Wilsberg - Mogelpackung
04.04.2026 • 20:15 - 21:45 Uhr
Serie, Krimireihe
Lesermeinung
Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky, r.) ist genervt von Privatdetektiv Wilsberg (Leonard Lansink, l.), der sich schon wieder in polizeiliche Ermittlungen einmischen will.
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Juristin Tessa Tilker (Patricia Meeden) und Privatdetektiv Wilsberg (Leonard Lansink) sprechen über den gelösten Fall. Tessa präsentiert Wilsberg dabei eine mögliche Lösung, wie mit dem Testament der verstorbenen Hausbesitzerin verfahren werden kann.
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Privatdetektiv Wilsberg (Leonard Lansink, l.) hat Besuch von seinem Klienten Ferdinand Feldkamp (Steffen Groth, r.), der dringend neue Erkenntnisse von Wilsberg zu seinem Anliegen kriegen möchte.
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Wilsberg (Leonard Lansink, r.) hat sich vor Hausbewohnerin Janne Becker (Teresa Harder, 2.v.r.) als Mitarbeiter des Bauamts ausgegeben und sich so Zutritt zu einer Wohnung verschafft, in der er eine Leiche gefunden hat. Als Anna Springer (Rita Russek, l.)
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Originaltitel
Wilsberg
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2026
Altersfreigabe
12+
Serie, Krimireihe

Von der Nebenrolle zum Star – es ist die Zeit von Overbeck

Von Kai-Oliver Derks

Im neuen "Wilsberg"-Krimi wird der Mitarbeiter eines Entrümpelungsunternehmens ermordet. Privatdetektiv Wilsberg muss eine ziemlich komplexe "Mogelpackung" öffnen, um den Täter dingfest zu machen.

Der "Wilsberg" macht es seinem Publikum ja nun wahrlich nicht leicht. Schon seit Jahren lautet ganz offensichtlich die Strategie: Die aktuellen Mordfälle werden meistens in ein zwar hochrelevantes, aber eben auch staubtrockenes Thema eingebettet. Da geht es dann um digitale Sicherheit, um illegales Abpumpen von Tiefenwasser, um Künstliche Intelligenz, Social-Credit-Systeme, um Health-Food oder frisierte Unternehmensbücher. Das sind allesamt natürlich sehr wichtige und brisante Themen, die bestens in jedes Programmstrategiebuch passen – aber ein bisschen mehr Mensch und weniger Wirtschaft könnte es ab und an an einem Samstagabend schon mal sein. Schließlich soll der Münster-Krimi "Wilsberg", den es mittlerweile seit 31 Jahren gibt, auch immer heiter unterhalten.

"Mogelpackung" ist der aktuelle Fall überschrieben, bei dem reihenintern erstmals Bettina Braun Regie führte, das Buch stammt von "Wilsberg"-Profi Jürgen Kehrer und Emily Reimer. Es geht um eine Immobilienfirma, die Wohnungen nach umfangreichen Sanierungsmaßnahmen zu teuren Preisen verkaufen will. Dazu müssen aber die alten Mieter raus. "Vorsätzlicher Sanierungsterror durch Subuntermnehmer" wird das Prozedere irgendwann genannt – Stichwort: staubtrockene Themengebiete.

Aber es ist ja auch wahr: Immobilienfirmen, die Mehrfamilienhäuser erwerben, durchsanieren und dann zu Monsterpreisen wieder verkaufen, sind in den Städten fraglos ein Thema. In diesem Fall nun ist die alte Frau Feldkamp verstorben. Ihr Großneffe Ferdinand (Steffen Groth) taucht auf und pocht auf sein Recht. Er sei schließlich der einzige Erbe. Doch als er im Haus vor Ort ist, lassen ihn die Mitarbeiter eines Entrümpelungsunternehmens erst einmal gar nicht in die Wohnung des Opfers. Eine Immobilienfirma soll demnach das Haus nach Frau Feldkamps Ableben von einem Dritten gekauft haben. Großneffe Feldkamp wendet sich an Wilsberg (Leonard Lansink) und bittet um Hilfe.

Der Privatdetektiv sagt eher ungern zu – schließlich scheint der junge Feldkamp das Haus aus moralischer Warte gesehen nicht wirklich verdient zu haben. Um seine Großtante hat er sich jedenfalls nicht gekümmert. Womöglich ging die alte Dame testamentarisch also wirklich andere Wege. Als dann der leitende Mitarbeiter der Entrümpelungsfirma Jähnig ermordet in der Wohnung der Toten aufgefunden wird, wird ein Kriminalfall draus.

Alle Augen auf Overbeck

Was Wilsberg nun mit der Zeit herausfindet, ist – vorsichtig formuliert – komplex. Viele schurkische Firmen, verdorbene Anwälte, skrupellose Mieterinnen – es ist durchaus eine Herausforderung, hier die Zusammenhänge zwischen allen Beteiligten zu entwirren. Gemeinsam mit der befreundeten Juristin Tessa Tilker (Patricia Meeden), die wie üblich auch irgendwie verwickelt ist, wird das ganze Wirrwarr etwa nach zwei Drittel des Films mit Figürchen und Spielzeughäusern nachgestellt. Da heißt es, aufpassen für die Zuschauerinnen und Zuschauer, sonst wird es eng diesmal. Zumal dann auch noch Wilsbergs bester Kumpel Ekki (Oliver Korittke) mitmischt, der von seinem Chef im Finanzamt den Auftrag erhalten hat, die aus einer Person bestehende Taskforce IINGS anzuführen: "Illegal Ist Nicht Gleich Steuerfrei". Da bietet es sich für den Anfang doch an, Immobilienunternehmen mal auf den Zahn zu fühlen.

Wer indes dem allem nicht folgen kann oder will, der sollte diesmal ein Auge auf Kommissar Overbeck (Roland Jankowsky) werfen. Er wohnt genau in diesem Mietshaus, das zwangssaniert wird. Plötzlich ist der Strom weg, dann läuft kein Wasser mehr – wäre doch gelacht, wenn man die alten Mieter nicht rausbekommt aus ihren Wohnungen.

Seit Folge zwei im Jahr 1998 ist jener Overbeck ein fester Bestandteil des Wilsberg-Universums. In den Jahren wurde seine Figur zunehmend bedeutender, verändert hat sie sich indes kaum. Immer ein bisschen trottelig, überambitioniert, fahrig, arrogant – einer, der gerne "Miami Vice" gesehen hat, aber mit Sonny Crockett verbindet ihn eigentlich nicht mehr als die Sonnenbrille. Doch gerade in den vergangenen Folgen begann dann doch eine Wandlung, zumal Overbecks Chefin Springer (Rita Russek) eine immer kleinere Rolle innehat.

Vor allem in diesem aktuellen Fall nun darf Overbeck über sich hinauswachsen. Nicht nur als Kommissar, als der er jetzt sogar in den brenzligsten Situationen abgeklärt und korrekt reagiert. Auch charakterlich erhält die bislang eher karikaturhaft dargestellte Figur eine wohltuende Tiefe.

Wann es mit Wilsberg und Overbeck weitergeht, steht noch nicht fest. Fünf weitere Filme sind abgedreht.

Wilsberg – Mogelpackung – Sa. 04.04. – ZDF: 20.15 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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