Tage des letzten Schnees
03.02.2020 • 20:15 - 21:45 Uhr
Fernsehfilm, Drama
Lesermeinung
Kirsten (Victoria Mayer) und Lars Eckert (Barnaby Metschurat) unterhalten sich mit ihrem Besuch.
Vergrößern
Kommissar Fischer (Henry Hübchen, l.) übernimmt die Klärung des Unfalltods von Lars Tochter Anna. Er kennt die Familie und hofft, dass Lars (Barnaby Metschurat, r.) am Tod seiner Tochter keine Schuld trägt.
Vergrößern
Die Kommissar-Kollegen Fischer (Henry Hübchen, r.), Satorius (Victoria von Trauttmansdorff, 2.v.r.) und Lutz Wegner (Jannik Schümann, 2.v.l.) besehen sich den Tatort. Lisa Marin (Mercedes Müller,l.) wurde mit drei Schüssen ermordet.
Vergrößern
Der Banker Markus Sellin (Bjarne Mädel) lernt bei einer Geschäftsfeier in einer Diskothek die junge Lisa Marin (Mercedes Müller) kennen.
Vergrößern
Originaltitel
Tage des letzten Schnees
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2019
Fernsehfilm, Drama

Ein Unfall, der Familien zerstört

Von Wilfried Geldner

Ein Vater holt seine Tochter ab – auf dem Nachhauseweg kommt es zu einem schrecklichen Unfall, die Tochter stirbt. Hat es einen anderen Unfallverursacher gegeben? Doch dessen Spuren fehlen. Als eine Ehe über dem Unfall zu zerbrechen droht, greift Kommissar Fischer (Henry Hübchen) rettend ein.

Schuld- und Angstgefühle sind die Beweggründe in diesem atmosphärisch bestimmten ZDF-Krimi nach einem Roman des Erfolgsautors Jan Costin Wagner, der seine Geschichten stets in Finnland spielen lässt und damit in eine Reihe mit skandinavischen Kriminalgrößen wie Mankell oder Adler-Olsen tritt. Der Drehbuchautor Nils-Morten Osburg ("Ostfriesenblut", "Kennedys Hirn") hat das Geschehen – zwei Schicksale laufen hier so unerbittlich wie trivial aufeinander zu – allerdings nach Hamburg verlegt. Der Kommissar, der in "Tage des letzten Schnees" alles aufzuklären hat, heißt jetzt nicht mehr Kimmo Joentaa wie in der komplizierteren Vorlage, sondern schlicht und einfach Fischer, Johannes Fischer. Von Henry Hübchen wird er Anteil nehmend gespielt.

Es hätte nicht sein müssen, dass Fischer in dem verunfallten Familienvater Lars Eckert (Barnaby Metschurat) einen Bekannten aus früheren Tagen erkennt: Fischers früh verstorbene Frau war mit den Eckerts befreundet. Als Kommissar Fischer vom Tod der elfjährigen Tochter Anna bei dem Unfall erfährt, vergrößert sich im Kommissar noch einmal der Schmerz über den nicht verwundenen Tod der eigenen Frau, den er mit einsamen Besuchen am Meer zu bekämpfen versucht.

Annas Vater hatte der Tochter verweigert, bei einer Freundin zu schlafen, sie habe am anderen Morgen eine Chemiearbeit zu schreiben, hatte die Mutter gemahnt. Auf dem Rückweg vom Eishockey nach Hause passiert es dann: ein riesiger Knall, ein weißer Blitz, ein Wagen, der sich überschlägt. Beim Wiedererwachen gewahrt Lars: Seine Tochter ist tot. Wie er selbst, so kann auch seine Frau das Unglück nicht fassen, beide erleiden einen Nervenzusammenbruch.

Immer mehr drängt sich die Schuldfrage in den Vordergrund: Gab es einen anderen Unfallverursacher, oder trug Lars ganz alleine die Schuld, wie nun seine Frau Kirsten (Victoria Mayer) mutmaßt? Spuren eines anderen Wagens gibt es jedenfalls nicht. In Rückblenden und Szenenwechseln kommt eine andere Familie ins Spiel: Der Banker Markus Sellin (Bjarne Mädel) lässt sich, wenn man so sagen darf, bei einem Geschäftstreffen in Frankfurt von einer jungen Frau verführen, es ist ein fast peinlicher Dialog am Disco-Tresen, ein beängstigend steifer Flirt, dessen übler Ausgang allerdings vorläufig verhindert wird, weil die Flirtpartnerin Markus' Ehering gerade noch bemerkt.

