Die Empfehlung: 150 Minuten Aktivität pro Woche. Apps sollen helfen, die Trägheit zu überwinden.

In den westlichen Ländern sind Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems die Todesursache Nummer eins. Prävention ist also lebenswichtig. Die gute Nachricht: Sie ist gar nicht so schwer.

"Ein wichtiger Faktor für die Gesunderhaltung von Herz und Kreislauf ist Bewegung", sagt Kardiologe Dr. Harm Wienbergen vom Institut für Herz- und Kreislaufforschung (BIHKF) am Klinikum Links der Weser.

Die aktuellen Präventions-Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie empfehlen: 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche.

"Langsames Fahrradfahren, Schwimmen oder Walking haben nachweislich einen positiven Effekt", sagt Wienbergen. Als "moderat" gelte die Tätigkeit, wenn man sich trotz beschleunigter Atmung noch unterhalten könne.

Protein- und ballaststoffreiche Ernährung

Zweiter Faktor sei eine mediterrane, also protein- und ballaststoffreiche Ernährung mit wenig Salz und ungesättigten Fettsäuren. Drittens: Das Zielgewicht sollte einem Body-Mass-Index von 20 bis 25 kg/m2 entsprechen. Faktor Nummer vier: nicht rauchen.

Das Risiko, in den nächsten zwölf Monaten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden, lasse sich so um 60 bis 70 Prozent reduzieren, sagt Professor Dr. Frank Edelmann, Kardiologe an der Berliner Charité.

Dabei können digitale Helfer unterstützen, wie eine aktuelle Studie unter Beteiligung des BIHKF bestätigt. "In einem Projekt haben Patienten nach einem Herzinfarkt und Rehabilitation ihre Aktivität per Schrittzähler ermittelt und online dokumentiert", schildert Wienbergen.

Im Schnitt steigerten die Teilnehmer die Anzahl ihrer täglichen Schritte binnen sechs Monaten von 7 400 auf 9000. Zudem verbesserten sich Cholesterinwerte und Gewicht.

Dokumentation der eigenen Leistungen

Die Beobachtung und die Dokumentation der eigenen Leistungen, die Steigerungen sofort sichtbar machen, tragen demnach laut Wienbergen deutlich dazu bei, nachhaltig zu mehr Bewegung anzuspornen – auch via App auf dem Smartphone.

"Nutzer von Fitness-Apps sind interessierter am eigenen Entwicklungsverlauf und haben, das bestätigen Studien, eine höhere Erfolgsrate", sagt Edelmann. Die digitalen Programme eigneten sich gut, um neben Schrittfrequenz etwa Vitalparameter und Energieumsatz zu messen und zu analysieren sowie Trainingsanweisungen zu geben.

"Wichtig ist, dass sie auf den Nutzer und dessen Bedürfnisse angepasst sind. Und man muss dranbleiben – zwei bis drei Mal pro Woche, nicht nur zwei Monate, sondern eher zwei Jahre", rät Edelmann.

Vor dem Neustart eines Trainings, gerade bei (Vor-)Erkrankungen und ab mittlerem Alter, sollte ein Arzt die Unbedenklichkeit bestätigen. Einen Praxisbesuch ersetzen Apps in keinem Fall.