Wetter extrem
30.08.2019 • 21:15 - 21:45 Uhr
Natur+Reisen, Natur und Umwelt
Lesermeinung
Wir sehen, dass es nur mit erneuerbaren Energien und auch mit der Mobilitätswende nicht reicht. Sondern wir brauchen auch den dritten großen Stellhebel und das ist die Agrarwende.
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Es ist nicht mehr zu übersehen: Der Norden verändert sich mit dem Klima. Was bedeutet das für die Bewohner an der Nordseeküste und im Hinterland?
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Entweder wir vertrocknen hier oder wir saufen hier ab. Ich frage mich, ob wir überhaupt noch mal ein normales Jahr bekommen.
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Es ist nicht mehr zu übersehen: Der Norden verändert sich mit dem Klima. Was bedeutet das für die Bewohner an der Nordseeküste und im Hinterland?
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Landwirt (Pellworm)  Dass wir im Sommer mit der Winterfütterung beginnen müssen, habe ich noch nie erlebt. Auf den Weiden und Äckern ist alles verdorrt. Nachts wache ich auf und frage mich,  wie es weitergehen soll.
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Wetter extrem

Vertrocknete Deiche, rissige Böden wie nach einer Dürre, schwere Sturmfluten, Starkregen und überschwemmtes Marschland: "Wetter extrem" in Norddeutschland. Es ist nicht mehr zu übersehen: Mit dem Klima verändert sich der Norden.

Was bedeutet das für die Bewohnerinnen und Bewohner an der Nordseeküste und im Hinterland? Philipp Abresch, langjähriger Asienkorrespondent der ARD, geht dieser Frage in der ersten Folge der NDR Reportagereihe zur Klimakrise nach. Seine Reise führt von den Nordfriesischen Inseln über Cuxhaven bis zu den Obstplantagen in der Haseldorfer Marsch. Er trifft dort Landwirte, Geschäftsleute, Lokalpolitiker und den Klimaforscher Prof. Mojib Latif. Alle treibt dieselbe Sorge um: Wie schützen wir uns vor Extremwetterereignissen und wie verhindern wir, dass alles noch viel schlimmer kommt?

Silke und Jörg Backsen, Biobauern auf Pellworm, klagen deshalb gegen die Bundesregierung. Zusammen mit anderen Biobauern und der Umweltschutzorganisation Greenpeace wollen sie erreichen, dass die Regierung ihre Klimaziele umsetzt. Die Familie Backsen mit ihren vier Kindern lebt vom Getreideanbau und von der Viehzucht. Die Dürreperiode 2018 ließ die Felder vertrocknen. Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht ihren Hof. Ob ihre Kinder auf Pellworm noch eine Zukunft haben, ist fraglich. Doch die Bundesregierung verschleppt den Klimaschutz, statt ihn aktiv anzugehen. "40 Prozent CO2 sollten eingespart werden von 1990 bis jetzt. Es gab zig Kabinettsbeschlüsse. Passiert ist nichts. Wir wollen, dass die Regierung endlich handelt", sagt Silke Backsen.

Die Bewohnerinnen und Bewohner an der Nordseeküste leben seit Jahrhunderten mit dem Meer. Wie verheerend Sturmfluten sind, zeigen die Spuren untergegangener Siedlungen im Watt. Philip Abresch trifft dort den Klimaforscher Prof. Mojib Latif, Leiter des Forschungszentrums GEOMAR. Vor etwa 700 Jahren ist hier ein ganzes Dorf untergegangen. Nur Fundamente, Brunnenreste und Scherben von altem Geschirr sind noch übrig. Die sogenannte Grote Mandränke war eine Jahrhundertflut. Ein singuläres Ereignis. "Heute ändert sich das Klima mit unglaublicher Geschwindigkeit. Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann müssen wir damit rechnen, dass noch viel mehr Land im Meer versinkt", sagt Mojib Latif. Diese Sorge treibt auch die Bewohnerinnen und Bewohner von Cuxhaven um, vor allem im Stadtteil Sahlenburg. In dem vom Tourismus geprägten Ortsteil gibt es keinen Deich. Seit 40 Jahren kämpfen die Einheimischen dafür, bisher vergeblich. Auch hier stehen Existenzen auf dem Spiel, wie Philipp Abresch erfährt. Familienbetriebe wie die Bäckerei Itjen oder das Hotel von Ines und Axel Finck. Beim Orkantief "Xaver" im Jahr 2013 entgingen sie nur knapp einer Überflutung.

Dass der Meeresspiegel immer schneller steigt, belegen Messdaten, die das Recherchenetzwerk CORRECTIV ausgewertet hat, und beunruhigt die Itjens sehr. Auch sie wollen, dass die Regierung in Sachen Klimaschutz endlich handelt und Sahlenburg einen Deich bekommt.

Die Klimakrise im Norden hat viele Gesichter. Landwirt Nico Nommsen auf Pellworm wusste im Dürresommer 2018 nicht, wie er seine Milchkühe und Bullen durchbringen soll und verkaufte in seiner Not Tiere schon vor der Schlachtreife. Auch die Bäume von Apfelbauer Jan Plüschau litten unter den anhaltend hohen Temperaturen. Philipp Abresch trifft ihn auf seinem Hof. Das größte Problem: Bei Starkregen droht der gesamten Marsch Land unter. Die Pegel von Nordsee, Elbe und Pinnau steigen. Die Entwässerungstechnik ist alt und marode und für extreme Wetterereignisse, die mit dem Klimawandel einhergehen, nicht gerüstet.

Viele Menschen haben mittlerweile begriffen, dass umgesteuert werden muss, um die Folgen der Klimaerwärmung in Grenzen zu halten. Veganer etwa versuchen ihren CO2-Fußabdruck zu minimieren, indem sie auf tierische Nahrung verzichten. Denn unbestritten ist: Die Massentierhaltung heizt das Klima weiter an. Der Wursthersteller Rügenwalder Mühle in Bad Zwischenahn in Niedersachsen hat deshalb einen Teil seiner Produktion auf vegane Produkte umgestellt. Philipp Abresch, weder Veganer noch Vegetarier, probiert die Veggie-Varianten. Dabei erzählt Geschäftsführer Godo Röben, wie er versucht, in der Fleischbranche ein Umdenken durchzusetzen. Mut machen Röben die Konsumenten. Immerhin macht das Unternehmen mittlerweile schon 30 Prozent seines Umsatzes mit fleischlosen vegetarischen Produkten.

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