Nach insgesamt 1758 Folgen endet am 29. März 2020 die "Lindenstraße". Alle Folgen sind inzwischen alle abgedreht. Marie-Luise Marjan, die seit 1985 die Rolle der Mutter Beimer spielte, erzählt im Interview, mit wem sie die letzte Folge schauen wird und wie ihre persönliche Zukunft nach dem Ende der ARD-Serie aussieht.

Frau Marjan, Sie sind mehr als 1000 Mal morgens aufgestanden und zum Dreh nach Köln-Bocklemünd gefahren. Wenn jetzt morgens der Wecker klingelt: Was machen Sie mit Ihrer neu gewonnenen freien Zeit?

Um Gottes willen, ich habe genug zu tun, es warten so viele tolle Aufgaben auf mich! Für meine eigene Stiftung werde ich mich weiter stark engagieren, über das Kinderhilfswerk Plan International habe ich fünf Patenkinder auf der Welt verteilt, ich bin in die ein oder andere Talkshow eingeladen, es stehen einige Pressetermine an, auch für die Lindenstraße – also ich habe viele Termine. Das ist total schön, ich freue mich sehr darauf!

Sie werden sich also weiter sozial engagieren!

Ja, auf jeden Fall. Es ist mir ein Anliegen, mich neuerdings auch für Adoptivkinder zu engagieren. Ich bin selbst ein Adoptivkind. Deshalb setze ich mich dafür ein, dass es Paaren leichter gemacht wird, Kinder zu adoptieren. Vom Pflegekind bis zur Adoption – das dauert in meinen Augen alles zu lange und ist zu kompliziert.

Schauen Sie sonntags alle Folgen der "Lindenstraße"?

Ja, immer. Selbst wenn ich im Hotel bin, schaue ich sie mir an, und wenn ich sie verpasst habe, greife ich auf die Mediathek zurück.

Wo und mit wem schauen Sie die letzte Folge am 29. März?

Mit dem gesamten "Lindenstraßen"-Team und allen Kollegen bei unserem großen Abschiedsfest. Da schauen wir dann alle zusammen die letzte Folge.

Haben Sie eine Lieblingsfolge?

Nein, denn mir bleibt so viel in Erinnerung, dass ich keine einzelne Folge herausstellen möchte. Als Mutter Beimer bin ich immer eingebunden gewesen mit allen Figuren. Es gab so viele tolle Folgen, zum Beispiel die Abschiedsfolge von "meinem Hansemann" (Joachim H. Luger alias Hans Beimer, die Red.), bei der das WDR-Funkhausorchester mitspielte, oder früher die ganzen schönen Folgen, als die Kinder noch klein waren, oder die Zirkushochzeit mit Erich Schiller (Bill Mockridge, die Red.) in einem Zelt. Helga Beimer hatte viele Höhen und Tiefen, das war aufregend und spannend zugleich. Übrigens haben wir in der "Lindenstraße" elf Nationen – das vergisst man immer.

Gibt es die eine Folge, die Sie am liebsten vergessen machen würden?

Nein. Es gab sicher mal Folgen, die vielleicht nicht so spannend waren. Aber man kann nie sagen, dass eine Folge langweilig war.

Besuchen Sie weiterhin ihren Fanclub in der Schweiz?

Wir werden uns auf jeden Fall einmal im Jahr treffen. Erst letzten Sommer haben wir uns am Zürichsee getroffen und sind mit dem Schiff zu einer kleinen Insel gefahren, sind zur Kirche spaziert und haben die vielen Jahre "Lindenstraße" Revue passieren lassen. Aber nicht nur mit den Schweizern werde ich in Kontakt bleiben, sondern zum Beispiel auch mit dem Kölner Fanclub Jour fixe. Er arrangiert die Treffen dort, wo wir Schauspieler leben. Ich werde aber nicht nur unsere lieben treuen Fans vermissen, sondern vor allem das ganze "Lindenstraßen"-Team und die Schauspielkollegen: Wir hatten eine intensive Zeit miteinander!

Sie feiern in diesem Jahr einen runden Geburtstag. Welche Karrierewünsche haben Sie?

Gegenüber einem Filmangebot bin ich nicht abgeneigt. Eine gute Charakterrolle mit einer passenden Besetzung würde mir sehr gefallen!