Peter Yates

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"Bullitt" machte ihn berühmt: Regisseur Peter Yates
Peter Yates
Geboren: 24.07.1929 in Aldershot, England, Großbritannien
Gestorben: 09.01.2011 in London, England, Großbritannein

Mit atemberaubenden Tempo schießt der dunkelgrüne Ford Mustang Fastback über die Kreuzung, hebt in die Luft ab und schlägt mit lautem Getöse wieder auf die Straße. Eine Szene mit dem unvergessenen Hollywood-Star Steve McQueen aus dem Actionthriller "Bullitt", der durch die zwölfminütige Auto-Verfolgungsjagd quer durch die hügeligen Straßen San Franciscos zum Klassiker wurde und seinen Regisseur, den Ex-Rennfahrer Peter Yates, über Nacht einem breiten Publikum bekannt machte.

Der Produzent und Regisseur Yates absolvierte die Royal Academy of Dramatic Art, bevor er mehrere Jahre als Dramaturg an britischen Theatern verbrachte. Nach einem kurzen Intermezzo als Autohändler und Rennfahrer schloss er sich schließlich dem Filmteam der Woodfall Productions an und arbeitete zunächst als Assistent von Regisseuren wie Mark Robson ("Die Herberge zur 6. Glückseligkeit"), J. Lee Thompson ("Die Kanonen von Navarone") und Tony Richardson ("Bitterer Honig"), bevor er 1963 mit dem Musical "Holiday für dich und mich" sein Debüt als Kinofilm-Regisseur gab. Und als TV-Regisseur inszenierte Yates von 1963-1965 insgesamt sieben Folgen der erfolgreichen Kimiserie "Simon Templar" mit dem späteren "Lord Sinclair" und "James Bond" Roger Moore in der Hauptrolle. Eine Action betone britische Serie war "Geheimagent" mit Patrick McGoohan, für die Yates von 1965-1967 ebenfalls sieben Episoden in Szene setzte. Dagegen war sein Kriminalfilm "Überfall" (1967) eine authentische Rekonstruktion des legendären englischen Postraubs von 1963, bei dem 26 Gangster nach minutiöser, generalstabsmäßiger Vorbereitung eine Millionenbeute machten. Danach reiste der Regisseur auf Einladung von McQueen in die USA, wo er mit dem oben bereits erwähnten "Bullitt" sein gefeiertes US-Debüt gab. Im Jahr darauf folgte seine zweite US-Arbeit, der Liebesfilm "John und Mary" mit Dustin Hoffman und Mia Farrow. Die beiden wachen eines Morgens im selben Bett auf, obwohl sie sich eigentlich gar nicht kennen. Da sind Komplikationen natürlich programmiert ...

Als spannenden Spaß mit jeder Menge flotten Sprüchen und gelungenen Charakterzeichnungen legte Yates 1971 den Kriminalfilm "Vier schräge Vögel" an. Die beiden Hauptdarsteller Robert Redford und George Segal spielen sich hier gekonnt die Bälle zu, klasse ist auch der Soundtrack von Quincy Jones, der gekonnt die Handlung um einen Langfinger, der im Auftrag eines afrikanischen Diplomaten einen Diamanten aus einem Museum stehlen soll, untermalt. Ein weiterer Höhepunkt in Yates' Regie-Karriere war auch der in den Kinos ungemein populäre Gangsterfilm "Die Freunde von Eddie Coyle" (1973), die Geschichte eines gealterten Gangsters alias Robert Mitchum, der trotz hohen Risikos weiterhin Waffen- und Alkoholhandel betreibt und noch dazu in einen Banküberfall verwickelt wird. Yates beschreibt den Alltag der Polizisten und der Bostoner Unterwelt sehr realistisch und zeigt eine desillusionierte Welt voller mieser Typen.

Deutlich zahmer war dann wieder die spaßige Actionkomödie "C.R.A.S.H." (1976) mit Raquel Welch und Harvey Keitel: In Los Angeles herrscht ein erbitterter Konkurrenzkampf zwischen zwei Ambulanzwagen-Betreiber. Wer zuerst beim Patienten eintrifft, bekommt den Auftrag, diesen ins Krankenhaus zu transportieren. Dabei nehmen die Fahrer keine Rücksicht auf die Kranken und Verletzten. Jeder Trick ist ihnen recht, die Konkurrenz auszuschalten. Einen äußert erfolgreichen Vorläufer von Unterwasser-Filmen wie "Im Rausch der Tiefe", "Abyss - Abgrund des Todes" drehte Yates mit dem Actionfilm "Die Tiefe" (1977). Dieser von der Handlung her ehe durchschnittliche Mix aus Abenteuer und Action um ein junges Taucherpaar, dass bei seinen Unterwasser-Expeditionen auf einen Schatz und eine Ladung Morphium stossen, war das kommerziell erfolgreichste Werk von Yates, überzeugt jedoch lediglich mit fesselnden Unterwassersequenzen. Yates setzte hier neben Nick Nolte wieder auf die erotische Ausstrahlung die attraktiven Jacqueline Bisset, mit der er bereits in "Bullitt" zusammen gearbeitet hatte.



