28.11.2022 Stefanie Stappenbeck

"Es ist schwieriger, Leute zum Lachen als zum Mitfühlen zu bewegen"

Von Sarah Hegemann
Stefanie Stappenbeck und Wanja Mues spielen die Hauptrollen in der neuen NDR Serie "Retoure".
Stefanie Stappenbeck und Wanja Mues spielen die Hauptrollen in der neuen NDR Serie "Retoure". Fotoquelle: NDR/Kinescope Film/Timo Schwarz

Ein Turbokapitalist aus dem Westen plant ein verschlafenes Retouren-Center in Mecklenburg-Vorpommern zu einem Global Player umzubauen. Er hat dabei nicht mit der taffen Chefin und ihrer Brigade gerechnet. In der neuen Serie "Retoure" spielt Stefanie Stappenbeck die Hauptrolle. Wir haben mit ihr gesprochen. Die Serie ist am 21. Dezember im NDR-Fernsehen und ab 5. Dezember in der ARD-Mediathek zu sehen. 

Sie sind eine absolute Allrounderin, haben sehr früh angefangen und spielen seit über 30 Jahren die unterschiedlichsten Rollen, bewegen sich sehr erfolgreich und scheinbar mühelos zwischen den verschiedenen Genres: Was begeistert Sie an der Figur Susanne Krombholz?

Ich habe in den letzten Jahren durch „Ein starkes Team“ viel Krimi-Erfahrung gesammelt. Es macht mir aber Spaß mich auszutoben, deswegen lege ich auch großen Wert auf andere Rollen. Nach Rollen im Genre Drama wie „Sommer 90“, „Der 7. Tag“ oder „Vernau“ habe ich mich sehr gefreut, dass mit „Retoure“ die Komödie wieder Einzug in mein Leben gehalten hat. Aber noch wichtiger ist für mich die Prämisse, dass ich gern mit den allerbesten Leuten arbeite: Da ist der Stoff schon fast egal (lacht). Und man muss sagen: Eine richtig gute Komödie zu machen, ist schwerer als Drama. Es ist schwieriger, Leute zum Lachen als zum Mitfühlen zu bewegen. Deswegen habe ich mich über diese patente, lustige, verschusselte, männerverschlingende, von Herzen gute Center-Managerin Susanne Krombholz besonders gefreut. Ich hatte richtig Lust, sie zu spielen.

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Welches Vorurteil ärgert Sie persönlich am meisten zu der Ossi-Wessi-Thematik und was wünschen Sie sich im Umgang damit?

Es gibt ja das Klischee, dass der Wessi sehr businessorientiert und egoman, der Ossi hingegen ärmlich und rechtsradikal sei – beides totaler Quatsch! Ja, es gibt ihn natürlich, den Business Wessi, aber was uns alle vereint, ist unser Herz, unsere Menschlichkeit. Ein liebevoller Blick auf unsere Schwächen kann enorm gut helfen.

In der Zusammenarbeit mit dem Regisseur und den Kolleginnen und Kollegen: Was ist das Schwierigste an Komik?

Die Gefahr für Lachkrämpfe ist bei Komödien schon wesentlich höher, dann muss man den Take einfach noch mal machen. Wir haben bei „Retoure“ ein unfassbar gutes Ensemble: Bei der Brigade blieb mir der Mund offenstehen, wegen des perfekten Timings in den Szenen. Das kann vor allem gelingen, wenn man einen richtig, richtig guten Regisseur hat wie Torsten Wacker. Er ist lustig, handfest und geradeheraus. Die Leidenschaft und das Feuer, dass er reingibt, ist ansteckend. Einiges inszeniert er bewusst, anderes aber auch nicht. Da kommt dann die Spiellust der Schauspieler*innen als Faktor dazu: Zwischen Wanja (Mues, Anm. der Red.) und mir hat es sofort super funktioniert – das ist auch ein Besetzungsglücksfall. Wenn dann auch noch alle Gewerke auf Zack sind, kann auch manchmal was durch Improvisation entstehen. Und nicht zu vergessen: Komik entsteht auch viel im Schnitt.

Ist das Ihre erste Zusammenarbeit mit Wanja Mues oder kannten Sie sich schon vorher?

