27.08.2019 Arzt-Kolumne

Wenn Sommertage traurig machen

Dr. Andreas Hagemann ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Ärztlicher Direktor der Röher Parkklinik (Privatklinik) in Eschweiler bei Aachen.
Dr. Andreas Hagemann ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Ärztlicher Direktor der Röher Parkklinik (Privatklinik) in Eschweiler bei Aachen.  Fotoquelle: Engels

Zeigt sich der Sommer von seiner schönsten Seite, herrscht bei den meisten Menschen Hochstimmung. Doch manche reagieren auf anhaltende Schönwetter-Perioden auch mit einem Gefühl der Einsamkeit, der tiefen Trauer und Isolation. Nicht selten steckt hinter diesen Symptomen eine "Sommerdepression".

Im Gegensatz zur "Winterdepression", die durch Appetitsteigerung, Heißhunger auf Süßigkeiten und ein vermehrtes Schlafbedürfnis gekennzeichnet ist, kommt es bei sommerlichen Verstimmungen zu innerer Unruhe, Nervosität, Appetitminderung und Schlafstörungen. Diese Beschwerden belasteten auch eine 37-jährige Patientin in meiner Sprechstunde.

Primär treten sogenannte saisonal-affektive Störungen (SAD) in der dunklen Jahreszeit mit ihren wenigen Sonnenstunden auf. Der ausgeprägte Lichtmangel führt dazu, dass der Körper vermehrt das stimmungssenkende Schlafhormon Melatonin produziert, dafür aber weitaus weniger das Wohlfühlhormon Serotonin.

Soziale Kontakte pflegen

Doch auch das vermehrte Licht im Sommer kann die Ausschüttung von Melatonin und Serotonin ins Ungleichgewicht bringen. Verstärkt wird der sommerliche Stimmungsabfall oft durch anhaltende Hitze und damit verbundene Schlafstörungen. Die Auslöser einer Sommerdepression sind jedoch bis heute wissenschaftlich nicht belegt.

Eine Sommerdepression wird genauso behandelt wie eine andere tiefgehende Verstimmung. Im Mittelpunkt der Behandlung steht die Psychotherapie. Bei schwereren Formen der Erkrankung können ergänzend Psychopharmaka (Antidepressiva) eingesetzt werden. Diese stimmungsaufhellenden Medikamente helfen dabei, den Stoffwechsel im Gehirn wieder ins Lot zu bringen.

Neben der psychotherapeutischen Behandlung riet ich der Patientin zu Schlaf, abwechslungsreicher Ernährung, viel Bewegung und der Pflege sozialer Kontakte – wichtige Faktoren im Kampf gegen anhaltende Verstimmungen. Wichtig ist frühe professionelle Hilfe. Denn: Unbehandelt vergehen Depressionen oft nicht von alleine. Deshalb sollte nach zwei oder drei Wochen anhaltender Beschwerden der Hausarzt aufgesucht werden.

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