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On the Border - Europas Grenzen in der Sahara
In der alten Handelsstadt Agadez in Niger an der Grenze zur Sahara versuchte die Europäische Union einst, Fluchtrouten Richtung Mittelmeer zu schließen - bis zum Militärputsch 2023. Über fünf Jahre lang begleitet der Film den Bürgermeister Rhissa Feltou, Sohn einer nomadischen Tuareg-Familie, und die Umbrüche der Stadt: ein sensibles Porträt eines besonderen Orts am Schnittpunkt unterschiedlicher Denkweisen und Kulturen. In Agadez hatte die Europäische Union mit großem Einsatz Polizisten und Grenzsoldaten ausgebildet, um Fluchtrouten zu kontrollieren. Dabei wurde bewusst mit alten Traditionen gebrochen, denn eine angestammte Einnahmequelle des Orts waren der Transit und das Schleusen von Menschen. Eine virtuelle Grenze hatte dann seit 2015 dafür gesorgt, dass nur noch wenige Migranten mit einer speziellen Genehmigung von Agadez in Richtung Mittelmeer weiterreisen durften, was manche alteingesessene Familie ärmer gemacht hatte. Im Gegenzug war den 118.000 Einwohnern versprochen worden, Jugendarbeitslosigkeit, Kriminalität und Korruption zu bekämpfen - in der hochkomplexen politischen Gemengelage des Stadtgefüges nicht immer mit Erfolg. Nach dem Putsch von General Abdourahamane Tiani im Juli 2023 wurde bereits im November das Migrationsabkommen mit Niger von EU-Seite gekündigt. Mittlerweile orientiert sich der neue Machthaber nach Russland. Die Verbote zum Schleusen von Menschen sind offiziell aufgehoben. Die beiden Filmemacher Igor Hauzenberger und Gabriela Schild haben bei mehreren langen Aufenthalten in Niger viel Zeit mit ihren Protagonisten verbringen können, was Vertrauensverhältnisse geschaffen hat, die auch im Film spürbar sind. Getragen wird ihr dabei entstandener Dokumentarfilm vor allem von Rhissa Feltou, der bis 2019 Bürgermeister von Agadez war, als progressive Stimme für die Stärkung der Frauenrechte aber schließlich die Wahlen verlor. Er stammt aus einer nomadischen Tuareg-Familie, hat im Ausland studiert und starke Bande nach Straßburg, wo seine Frau und seine Kinder leben. Er versteht sich als Grenzgänger und als Vermittler zwischen zwei Kulturen und öffnete dem Filmteam viele Türen wie die zu einer Tuareg-Schule in der Wüste. Tilla Amadou, die als Radiomoderatorin im lokalen Sender "Radio Nomad" auch die Welt von außen in der Stadt zu Gehör bringt, widmet sich der Perspektive der Frauen in der männerdominierten Welt am Rand der Sahara. Der Film begleitet sie bei ihren Reportagen und Interviews. Weitere Interviewpartnerinnen sprechen offen über Armutsprostitution, Drogenprobleme und die Gewalt der Männer. Ein Repräsentant der alten Welt ist dagegen der Schmuckhändler und ehemalige Touristenführer Ahmed Dizi. Er spricht sieben Sprachen, kann aber vom einst florierenden Verkauf von Silberschmuck kaum noch leben. Denn die Touristen, die Agadez einst als Stadt des UNESCO-Weltkulturerbes häufig besuchten, kommen seit 2008 nicht mehr in die Region, die seit Jahren als "Hochrisikozone" eingestuft wird. Auch während der Präsenz der EU-Truppen musste das Filmteam vor Aufständischen und vor islamistischem Terror geschützt werden. Der österreichische Regisseur Gerald Igor Hauzenberger studierte Film, Theater und Kunst in Berlin und Wien. Seit 2001 arbeitet er als Regisseur, Kameramann und Produzent. Seine Produktionsfirma Framelab hat sich auf politische und soziale Themen spezialisiert. Gabriela Schild ist französisch-österreichische Autorin, Regisseurin und Produzentin. Sie ist Absolventin der Filmschule "École Internationale de Création Audiovisuelle et Réalisation" in Lyon und der "School of Cinema and Television of Quebec". "On the Border - Europas Grenzen in der Sahara" feierte seine Festivalpremiere 2024 auf dem "International Documentary Film Festival Amsterdam" (IDFA) und wurde bis zu seinem Kinostart im Sommer 2026 auf zahlreichen renommierten Filmfestivals wie dem "DOK.fest München" gezeigt. Redaktionshinweis: 3sat zeigt den Dokumentarfilm "On the Border - Europas Grenzen in der Sahara" als deutsche TV-Premiere.