Wanja und ich kennen uns schon lange, wir hatten schon öfter zusammen gespielt. Er ist ein unglaublich toller und hochbegabter Schauspieler.

Kaufen Sie gern ein? Hand aufs Herz: Laden oder Internet? Was war der schlimmste Fehlkauf, den Sie je im Internet bestellt und retourniert haben?

Ich versuche lokale Läden um die Ecke zu supporten. Aber bei meinem Job und mit Kind komme ich auch nicht ganz ohne Bestellungen aus. Ich spende an Organisationen, die Bäume pflanzen, mit dem Versuch, so wenigstens etwas zu kompensieren. Probleme gab es mal in den Anfängen des Online-Handels, so vor 15 Jahren: Ich hatte mich über die sehr günstigen Lammfell-Stiefel damals schon gewundert. Letztlich kam kaputter, ätzender Plastikschrott, ich war auf eine Fake-Seite hereingefallen. Seitdem bin ich wachsam. Ich schätze generell Firmen, die qualitativ hochwertige Produkte herstellen, die ich lange tragen kann. Ich schaue nicht mehr aufs Schnäppchen, sondern nach der Nachhaltigkeit und versuche einen tierschonenden Einkauf.

Was war der beste Rat, den Sie jemals in puncto Schauspiel aus Ihrer Branche erhalten haben?

Das ist 20 Jahre her: Ein Regisseur gab ihn mir, mit dem ich gleichzeitig eine der schlimmsten Meetoo-Erfahrungen gemacht habe. Er ist mit seiner Machtposition leider nicht gut umgegangen, aber ich kann das differenzieren - so eng liegt gut und schlecht beieinander. Er sagte mir: Wenn Du in der 3 – 6 Wiederholung bzw. Take bist, sage Dir einfach vorher „JETZT NOCH MAL GANZ FRISCH“. Ich kann dann die Erfahrungen nutzen aus den letzten Takes, verkrampfe aber nicht. Mir hilft dieser simple Satz enorm.

Eine Frage aus Gründen: Wie ist ihr Verhältnis zu Ponys? Als Mädchen voltigiert?

Ich war so null das Pferdemädchen in meiner Ostberliner Kindheit. Ich habe nachmittags im Hinterhof neben dem Kohlelager gespielt oder auf dem Spielplatz. Mein Leben bestand aus AGs: Chor, Kunst, Handball - eher städtischen Aktivitäten halt. Geritten bin ich mit 35 Jahren das erste Mal auf den Galapagos-Inseln, wir umkreisten einen Vulkan zu Pferde. Das fand ich schon doll und dachte mir: ‚Das könnte man öfter mal machen‘. Aber dazu kam es bisher nicht wieder.

Was war der lustigste Job, den Sie mal gemacht haben? Waren Sie mal in einer Brigade unterwegs?

Brigade war ja im Osten der Begriff für Team und wurde daher ständig genutzt. Immer nach dem Motto: „Zusammen ist schöner“. Ich jobbte mal auf der Trabrennbahn in Marienfelde, schenkte Getränke aus. Nach 22.00 Uhr fuhr von dort keine Bahn mehr, ab da war also das verdiente Geld dann fürs Taxi, sprich der Job sinnlos. Hat aber Spaß gemacht. Zum Glück konnte ich schon sehr früh von der Schauspielerei leben.

Was hat Ihnen am besten an Schwerin und Umgebung gefallen?

Ich kannte Schwerin nur flüchtig. Ich bin von der Stadt richtig begeistert: Wunderschöne alte Gebäude, ein Märchenschloss mit 180 Jahre alten Platanen im Schlossgarten, viel Natur, so viel Charakter, dazu die Lage an den sieben Seen, das hat sich noch gar nicht genug herumgesprochen. Bei uns sieht man davon leider auch nichts in der Serie, wir zeigen das Gewerbegebiet (lacht).

Könnten Sie sich vorstellen, auf dem Land zu leben?

Noch nicht. Aber ich könnte es mir vorstellen, wegen der guten Luft und des weiten Blickes. Stadt ist aber einfach toll mit Kind, Kultur und Arbeit. Land dann erst mal weiter im Urlaub.

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