Erzgebirgskrimi - Der Tote im Burggraben
17.04.2021 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
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Originaltitel
Erzgebirgskrimi
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2021
Serie, Krimireihe

Glückauf, Herr Kommissar!

Von Hans Czerny

Im dritten Erzgebirgskrimi ermitteln Kommissar Winkler (Kai Scheve) und seine junge Kollegin Szabo (Lara Mandoki) nach dem Fund einer Leiche in der Nähe der Burg Hartenstein. Der Tote muss zur Zeit der Wende umgekommen sein – wollte er etwa sein Erbe zurück?

Die Leiche, die Bauarbeiter im dritten ZDF-"Erzgebirgskrimi" in der Nähe der Burg Hartenstein bei Aue ausgegraben haben, sieht aus wie Ötzi, der Steinzeitmensch. Allerdings: Der "Tote im Burggraben" ist wesentlich jünger. Die Gerichtsmedizinerin datiert den Fund aufgrund radiologischer Untersuchungen auf die Zeit der Wende zurück. Drei Patronen, die den Körper durchschlugen, stammen von einer Smith & Wesson. Die aber hat's im Osten erst nach der Öffnung der Mauer gegeben.

Robert Winkler (Kai Scheve), der schnell und launig recherchierende Kommissar, stößt mit seiner jungen Kollegin Karina Szabo (Lara Mandoki) alsbald auf allerlei Tatverdächtige. Der Bürgermeister des Ortes, Gerd Steigerwald (Thomas Thieme als wahrer Kotzbrocken) wird nicht müde, den Verdacht auf seinen ehemaligen Konkurrenten Peter Klamroth (Florian Lukas) zu lenken. Doch Klamroth hat damals nur den auf der Kellertreppe verunglückten Vater heimlich ins Grab der Mutter gebracht.

Der Burggraf floh vor der Roten Armee nach Westen

Immerhin: Eine erste Leiche wäre damit bereits geoutet. Die zweite, wichtigere, folgt sogleich – nicht zuletzt, weil im Erdloch ein herrschaftlicher Gehstock samt Silberknauf gefunden wird. Der Tote wird als ehemaliger Besitzer des nahen Jagdschlosses identifiziert. Daraus hatte man nach dem Krieg ein Waisenhaus, später ein Hotel gemacht. Der schlimme Bürgermeister konnte – offensichtlich wohl an der Treuhand vorbei – das Schlösschen gegen eine hohe Provision zu Wendezeiten an eine Frankfurter Versicherung verscherbeln.

Schon zu Zeiten des Krieges war zu Hartenstein viel Finsteres geschehen. Am Ende des Krieges waren die Schlossherren vor der herannahenden Roten Armee gen Westen geflohen. War der tote Nachfahre der alten Burggrafen, einst ein Angehöriger der SS, zurückgekehrt, um sich seinen rechtmäßigen Besitz zurückzuholen?

Leo P. Ard und Rainer J. Jahreis, die Autoren dieses Heimatstücks mit politischem Hintergrund, haben sich offensichtlich vom Schicksal der sächsischen Burg Hartenstein inspirieren lassen, die bei Kriegsende SS-Verbänden als Festung diente und dann ein ruinöses Ende fand. Dass sie dabei gleich mehrere zeitliche Ebenen – Kriegsende, Wendezeit und Gegenwart – durcheinanderwirbeln, macht es dem Zuschauer nicht leicht.

Viel einfacher haben es Winkler und Szabo bei ihren munteren Recherchen unter den Ortsbewohnern. Jeder im Ort weiß etwas über die Vorgänge von einst zu berichten. Besonders die jetzt 94-jährige ehemalige Mitarbeiterin des Bürgermeisters (Jutta Wachowiak) und ihre Tochter (Ruth Reinecke) haben viel Heikles zu erzählen aus alten Tagen.

So wird aus einem anfänglich von der Regisseurin Constanze Knoche recht munter in die Landschaft eingebetteten Heimatkrimi – alle grüßen sich immerfort mit "Glückauf!", weil wir doch im Bergbauland Erzgebirge sind – zunehmend ein Plauderstück. Zu viele Personen stören Spannung und Suspense. Immerhin bietet der offene Schluss dann eine recht überraschende Pointe. – Dass sich die wöchentlichen Heimatkrimis – vom Bodensee bis Usedom – aber längst gegenseitig auf die Füße treten, braucht nicht mehr betont zu werden. Im Erzgebirge konkurrieren gleich zwei heftig miteinander: In "Wolfsland" (ARD) wurde die letzte Mumie 2018 ausgegraben, etwas verspätet ist nun der "Erzgebirgskrimi" im Zweiten dran. In beiden Fällen sind bereits mehrere weitere Folgen abgedreht oder wenigstens geplant.

Erzgebirgskrimi – Der Tote im Burggraben – Sa. 17.04. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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