Ein älterer Patient berichtete mir, wie schnell sich sein Leben verändert hatte: Er war gestürzt und hatte sich sein Bein gebrochen. Er wurde ins Krankenhaus einge iefert und der Bruch operiert. Doch nicht nur die akute Behandlung erforderte Aufmerksamkeit. Was war mit den anderen Problemen, die er hatte? Seinen Herz- und Kreislaufbeschwerden, seinem Bluthochdruck und vielem anderem mehr?

Im Regelfall sind es bis zu acht Erkrankungen, an denen ein älterer Mensch leidet – bei meinem Patienten war es auch so. Und für alle nahm er unterschiedliche Medikamente.

Deshalb ist es in einigen Krankenhäusern mittlerweile so, dass nicht nur ein Chirurg den Patienten versorgt, sondern dass die Betreuung gemeinsam mit einem Geriater, einem Altersmediziner, durchgeführt wird. So machen wir es auch in unserer Klinik. Zunächst überprüfen wir die diversen Vorerkrankungen und Risikofaktoren des Patienten und berücksichtigen sie in seiner Behandlung.

Gebündelte Expertise

Denn unser Ziel ist, den Patienten bestmöglich und umfassend zu versorgen. Und zwar sowohl bei der Operation durch eine Delir-Vorbeugung, damit keine Verwirrtheit nach der Operation eintritt, als auch durch eine Mobilisation zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Gemeinsame Visiten, in denen die Kompetenzen von Ärzten und Pflege gebündelt werden, gehören ebenso dazu.

Wie wichtig es ist, dass die beiden Fachbereiche zusammenarbeiten, machen die Zahlen deutlich. Denn in Deutschland wird der Anteil der über 75-jährigen Menschen ausgehend vom Basisjahr 1996 bis 2025 um 164 Prozent bei Männern und 126 Prozent bei Frauen steigen. Da diese Menschen aber auch viel länger mobil sind als früher, kommt es auch zu mehr Unfällen bei Hochbetagten.

Gesamtbild wichtig

Ich bin mir sicher, dass Erkrankungen und Unfälle im Alter zukünftig einer der medizinischen Schwerpunkte sein werden. Und gerade deshalb ist es hilfreich, den Patienten in seiner Gesamtheit zu behandeln – und nicht nur die akute Verletzung. Meinem Patienten geht es wieder gut, auch weil wir ihn wie beschrieben betreut und versorgt haben.