Kürzlich kam ein Patient in meine Sprechstunde, der darüber klagte, dass seine Beine immer schwerer und müder würden. Auch hätte seine Frau ihn darauf hingewiesen, dass er immer krummer, immer gebeugter gehen würde. Sein Kreuz tue ihm auch noch weh. Und beim Gehen verschlimmerten sich die Schmerzen sogar noch.

Nach eingehender Untersuchung stand die Diagnose fest. Er hatte eine "Spinalkanalstenose", eine Verengung des Wirbelsäulenkanals. Hier verläuft das Rückenmark und hier ist der Mensch am verletzbarsten. Denn im Rückgrat laufen die wichtigsten Nerven zusammen. Eine Verengung des Wirbelsäulenkanals tritt bei älteren Menschen häufiger auf – meist in der Lendenoder Halswirbelsäule, seltener im Brustbereich.

"Und was kann ich nun tun? Muss ich operiert werden?", fragte mein Patient, nachdem wir die Untersuchung abgeschlossen hatten. Ich konnte ihn beruhigen. Denn in der konservativen Medizin haben wir viele Möglichkeiten, ihm zu helfen, seine Schmerzen zu lindern. Eine Operation steht dabei erst am Ende des Weges, wenn die konservativen Mittel nicht mehr helfen. Aber bei jedem Patienten sieht die Therapie anders aus – denn eine individuelle Behandlung ist die Grundlage des Erfolgs.

Therapiemix

Meinem Patienten habe ich auf zweierlei Weise helfen können: einmal mit den entsprechenden Medikamenten, wobei ich unter anderem Kortison und Vitamin- B-Präparate eingesetzt habe. Aber auch schmerzstillende Spritzen kamen zum Einsatz. Zum anderen erlernte er im Rahmen der Physiotherapie verschiedene Flexionsübungen zur Stärkung der Bauch- und Rückenmuskulatur. Ein Stützkorsett korrigierte seine Haltung und eine intensive Wärmebehandlung half, seine Muskelverspannungen zu lösen.

Operation erst später

Mit all diesen Maßnahmen kann ich meinen Stenose-Patienten einige zusätzliche Jahre ohne einen operativen Eingriff verschaffen. Und wenn wir dann alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft haben, vertraue ich auf die gute Zusammenarbeit mit meinen chirurgischen Kollegen der Klinik und überweise meinen Patienten dorthin.