naked
03.10.2025 • 23:45 - 00:35 Uhr
Serie, Dramaserie
Lesermeinung
Luis (Noah Saavedra) und Marie (Svenja Jung); Marie (Svenja Jung, r) fragt Luis (Noah Saavedra), ob er sie vor Matthias Anmachversuchen retten kann.
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Luis (Noah Saavedra, l) fragt Marie (Svenja Jung) ob sie vom Vampir gebissen werden möchte.
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Marie (Svenja Jung, Mitte) tanzt selbstvergessen bei Luis' Agenturparty.
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Luis (Noah Saavedra) und Marie (Svenja Jung) reden das erste mal über sich selbst.
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Originaltitel
Naked
Produktionsland
D
Produktionsdatum
2025
Altersfreigabe
18+
Serie, Dramaserie

Erste deutsche Serie über Sexsucht

Von Eric Leimann

Marie (Svenja Jung) und Luis (Noah Saavedra) lernen sich auf einer Party kennen. Sie landen im Bett. Die Anziehungskraft zwischen dem Werber und der alleinerziehenden Kunstlehrerin ist groß. Doch mit Luis stimmt etwas nicht. Über sechs starke Folgen erzählt "naked" von Sexsucht und Co-Abhängigkeit.

Die sechsteilige Serie "naked" ist eine Liebesgeschichte – und gleichzeitig ist sie es nicht. Die beiden Kölner Thirtysomethings Marie (Svenja Jung) und Luis (Noah Saavedra) lernen sich auf einer Kostümparty kennen. Passenderweise tritt Werber Luis als Vampir auf. Marie, alleinerziehende Kunstlehrerin mit fünfjährigem Sohn, geht als verschleierte Jungfrau. Schnell kommt es zum Sex zwischen den beiden, der direkt in eine leidenschaftliche Beziehung mündet. Bald wird jedoch klar, dass mit Luis etwas nicht stimmt ...

Der junge Mann ist sexsüchtig und taumelt getrieben von Reizen durch Tag und Nacht. Als Marie das Ausmaß von Luis' Erkrankung erkennt, will sie ihm helfen. Über sechs starke Folgen und fast ebenso viele Stunden erzählt die vom WDR produzierte Serie "naked" von Sexsucht und Co-Abhängigkeit. Ausgestrahlt werden die Episoden an zwei Abenden im Nachtprogramm das Ersten (Teil vier bis sechs am Samstag, 4. Oktober, ab 0.45 Uhr) und in der ARD-Mediathek (ab Donnerstag, 2. Oktober).

Sexsucht beziehungsweise Hypersexualität wurde erst 2019 von der WHO als anerkannte Krankheit eingestuft. "naked"-Autorin Silke Eggert greift auf eigene Erfahrungen zurück. Sie erlebte einen Fall als Angehörige. Das Drehbuch schrieb sie gemeinsam mit Sebastian Ladwig, inszeniert wurde die Serie, die in den Sex/Suchtszenen nicht immer leicht zu ertragen ist, von Bettina Oberli. Die Regisseurin hatte sich schon in der ARD-Serie "37 Sekunden" (2023) sensibel mit dem komplexen Thema sexuelle Einvernehmlichkeit beschäftigt.

"Naked" setzt sich anders mit einem gesellschaftlichen oder besser menschlichen Problem auseinander als so mancher "engagierte" deutsche Fernsehfilm: Die Serie ist – obwohl man viel über Menschen lernt – angenehm unpädagogisch. Auch dank der üppigen Spielzeit schafft sie es, spannende und komplexe Figuren in einer authentischen Welt auf die Beine zu stellen. Nicht nur Svenja Jung und Noah Saavedra spielen preisverdächtig intensiv. Bis in kleine Nebenrollen hinein ist die Serie herausragend gut geschrieben und besetzt.

Schwieriger Spagat und FSK-Freigabe ab 16 Jahre

Ob Karl Markovics als Luis' derangierter Vater, Juliane Köhler als Maries Mutter mit Näheproblem, Jonathan Berlin als schwuler Bruder von Luis oder Malaya Stern Takeda als Maries beste Freundin Lilith – jede dieser Rollen würde in herkömmlichen Serien eine besondere Erwähnung finden. Hier trifft man solche Figuren fast schon im Überfluss. Hochinteressant ist auch die Zeichnung der Co-Abhängigen Marie. Der Begriff selbst ist unter Therapeuten umstritten, weil er implizieren könnte, der co-abhängige Partner sei ein schwacher Mensch. "Oft ist jedoch das Gegenteil der Fall", sagt Drehbuchautorin Silke Eggert ("Smile", "303"). "Partner und Angehörige von Suchtkranken verfügen meist über enorme innere Ressourcen wie Ausdauer, Hilfsbereitschaft und Empathie – alles Charakterstärken, die aber in solch einer toxischen Dynamik an Gleichgewicht verlieren und über das gesunde Maß hinausgehen. So kann die Fähigkeit, gesunde Grenzen zu setzen, im Laufe der Zeit verloren gehen und einem Muster aus versuchter Kontrolle und Kapitulation weichen."

Heikel beim Dreh von "naked" war die Gestaltung der Sexszenen. Wer Steve McQueens ("12 Years a Slave") beeindruckendes Werk "Shame" (2012) mit Michael Fassbender als Sexsüchtigem kennt, weiß, dass die Darstellung von Hypersexualität im Film wenig Lust oder gar Freude verströmt. Eher hinterlässt sie ein Gefühl von Scham, Trauer und Ekel. Jemanden bei einer schweren Suchterkrankung zuzuschauen – lange und immer wieder -, kann belastend wirken und Abschaltreflexe hervorrufen. Die Macher von "naked" schaffen es, die immer wieder notwendigen Szenen in die Serie zu integrieren, ohne dass sie endlos quälend sind oder gar versteckt voyeuristisch im Sinne einer Erotik-Serie geraten. Trotzdem muss man wissen: Hier gibt es relativ viel Explizites und Nacktheit zu sehen. Die Serie startet mit einer FSK-Freigabe ab 16 Jahre.

naked – Fr. 03.10. – ARD: 23.45 Uhr


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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