06.04.2020 Tennisspielerin und Moderatorin

Andrea Petkovic

Von Stephan Braun
Andrea Petkovic moderiert die ZDF-SPORTreportage.
Andrea Petkovic moderiert die ZDF-SPORTreportage. Fotoquelle: ZDF / Torsten Silz

Andrea Petkovic ist eine der besten Tennisspielerinnen Deutschlands. Gleichzeitig ist sie seit Ende des Jahres auch Moderatorin der ZDF-SPORTreportage. Wie sie beides unter einen Hut bringt, erklärt sie im Interview.

Wie wird ein Tennisprofi zur Moderatorin der ZDF-SPORTreportage?

Ich wurde von einem Redakteur angesprochen und zu einem Casting eingeladen. Man wollte nicht nur Moderatorinnen einladen, sondern auch gerne mal eine Sportlerin. Das Casting habe ich dann total vermasselt, ich fand mich grottenschlecht, weil ich nicht locker war sondern viel zu steif, meine Texte wirkten alle wie auswendig gelernt. Und trotzdem bin ich dann zu einem zweiten Casting eigeladen worden und wurde schließlich auch auserwählt.

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Wie haben Sie sich auf die neue Herausforderung vorbereitet?

Schon nach dem ersten Casting habe ich mir privat eine Moderationstrainerin besorgt und habe mit ihr an mir gearbeitet. Ich wollte mich beim zweiten Casting ja nicht genau so blamieren wie beim ersten. Als ich den Job bekommen habe hat das ZDF für einen Tag ein Studio gebucht. Wir haben dann drei oder vier komplette Probesendungen aufgenommen. Die waren schon sehr realistisch. Und dann ging es im Dezember mit meiner ersten Sendung los.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihren erst Sendungen?

Inzwischen bin ich zufrieden, weil ich immer lockerer werde und auch eine gewisse Routine bekomme. Mir hilft es sehr, wenn ich in meinen Sendungen einen Gast habe oder wenn ich jemanden interviewen kann. Aber natürlich habe ich noch viel Luft nach oben. Da bin ich sehr selbstkritisch.

Wen befragen Sie denn nach Ihren Sendungen zu Ihren Auftritten?

Vor allem meine Mutter, sie kritisiert mich immer relativ scharf. Da weiß ich dann, woran ich bin. Dazu gibt es zwei Personen beim ZDF, die sehr ehrlich zu mir sind nach den Sendungen. Und wenn ich unsicher war, dann rufe ich meine Moderationstrainerin an und frage sie. Vor der vierten Sendung haben wir auch noch einmal einen halben Tag an meiner Stimme gearbeitet. Da habe ich sofort eine Entwicklung gespürt.

Wie groß ist Ihr allgemeines Sportinteresse?

Bei Ballsportarten bin ich eigentlich schon immer ganz gut informiert gewesen, kannte Ranglisten und Tabellen. Das liegt vielleicht auch daran, dass meine Eltern aus Serbien stammen. Das Land ist sehr groß bei Ballsportarten, dort wird viel darüber berichtet. Schwierig wurde es bei mir bei allen Sportarten ohne Ball. Wintersport zum Beispiel, das musste ich mir vorher genau anschauen. Auch das Radfahren. Mittlerweile mache ich es so, dass ich morgens nach dem Aufstehen und abends, bevor ich schlafen gehe, einmal über die aktuelle Lage in allen Sportarten drüberlese.

Mit der SPORTreportage haben Sie dafür ja einen sehr prominenten Platz.

Es ist für mich eine große Ehre die SPORTreportage zu moderieren und ich lege auch viel Wert darauf, dass wir sie in ihrer bisherigen Art erhalten. Denn es ist wichtig auch einmal andere Sportarten als nur den Fußball ins Licht zu stellen, dass man sich Zeit nimmt, um die Geschichten hinter dem Sport zu erzählen und um über Hintergründe zu berichten und Persönlichkeiten kennenzulernen. Das alles macht den Sport und die SPORTreportage aus. Sie nimmt sich dann auch die Zeit, eine achtminütige Reportage zu zeigen. Deshalb bin ich total glücklich, dass ich Teil dessen sein darf.

Zahlreiche Verletzungen, ein schwerer Kreuzbandriss, lange Pausen, immer wieder ein Comeback: Sie sind eine Kämpferin. Hilft Ihnen das von Ihrer Mentalität her für Ihre neue Aufgabe?

In einer Individualsportart wie beim Tennis erlebt man solche Höhen und Tiefen intensiver als zum Beispiel in einer Mannschaft, bei der man sich auch mal auf die anderen verlassen kann. Inzwischen habe ich gelernt, die Angst vor Niederlagen und Rückschlägen zu verlieren. Rückschläge passieren, man muss aber lernen, damit umzugehen und sie nicht als katastrophal für das eigene Leben zu empfinden. Das habe ich bisher immer irgendwie hinbekommen und das gibt mir deshalb auch ein gutes Vertrauen in mich.

Mister SPORTreportage Norbert König war noch nie in Wimbledon. Was raten Sie ihm, wenn er endlich mal nach Wimbledon reist?

Ich empfehle ihm, einen guten Anzug mitzunehmen. Denn in Wimbledon wird sehr viel Wert auf Kleidungsetikette gelegt. Wenn er einen guten dreiteiligen Anzug anhat, dann werden ihm einige Türen geöffnet (lächelt).

Wie lange planen Sie parallel: Tennisprofi und Moderatorin?

Ursprünglich wollte ich dieses Jahr aufhören. Da ich aber zu Jahresbeginn verletzt war und leider einige Turniere verpasst habe, möchte ich sie nächstes Jahr auf jeden Fall noch einmal spielen, zum Beispiel auch die Australian Open. Ich spiele jetzt schon weniger Turniere, auch um mich körperlich immer wieder gut zu erholen. Somit habe ich dann auch genug Zeit für meine neue Rolle als Fernsehmoderatorin und um mich hierfür weiterzuentwickeln.

Hinweis: Das Interview wurde vor Ausbruch der Corona-Krise geführt.

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