Fabian Hinrichs hat Konjunktur. 2014 wird er als Franken-Kommissar in Nürnberg Premiere feiern. Tatort - Der tiefe Schlaf, als er den altgedienten Münchnern Tatort-Ermittlern Batic & Leitmayr als Dritter im Bunde derart zusetzte, dass sie ihn unter Bedienung der Babysicherung im Dienstwagen einsperrten. Später aber heulten sie Rotz und grüne Pflaumen, weil Hinrichs, der einen Polizei-Novizen spielte, das richtige Gespür für den Täter hatte und deshalb von ihm ermordet wurde. Hier aber, im Polizeiruf mit Titel "Wolfsland", mischt er ein Lausitz-Dorf auf, nicht als Kriminaler, sondern als ein ruhelos umherziehender Freund der Wölfe, die in den Wäldern, Tagebaugruben und altem Manövergelände des Ostens heimisch geworden sind. Auf die Dorfbewohner mag er, der passend zum Film den Namen Waldner trägt, wie ein leibhaftiger Wolf wirken. Die Dörfler wollen schießen, erstens Wild, zweitens die Wölfe, die ihnen das Wild streitig machen, drittens und in letzter Konsequenz den Waldner selbst. Sein Wohnwagen bekommt schon mal vorsorglich eine Salve Kugeln ab. "Der Mensch ist des Menschen Wolf, sagt man", höhnt Waldner, den Dichter Plautus zitierend, "aber das können Sie vergessen. So was tun Wölfe nicht." Es ist Kommissarin Lenski (Maria Simon), zu der er spricht. Sie ist geneigt, ihm zu glauben.

Wölfe brauchen Raum. Das Revier eines Rudels umfasst bis zu 350 Quadratkilometer. Die Aufnahmen der wildlebenden Wölfe trug der Biologe und Naturfilmer Sebastian Koerner zu diesem Film bei. Seit 2003 folgt er den Wölfen in der Lausitz, auch um den skeptischen und zum Teil verängstigten Menschen die Lebensweise der Tiere näher zu bringen. Ob das gelingt? Im Polizeiruf wehrt sich das Dorf Kaskow (gedreht wurde vor allem in Klandorf, Weißwasser und Wansdorf) mit Blei, Schrot und Bösartigkeit gegen die Zumutung von Wölfen in der Umgebung. Aber auch Gutmensch Waldner ist möglicherweise nicht nur aus lauter Tierliebe dorthin zurückgekehrt, wo ihm die DDR in ihrer verquasten Logik alles genommen hat, was man einem Kind nehmen kann - die Eltern und die Jugend. Dies ist, nicht nur der schönen Wolfsaufnahmen wegen, ein toller Polizeiruf mit guten Schauspielern und einem Thema, das uns in den nächsten Jahren noch stark beschäftigen wird. dh

Foto: © RBB/Oliver Feist