Foto: Buena Vista Seinem Ruf als Spezialist auf dem Gebiet des Action- und Suspense-Kinos untermauerte Yates drei Jahre später mit "Der Augenzeuge": Vietnam-Kriegsveteran und Hausmeister Daryll Deever findet in einem von ihm betreuten New Yorker Haus die Leiche einen vietnamesischen Diamantenhändlers. Um der attraktiven Reporterin Tony Sokolow, die er heimlich anhimmelt, zu imponieren, spielt er sich als Mordzeuge auf. Mit ungeahnten Folgen, denn auch der Killer hat mitbekommen, dass es einen unliebsamen Zeugen geben soll ... Der hervorragend besetzte Thriller ist zwar betulich, aber dafür umso sorgfältiger inszeniert. In typischer Hitchcock-Manier ist keiner der, für den er sich ausgibt. Heiter bis tragisch fiel die Tragikomödie "Ein ungleiches Paar" (1983) aus, für die Yates aus seinen eigenen Theatererfahrungen schöpfen konnte und die 1984 für fünf Oscars nominiert war (unter anderem als bester Film und für die beste Regie). Der wunderbar aufspielende Albert Finney gibt im London des Jahres 1940 einen Theatermann, der zum 227. Mal versucht "King Lear" von Shakespeare auf die Bühne zu bringen. Doch plötzlich ereilt ihn eine gewaltige Existenzkrise, er verzweifelt an der Welt. Nur einer kann ihm helfen: Norman (Tom Courtenay), sein langjähriger Garderobier ...

In dem Politthriller "Das Haus in der Carroll Street" widmete sich Yates der berüchtigten McCarthy-Ära, der Hatz auf die angeblichen Kommunisten Amerikas. Kelly McGillis gibt die engagierte Journalistin Emily Crane, die gefeuert wird, weil sie sich weigert, mit dem McCarthy-"Ausschuss zur Aufklärung unamerikanischer Umtriebe" zu kooperieren. Doch dann deckt sie zufällig einen Skandal auf. Ausgerechnet der Vorsitzende des Ausschusses schleust Nazis unter jüdischen Decknamen ins Land. Zusammen mit dem FBI-Agenten Cochran (Jeff Daniels) geht sie der Sache auf den Grund. Ebenfalls 1987 entstand der spannende, größtenteils geschickt konstruierte Gerichts-Thriller "Suspect - Unter Verdacht", in dem sich Yates kritisch mit der sozialen Realität der USA unter Präsident Ronald Reagan auseinander setzte. Obwohl einige Drehbuchwendungen ein wenig hingebogen wirken, bleibt der prominent besetzte Film (Cher, Dennis Quaid, Liam Neeson) klar über dem Genre-Durchschnitt.

Die sexy Penelope Ann Miller ist dagegen der Blickfang in "Das Jahr des Kometen", ein Mix aus Komödie, Love-Story und Abenteuerfilm. Als selbstbewusste Britin Margaret ist sie ihren öden Schreibtischjob in einem traditionsreichen Londoner Weinhaus leid. Immerhin protestiert Margaret so lange, bis sie ihren ersten Auftrag im Außendienst bekommt. Auf einem schottischen Schloss entdeckt sie eine riesige Weinflasche aus dem Jahr 1811, dem Jahr des Kometen: ein äußerst wertvolles Stück, für das sich auch weniger seriöse Leutchen interessieren. Yates bietet erprobte Zutaten wie Verfolgungsjagden und pittoreske Schauplätze. Die Kritik nahm's geteilt auf. Die Zeitschrift "Zoom" befand, dies sei eine "augenzwinkernd inszenierte Romanze", das Münchner Stadtmagazin bemäkelte allerdings die "hanebüchene Story". Drei Jahre später folgte mit der Tragikomödie "Das Land meiner Liebe", in England und Irland gedreht, eine melancholische Geschichte über das schwierige Erwachsenwerden eines jungen Iren zwischen erster Liebe, Generationenstreit und Polit-Gerangel. Mit subtilen Beobachtungen zeigt Yates, wie sich zwischen den Generationen langsam Zuneigung und Verständnis entwickeln. Tragik und Humor halten sich dabei die Waage. Der Film wurde früher unter dem Titel "Stürmische Begegnungen" gezeigt.

Äußerst prominent besetzt war wieder die Familienkomödie "Untermieter aus dem Jenseits", die Yates als spaßiges Kammerspiel mit zahlreichen Verwicklungen in Szene setzte. Michael Caine und Maggie Smith überzeugen als Geisterpaar, das in einem alten New Yorker Stadthaus sein Unwesen treibt. Nur der neue Besitzer kann es sehen und hören ... Dank einer sympathischen Story, guter Darsteller und einer bestechenden Fotografie (Ingmar Bergman-Kameramann Sven Nykvist) ist dies wieder einmal beste Yates-Unterhaltung. Eine der letzten Regiearbeiten von Yates, der im Januar 2011 im Alter von 81 Jahren starb, ist die Literaturverfilmung "Don Quichotte" nach dem berühmten Abenteuerroman des spanischen Schriftstellers Miguel de Cervantes. Mit einem brillanten Quichotte/Panza-Team (pe.john_lithgow: John Lithgow], Bob Hoskins), sehenswerten Tricks und wunderbaren Bildern ist dies sicherlich eine der besten Umsetzungen. Allerdings macht Yates den gleichen Fehler wie fast alle Regisseure vor ihm: Das plumpe Bauernmädchen Aldonza wird von der anmutigen Vanessa L. Williams gespielt. Im Roman jedoch ist diese eine hässliche Schranze.

Weitere Filme von Peter Yates: "One Way Pendulum" (1964), "Danger Man - Das Syndikat der Grausamen" (1966), "Das Wiegenlied der Verdammten" (1971), "Bei mir liegst du richtig" (1974), "Vier irre Typen" (1979), "Krull" (1982), "Eleni" (1985), "Von Bullen aufs Kreuz gelegt" (1989), "Familien-Bande" (1995), "Ein anderer Frieden" (2004).

Foto: Buena Vista

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