Es kommt dann aber doch, wie es kommen soll: Banker Markus hat Fallen gefunden an der Dame, einer armen Kunststudentin aus Rumänien im Übrigen. Bald wird er hohe Beträge nach Rumänien überweisen und gar eine Wohnung in Hamburg fürs künftige Doppelleben ordern. Es wird dann noch einmal der stille Kommissar Fischer gerufen werden, weil man auf einer öffentlichen Bank eine mit drei Schüssen getötete Frau findet. Selbstredend gerät unser Banker unter Verdacht.

So richtig finden die beiden Parallel-Dramen ihre Verbindung nicht, es sei denn, man wollte das Spiel des Schicksals schon als hinreichende Dramaturgie gelten lassen. Doch immerhin hat das Stück starke Stellen, die sich weit herausheben vom ansonsten soliden Umgang mit dem Klischee. Vor allem der Schock der Eltern wird vom Regisseur Lars-Gunnar Lotz nachvollziehbar inszeniert, und im Gespräch zwischen Annas Mutter und dem einsamen Kommissar entsteht tatsächlich so etwas wie Trost aus Trauer. Im Ganzen jedoch lässt die allzu schlichte Fallkonstruktion einem Kino der Gefühle viel zu wenig Raum.

Tage des letzten Schnees – Mo. 03.02. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

Das beste aus dem magazin

Das Buch „Der Tod ist dein letzter großer Termin. Ein Bestatter erzählt vom Leben“ von Christoph Kuckelkorn
Gesundheit

Für Sie gelesen: "Der Tod ist dein letzter großer Termin. Ein Bestatter erzählt vom Leben"

Christoph Kuckelkorn, bekannt als Bestatter und ehemaliger Präsident des Festkomitee Kölner Karneval, beschreibt in seiner neuen Biografie die Gemeinsamkeiten zwischen Bestattungen und Karneval. Er gibt Einblicke in sein Berufsleben und seine persönlichen Erfahrungen mit Trauer und Verlust.
Dr. Julia Fischer lacht.
Gesundheit

Fettleber ohne Alkohol – wenn der Stoffwechsel die Leber angreift

Eine 60-Jährige aus Rheinland-Pfalz kämpft mit einer stoffwechselbedingten Fettlebererkrankung. Trotz fehlender Symptome kann diese Krankheit schwerwiegende Folgen haben, wie erhöhte Risiken für Herzinfarkte und Schlaganfälle. Intensive Betreuung im Leberzentrum Mainz und eine Ernährungsumstellung helfen ihr, die Krankheit in den Griff zu bekommen.
Yared Dibaba lacht.
HALLO!

Yared Dibaba: "Ich möchte mich einbringen, in den Dialog gehen"

Yared Dibaba reflektiert in seinem neuen Buch „Bin da, wer noch?“ über seine persönliche Reise von Äthiopien nach Deutschland und die Bedeutung von Vielfalt und Identität.
Ein Paar steht im Sonnenuntergang am Strand und hat sich in den Armen.
Reise

Ein schöner Urlaub für alle: Barrierefrei reisen

Barrierefreies Reisen ist für Menschen mit verschiedenen Einschränkungen möglich. Ob Unterkunft, Sehenswürdigkeiten oder Mobilitätsservice – "Reisen für alle" bietet die passende Lösung.
Das Buch „Nimm den Zwängen die Macht. Zwangsstörungen und Zwangsgedanken verstehen, sich ihnen stellen und Freiheit zurückgewinnen “
Gesundheit

Für Sie gelesen: "Nimm den Zwängen die Macht"

Zwangsstörungen belasten Betroffene und sind oft schwer nachvollziehbar. Ein neuer Ratgeber erklärt die Unterschiede zwischen Marotten und krankhaften Zwängen und gibt wertvolle Tipps zur Überwindung.
Midge Ure guckt in die Ferne.
HALLO!

Midge Ure: "Es ist entweder mutig oder komplett verrückt"

Midge Ure, ehemaliger Frontmann von Ultravox, kehrt mit einem neuen Doppel-Album zurück. Im Interview spricht er über seine musikalische Entwicklung, den Einfluss von Kraftwerk und seine Entscheidung für ein Doppel-Album.