Mich hat kürzlich ein Patient gefragt, welche Alternativen es zu einem Kunstgelenk gibt. Meine Antwort war, dass die eigenen Gelenke natürlich immer noch die besten sind. Auch wenn die Fortschritte im Bereich der künstlichen Gelenke beachtlich sind und viele Patienten auch damit beschwerdefrei leben.

Dennoch riet ich meinem Patienten, einmal zu überlegen: Da sich sein Gelenkverschleiß noch in einem frühen Stadium befindet, kann man versuchen, das natürliche Gelenk zu erhalten. Dazu eignen sich mehrere Techniken: von der knöchernen Korrektur von Fehlstellungen (wir Mediziner sprechen dann von Umstellungs-Osteotomie) über Anbohrungen von Knorpeldefekten bis hin zu Knorpelzell-Transplantationen.

Eine Anbohrung eignet sich besonders bei kleinen Defekten. Sind die Defekte aber größer, ist eine Transplantation von Knorpelzellen empfehlenswert. Aber: Knorpelzell-Transplantationen eignen sich meist für Patienten bis 55 Jahre. Allerdings stellt auch ein höheres Alter unter bestimmten Voraussetzungen keinen Ausschluss dar.

Eigene Knorpelzellen

Eine Knorpelzell-Transplantation besteht aus zwei operativen Eingriffen. Sie werden meist als Gelenkspiegelung durchgeführt. Beim ersten Eingriff wird alles noch einmal überprüft. Danach werden aus den gering belasteten Abschnitten des Gelenks Knorpelzellen entnommen und in einem Labor vermehrt. Nach etwa drei Wochen werden bei einem zweiten Eingriff die eigenen Knorpelzellen in den Defekt eingebracht. Anschließend darf das Bein dann sechs Wochen nur zum Teil belastet werden – eine Unterarm-Gehstütze hilft dabei. Während dieser Zeit siedeln sich die "neuen" Zellen im Defekt an und starten mit der Produktion von Knorpelmaterial. Bis alles komplett ausgeheilt ist, vergeht in der Regel ein Jahr.

Zeit gewinnen

Wichtig für ein wirklich gutes Ergebnis ist, dass die Behandlung sinnvoll ist. Denn mit einer Knorpelzell-Transplantation lässt sich kein bereits eingetretener Gelenkverschleiß heilen. Aber man kann die Notwendigkeit eines Kunstgelenks für Jahre hinauszögern.