Chiara Schoras spielt in der Liebeskomödie „Eine Wingwoman verliebt sich nicht“ eine professionelle Verkupplerin. Im Gespräch mit prisma verriet sie, ob sie auch gerne Hilfe beim Verlieben bekommen würde.
prisma: Vielleicht einmal kurz vorweg für all die Leser, denen der Begriff nichts sagt: Was genau ist eine Wingwoman?
Chiara Schoras: Die Wingwoman ist eine Vermittlungsperson, die versucht, den Suchenden in der Liebe auf die Sprünge zu helfen.
Wie würden Sie das einschätzen: Wären Sie selbst eine gute Wingwoman oder bräuchten Sie eher eine an Ihrer Seite?
Also ich glaube eher, ich wäre eine gute Wingwoman, weil ich dieses Interesse für Menschen habe und gerne versuche, besser zu verstehen, was hinter einer Person steckt. Das ist auch das, was Caro Sander ausmacht – ich schlage gleich mal den Bogen zu ihr. Sie ist jemand, der tatsächlich Interesse an seinem Gegenüber hat. Und ich glaube, dass das eine wichtige Voraussetzung ist, denn oft haben wir ja auch erstmal eine Fassade, die wir aufrechterhalten. Aber zu gucken: Was sind deine Stärken? Was sind deine Schwächen? Wo kann ich dich unterstützen? Wie kann ich dich gestärkt als Mensch da rausschicken und sagen „hey, du bist es wert, geliebt zu werden und du kannst lieben“? Das ist das, was Caro Sander macht. Sie hat eine große Empathie für Menschen und das habe ich tatsächlich auch. Deswegen würde ich sagen, ja, ich glaube, ich könnte mich eher in der Wingwoman-Position sehen, als dass ich eine Wingwoman anheuere. Wobei: Nachdem ich die Rolle gespielt habe, habe ich gedacht, dass jeder eigentlich so eine Caro Sander in seinem Leben bräuchte…
Wäre es für Sie komisch, eine Wingwoman zu beauftragen?
Irgendwie schon, denn ich komme noch aus einer Generation, die keine Hilfsmittel wie diese ganzen Apps hatte, um Menschen kennenzulernen. Und ich bin ein Mensch, der wirklich sehr interessiert durch die Welt geht, und ich mag diesen Zauber, jemanden kennenzulernen. Ich finde, Menschen können sehr spannende Individuen sein. Und diese Reise, sich auf jemanden voll einzulassen, ist für mich einfach ein schöner Prozess.
Was hat Sie am Drehbuch überzeugt, dass Sie in dem Film mitspielen wollten?
Verschiedene Sachen. Also es ist erstmal ein wirklich schönes Drehbuch gewesen, da konnte ich mich voll drauf einlassen. Dann natürlich die Tatsache, dass es eine Komödie war. Ich komme ja aus der Komödie, aber ich habe das schon lange nicht mehr gespielt. Und für mich war das nochmal so ein Zurückkommen in ein Genre, wo ich mich sehr wohl fühle. Und ich mochte Caro Sander einfach als Person. Sie hat so eine große Liebe für ihren Beruf und diese unglaubliche Bereitschaft, sich auf Menschen einzulassen und sich fast ein bisschen zu sehr für sie aufzuopfern. Dann gibt es da noch diese Geschichte mit ihrer Tochter, die gerade flügge wird. All diese Geschichten geben einen guten Einblick in Caros Gefühlsleben. Und ich hatte total Lust, mit Sarah Bauerett zu arbeiten. Mit Tom Beck sowieso, das macht mega Spaß. Es war einfach eine runde Sache.
Zwischen Caro und Anya entsteht eine ganz besondere Beziehung, obwohl Caro sie mit jemandem verkuppeln soll, in den sie heimlich selbst verliebt ist. Feiern Sie solche Frauenkonstellationen?
Ja, ich glaube, Freundschaften bleiben, Beziehungen gehen. Ich habe mittlerweile Freundschaften, die seit 45 Jahren bestehen. Frauenfreundschaften sind noch mal was ganz Besonderes, wenn wirklich Schwesternschaft entsteht und man Schulter an Schulter steht. Gerade in der heutigen Zeit, in der Frauen sich endlich von den patriarchalen Strukturen lösen. Wenn wir uns dann noch unterstützen und uns gegenseitig die Hand reichen, dann kann viel Gutes entstehen.
Kennen Sie denn auch das Gefühl, jemanden aus Distanz anzuhimmeln und sich nicht zu trauen, den ersten Schritt zu machen?
Ja, also ich glaube, es hat schon alles mal gegeben in meinem Leben. Als ich ein junges Mädchen war, gab es Schwärmereien, wo man sich vielleicht nicht unbedingt getraut hat. Aber grundsätzlich gehe ich eigentlich auf Leute zu, wenn sie mir gefallen. Caro Sander hält sich da eben zurück, weil sie selbst nicht mehr genau weiß, wie es geht. Wohl auch deshalb, weil die Beziehung mit ihrem Ex-Mann gescheitert ist und sie sich einen großen Fehler geleistet hat, den sie sich selbst bis heute nicht verziehen hat. Sie ist nicht wirklich großzügig mit sich selbst.
Kupplerin oder Kommissarin – welche Rolle macht Ihnen mehr Spaß?
So kann man das gar nicht sagen. Mit Sonja Schwarz aus dem Bozen-Krimi bin ich mittlerweile so verbandelt, ich mag diese Figur sehr. Ich glaube, dass es meine Aufgabe ist – egal in welchem Genre – meine Rollen zu lieben und ihre emotionalen Höhen und Tiefen einzufangen.
Mögen Sie privat gerne Liebeskomödien?
Total. Ich liebe Rom-Coms. Ich war schon früher ein totaler Fan von Rom-Coms. Aber ab einem gewissen Alter möchte ich gerne auch im Film gespiegelt werden, also meine Geschichten. Das heißt, ich würde mir Sachen wie „American Pie“ heute nicht mehr unbedingt angucken, weil das nicht mehr mein Thema ist. Aber eine gut gemachte Rom-Com finde ich immer noch wahnsinnig toll. Als die Anfrage für „Eine Wingwoman verliebt sich nicht“ kam, war ich deshalb direkt am Start.
Welche Liebeskomödie ist Ihr absoluter Favorit?
„Verrückt nach Mary“, „Die Hochzeit meines besten Freundes“, „Pretty Woman“ – es gibt so viele tolle Filme aus der Zeit, die nicht alt werden. Genauso wie Filme mit Adam Sandler oder Ben Stiller. Das ist immer noch großartige Unterhaltung.
Und welcher Film oder welche Serie hat Sie zuletzt so richtig begeistert?
„The Morning Show“ bei Apple TV finde ich eine großartige Serie. Ganz toll geschrieben, ganz tolle Spieler, ganz tolle Frauenfiguren.
„Eine Wingwoman verliebt sich nicht“
Sonntag, 30. August, 20.15 Uhr ZDF und vorab in der ZDF-Mediathek