Der Hörgeräte-Markt steht nicht still. Viel Potenzial steckt in der Verbindung von Hörhilfe und Smartphone. prisma stellt einige Weiterentwicklungen vor.

Sechs Manager verhandeln in einem Meeting. Einer von ihnen schweigt, kann dem Austausch kaum folgen. Die Raumakustik ist schlecht, sein Hörgerät übermittelt die Informationen nicht klar genug. Er greift zum Smartphone, öffnet die App für sein Hörgerät. Ein virtueller Assistent leitet ihn durch das Menü, der Manager tippt sich durch Multiple-Choice-Fragen. Ist der Ton zu laut, zu schrill, zu dumpf? Besteht das Problem links, rechts, auf beiden Ohren? Als er alles beantwortet hat, klickt er auf "absenden". Sekunden später hat sein Akustiker das Protokoll auf dem Computerbildschirm. Der Fachmann, der mit dem Kunden einen Sofort-Service vereinbart hat, nimmt in einer Cloud die nötigen Optimierungen vor und speichert sie. Der Manager ruft die Aktualisierung über seine App ab und lädt sie herunter. Damit überspielt er die bisherigen Hörgeräte-Einstellungen und kann sich nun problemlos an der Verhandlung beteiligen.

Zwar steckt die Teleaudiologie, die Kopplung von Hörhilfen mit dem Smartphone, noch in den Kinderschuhen. Erst wenige Hersteller bieten eine Online-Feinanpassung von Hörgeräten, wie Fachautor Martin Schaarschmidt schildert. "Das Angebot wird sich aber ausweiten." Denn Teleaudiologie eigne sich auch für private Situationen, in denen Menschen nicht in der Lage sind, ihr Fachgeschäft persönlich aufzusuchen. "Über eine Cloud kann man seinem angestammten Akustiker ortsunabhängig Änderungswünsche schicken." Für die Erstanpassung sei der Gang zum Akustiker aber unumgänglich, so Martin Schaarschmidt.

Smarte Funktionen

Der technologische Fortschritt wirkt wie ein Innovationsmotor auf dem Hörakustik-Markt. Im Deutschen Hörgeräte Institut in Lübeck (DHI) werden jährlich bis zu 800 Hörgeräte-Typen vor ihrer Zulassung getestet. Neben beidohrigem Telefonieren und direktem Musik-Streaming gibt es etwa die Echtzeit-Übersetzung via App, die Sprache ins Hörgerät überträgt, sowie den Transfer an das Internet der Dinge: „Das Hörgerät kann bei einem bestimmten Batteriestand zum Beispiel eine Neubestellung an einen Online- Shop melden“, so DHI-Geschäftsführer Dr. Hendrik Husstedt.

Eine Signalverarbeitung zum bestmöglichen Ausgleich der Hörminderung wird DHIChef Husstedt zufolge durch die Mindestanforderungen der gesetzlichen Krankenkassen an Hörhilfen gewährleistet. Digitaltechnik, Störgeräuschunterdrückung, Mehrkanaltechnik und mehrere Hörprogramme böten Kassen-Hörgeräte, für Zusatzmerkmale müssten Patienten allerdings selbst aufkommen. Viele smarte Zusatzfunktionen gibt es laut Schaarschmidt bereits bei Hörgeräten mit moderater privater Zuzahlung.