Die zehnjährige Marion zieht mit ihren Eltern und drei Geschwistern in ein kleines Haus in der Normandie. Ihr Vater ist Maurer und verbringt die gesamte Freizeit mit der Arbeit an dem neuen Haus. Die Mutter ist mit Haushalt und vier Kindern mehr als ausgelastet. Zufällig lernen sie ein Paar aus Paris kennen. Die Leute sind kinderlos und wohlhabend, sie besitzen ein Landhaus und haben offenbar nicht viel zu tun. Audrey, die Frau aus Paris, findet Gefallen an Marion und lädt die Kleine immer häufiger zu sich ein. Der Mann beobachtet sie einigermaßen verlegen, und das Elternpaar nimmt bestürzt zur Kenntnis, dass hinter allen freundlichen Annäherungen der Frau die Hoffnung steckt, Marion nach Paris zu holen und die Mutterstelle einzunehmen. Marion wird zum Spielball...

Regisseur Manuel Poirier ("Antonios Freundin", "Western") zeigt hier, wie der Zerfall des Sozialsystems die Arbeit beeinträchtigt, das familiäre Gleichgewicht und die Erziehung der Kinder beeinflusst. Höhepunkt ist ein Abendessen, das zu einem filmischen Kabinettstückchen wird. In einer minutenlangen Einstellung sieht man die Erwachsenen am Tisch um den heißen Brei herumreden und mit kleinen Gesten viel mehr verraten, als sie zu sagen bereit sind. Die Kinder wissen viel früher Bescheid. Als die Eltern heimkommen, fragt die Älteste: "Na, habt ihr Marion an die Pariser verkauft?"