Fliesenleger Martin und Krankenschwester Karla kratzen den Rest ihres Geldes zusammen, um ein Häuschen im Grünen zu erwerben. Welch ein Abenteuer!

Zum Ende des Monats müssen sie ihre Berliner Wohnung geräumt haben, so der Befehl des Verwalters. Die sofortige Wohnungssuche bleibt erfolglos, der Campingplatz droht. Dass eine Bank ein "leicht renovierungsbedürftiges Haus" im Grünen versteigert, scheint die Erlösung zur richtigen Zeit. Karla und Martin, sie Krankenschwester und er Fliesenleger, jedenfalls schlagen zu, obwohl die Kosten ihre Möglichkeiten eigentlich bei Weitem übersteigen. Karla ist Optimistin und Martin immerhin ein Macher. Nicht nur, weil es allerlei abenteuerliche Hindernisse zu überwinden gibt, sondern weil Karla und Martin mit Katharina Schüttler und Hans Löw endlich mal so erfrischend anders besetzt sind als die üblichen Glücksfilmpaare, macht die Komödie "Hausbau mit Hindernissen" im Ersten sehr viel Spaß.

Nicht nur, dass sich die Handwerker immer mal wieder gegenseitig im Wege stehen – auch die Nachbarn nerven. Die Frau (Angela Winkler), die immer so merkwürdig durch den Vorhangschlitz guckt. Der alte Mann, der auf Griesgram macht. Aber Mats und Finja, die aufgeweckten Kinder des Paares, richten das schon. Mats fängt zu dessen Dank eine der vielen Ziegen des Nachbarn ein, und Finja kriegt raus, dass die alte Dame am Fenster des Nebenhauses einen Mann mit Schlaganfall betreut.

So entwickelt sich alles weit weg von der Hausbau-Komödie (wie einst Dieter Wedels "Einmal im Leben") hin zur amüsant-romantischen Nachbarschaftshilfe. Aus "psychologischer Kriegsführung vom Feinsten" – das Häuschen gehörte mal dem Sohn des verschlossenen Ziegenzüchters Rufus (Peter Franke) – entwickelt sich tiefe Freundschaft. Vor allem die süßen Kinderchen sind derart gewitzt und märchenfest, dass sich alle Hindernisse wie von selbst schier in Nichts aufzulösen scheinen. Wie von Zauberhand verwandeln sich in ihren Augen die Nachbarn in Eisköniginnen oder Feen.

Doch just, als einem das Märchenhafte zu viel zu werden droht, kommt es zu schrillen Katastrophen: Martin fällt im Sturm bei einem Hausrettungsversuch vom Dach, und Karla, die immer noch als Krankenschwester arbeitet, versagt bei ihrer Nachtschicht. Zu allem Übel häufen sich auch wieder mal die fälligen Rechnungen auf dem Tisch. Noch ein Sturm, und noch mehr Verzweiflung. Karla am Ende? – Fast, hätte der Ziegenpeter-Nachbar nicht in letzter Sekunde geholfen.

Am Ende wird dann aus der Komödie beinahe noch ein Psychothriller. Doch dann versammeln sie sich alle friedlich – die Eisfee, die Krankenschwester, der Ziegenpeter und der Fliesenleger. Wäre man böswillig, könnte man behaupten, dass diese Hausbau-Komödie irgendwann wie ein nasses Kartenhaus zusammenfällt. Aber die Bilder (Regie: Till Franzen, Kamera: Timo Moritz) sind so märchenhaft schön, die Mädchenstimme Katharina Schüttlers so somnambul magnetenhaft, dass man von der Traumkomödie kaum lassen kann. Einfach mal was anderes am Freitagabend.


Quelle: teleschau – der Mediendienst