslegen, um eine Baumschützerin von einer Pappel herunterzuholen (gehört auch das zum Job-Profil?). Sie weiß alles, ein wandelndes Lexikon, auch den lateinischen Pappelnamen.

"Mein Name ist Kuckuck. Ich bin Gerichtsvollzieherin." – Diesen Satz trägt sie als Aushängeschild vor sich her. Auch der letzte Zuschauer möge bitte merken, wie lustig der Name Kuckuck ist. Im Film wird dieses Witzigkeitssignal allerdings nie eingelöst. Es geht in der Hauptsache um Billys Familie – und um Menschen, denen zu helfen ist. Billy hat ihren Mann (Gregor Bloéb) nach dessen Seitensprung mit einer Jüngeren samt daraus resultierendem Nachwuchs verlassen. Doch überkommt sie nach dem vielleicht übereilten Entschluss die Reue. Gelegenheitssex im Auto gibt's ohnehin immer noch. "Warum haben wir das nicht früher gemacht?" – Diese Frage ist leicht zu beantworten: "Da hatten wir ein gemeinsames Bett!"

Hannah, die 15-jährige Tochter (Vivien Sczesny), die man im wöchentlichen Wechsel hütet, hat einen um vieles älteren Freund. Beide Eltern mögen ihn nicht, man fürchtet um ihre "Jungfräulichkeit". Beiden wird von der Tochter wiederum vorgehalten, auch sie hätten ja jeweils einen um vieles jüngeren Partner. Mancher Dialog kreist um die Frage, ab wann man darf oder dürfen sollte, als wohne man einer Sitzung der Freiwilligen Filmbewertungsstelle bei. Mal bewegt man sich im tiefsten 19. Jahrhundert, mal wieder wirkt der Dialog forciert inkorrekt, so als hätten die Beteiligten bei den Wiener "Vorstadtweibern" oder wenigstens bei "Sex and the City" gelauscht.

Es geht aber auch um tapfere Mainzer Hausfrauen, die sich mit der 80-jährigen Margot Kühlborn aus der Moselgasse (Monika Lennartz) solidarisieren, die im Auftrag eines Jurastudenten aus ihrer Wohnung vertrieben werden soll. Tapfer skandieren die Nachbarn unter Transparenten gegen Polizei und Frau Kuckuck an – endlich mal Mainz nicht "wie es singt und lacht". Und es gibt, auch das, Deutsche mit Migrationshintergrund, die der Gerichtsvollzieherin im Amte helfen – unter anderem auch dann, wenn es darum geht, gefährlich züngelnde Reptilien für dringend benötigtes Geld zu verhökern.

An pulsierendem Leben ist also kein Mangel – nur weiß man leider nicht, wohin das alles wirklich laufen soll. Die Figuren stecken irgendwo zwischen Comedy und Melodram im halbkomischen Niemandsland. Nicht familiär genug, aber auch nicht sozial brisant (vor allem Billys Mann, ein Polizist, hängt doch arg in der Luft). Es wirkt, als habe man eine schon fertige Serie recycelt. Merkwürdig, dass die schlichtesten Szenen – etwa das Alter- und Beruferaten bei Billys Blind Date mit Lukas (Bernd-Christian Althoff) – auch die schönsten, weil entspanntesten sind.


Quelle: teleschau – der Mediendienst