"Der Schlaf vor Mitternacht ist der gesündeste": Nimmt man diesen Mythos wörtlich, dann ist er nicht korrekt. Die Schlafqualität hat nämlich nichts mit der Uhrzeit zu tun, sondern mit anderen Faktoren – etwa mit dem Licht. Tageslicht dämpft nämlich die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin.

Ähnlich differenziert muss die Volksweisheit zur Schlafdauer von acht Stunden betrachtet werden: Abgesehen davon, dass es nicht nur auf die Quantität, sondern auch auf die Qualität des Schlafes ankommt, gibt es Menschen, die mit fünf Stunden Schlaf pro Nacht auskommen, während andere mehr brauchen. Der individuelle Schlafbedarf ist genetisch bedingt und damit kaum zu beeinflussen.

Das gilt auch für Unruhige, die den Schlaf mit Hausmitteln herbeiführen möchten: Manche kennen vielleicht die Erzählungen von Großeltern, die vor dem Zubettgehen immer einen Schnaps getrunken haben. Doch schon relativ geringe Mengen Alkohol, die zu mehr als 0,3 Promille Blutalkohol führen, begünstigen zwar das Einschlafen, gehen aber in der zweiten Nachthälfte mit gehäuften Weckreaktionen und damit einer schlechten Schlafqualität einher. Zudem werden Schnarchen und Atempausen verstärkt.

Umgekehrt ist es nachgewiesen, dass im Schlaf unser Immunsystem intensiver arbeitet, insbesondere Fresszellen, bestimmte Untergruppen von weißen Blutkörperchen, wandern im Schlaf vermehrt aus den Blutgefäßen in entzündete Körpergewebe, um dort Bakterien unschädlich zu machen. Schlaf gilt somit zu Recht als gute Medizin.

Keine Sorgen sollte man sich indes bei Vollmond machen. Der Mond beeinflusst Ebbe und Flut, aber nicht den Schlaf. Hier handelt es sich eher um eine selbsterfüllende Prophezeiung: Man geht schon mit dem Gedanken, nicht einschlafen zu können, gestresst ins Bett – und kann dann tatsächlich nicht einschlafen. Jedoch sollte darauf geachtet werden – und da sind wir wieder beim Licht –, dass das Schlafzimmer ausreichend abgedunkelt ist.