Hörbuch-Erlebnis

Karoline Herfurth: „Mittlerweile höre ich lieber zu“

22.06.2026, 02.00 Uhr
Karoline Herfurth liest das Hörbuch "Und was macht das mit Ihnen?" von Karen Elste für Audible ein. Im Interview spricht sie über die Herausforderungen des Einsprechens, ihre Faszination für historische Epochen und das Leben als bekannte Schauspielerin.

Schauspielerin Karoline Herfurth hat für Audible das Hörbuch „Und was macht das mit Ihnen?“ von Karen Elste eingelesen. Darin übernimmt die erfolgslose Emma das Leben ihrer Zwillingsschwester Nina, die spurlos verschwunden ist. Im prisma-Interview verrät Karoline Herfurth, wie sie in so einer Situation klarkäme und wie herausfordernd das Einsprechen für sie war.

In „Und was macht das mit Ihnen?“ tauscht Emma plötzlich das Leben mit Ihrer Zwillingsschwester Nina. Wie hätten Sie sich mit dieser Verwechslungssituation gefühlt?
Karoline Herfurth: Es ist erst einmal total schwer vorstellbar, weil ich gar keine Person kenne, die so aussieht wie ich, mit der ich tauschen könnte. Ich finde es auch immer wieder erstaunlich, dass das so klappt. Darin besteht auch die ganze Zeit die Spannung: Wer weiß etwas? Was ist eigentlich genau passiert? Ich hätte in der Lage keine ruhige Minute. Das Problem ist, dass man immer wieder in Situationen gerät, in denen einem Informationen fehlen. Emma versucht in Gesprächen auszutasten, in welcher Beziehung sie zu ihrem Gegenüber steht und was die Person über sie weiß. Ich glaube, ich wäre an ihrer Stelle die ganze Zeit unglaublich gestresst. 

Sie haben eben angesprochen, dass Sie keinen Zwilling haben. Sie haben aber viele Geschwister. Hätten Sie sich früher einen Zwilling gewünscht, der beispielsweise eine Klausur für Sie hätte schreiben können?
Natürlich wäre es schön, in unliebsame Situationen jemand anderen hinschicken zu können. Aber ich hatte damals das große Glück, dass ich auf einer schönen Schule war und deswegen keinen Druck hatte. Außerdem bin ich eine super neugierige Person und hätte viel zu sehr Angst, etwas zu verpassen. 

Wenn Sie die Möglichkeit hätten, mal mit jemandem zu tauschen: Mit wem?
Ich würde tatsächlich total gerne mal in eine historische Epoche hereingucken. Da würde mich das Ende der Renaissance wahnsinnig interessieren. Aber auch viel früher. Wir bekommen Geschichte meist nur durch die Augen der Erzähler vermittelt. In dem Fall muss man nicht gendern, bis dato waren es meist Männer. Das heißt, wir haben eine sehr männliche Geschichtserzählung. Und ich fände es sehr spannend, einmal in Zeiten zu reisen, von denen wir eigentlich noch gar nicht so viel wissen und diese quasi neu zu entdecken. Ansonsten würde ich gerne mal mit einer Person tauschen, die nicht bekannt ist. Einfach mal anonym durch die Welt laufen zu können, besonders durch Deutschland. 

Ist es im Alltag manchmal nervig, wenn man ständig erkannt wird?
Ich erlebe meistens sehr schöne Begegnungen, die meisten Leute sind sehr nett, höflich und respektvoll. Es ist ja auch etwas total Schönes, wenn man merkt, man erreicht das Publikum und trifft Menschen mit seinen Geschichten mitten ins Herz. Deswegen ist es für mich keine doofe Erfahrung. Aber es gibt auch mal schlechte Tage und man möchte einfach nicht das Gefühl haben, ständig angeschaut zu werden. Manchmal würde ich mir einen Tarnmantel wünschen.

Im Hörbuch muss Emma auf einmal in die Rolle der Therapeutin schlüpfen. Wären Sie dieser Herausforderung gewachsen?
Ich glaube, man merkt sehr schnell, wie man an Grenzen stößt. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Gefühl „ich kann mich in einen Job hereinversetzen“ und „ich habe die Expertise, das wirklich professionell zu machen“. Zumal man auch eine Verantwortung für das Gegenüber hat, das sich vielleicht gerade in einer existenziellen Krise befindet.

Würden Sie sich denn selbst als eine gute Zuhörerin bezeichnen?
Ich kann gut zuhören, aber manchmal merke ich auch, dass ich nicht wirklich hingehört habe. Je älter ich werde, desto mehr höre ich lieber zu, als von mir selber zu reden, weil ich immer mehr das Gefühl habe, meine eigene Geschichte kenne ich ja schon. Ich will lieber hören, wie es den anderen geht. Als ich jünger war, konnte ich ziemlich viel reden (lacht)

Was war denn Ihr erster Eindruck von dem Buch?
Ich fand es wahnsinnig toll zu lesen. Ich wollte von Anfang an wissen, was passiert ist. Diese Verwechslungsgeschichte macht einfach Spaß – von der ersten Minute an. Da ist gleich dieser ganz starke Sog und man will unbedingt wissen, wie es ausgeht und in was für verrückte Situationen Emma noch gerät, weil es tatsächlich immer schlimmer wird… Sie taumelt sozusagen immer tiefer in diese Geschichte hinein und kommt in immer absurdere Situationen. Ich muss aber auch gestehen, dass ich direkt daran gedacht habe, wie man das verfilmen könnte. 

Was war beim Einsprechen die größte Herausforderung?
Es war eine tolle Erfahrung, weil ich ganz doll aus meiner Komfortzone gelockt wurde. Ich habe gemerkt, dass es nicht unbedingt mein Steckenpferd ist, die deutlichste Sprache zu haben. Da ich wenig am Theater arbeite und meine Stimmausbildung schon 20 Jahre her ist, war das richtig toll, sich nochmal an die ganze Stimmtechnik zu erinnern. Ich bin tatsächlich jeden Morgen zu den Aufnahmen mit einem Korken im Mund gefahren, um wirklich aufgewärmt zu sein. Ein Hörbuch einzusprechen, ist wirklich eine Mammutaufgabe. Das hat mich wunderschön an meine Grenzen gebracht. Es hat mir wahnsinnig Spaß gemacht, so herausgefordert zu werden.

Ich wollte schon sagen: Das klingt jetzt nicht so nach Spaß erstmal…
Ich liebe solche Herausforderungen, wenn ich neue Fähigkeiten entdecken oder wiederaufleben lassen kann. Es eröffnet mir einfach immer wieder neue Horizonte. Ich finde Hörbücher toll und deshalb war es spannend, zu sehen, welche Arbeit da im Detail hinter steckt. 

Sie hören also privat auch gerne Hörbücher. Welche und wann am liebsten?
Ich höre ganz viel bei der Gartenarbeit. Ich liebe es, wenn man im Garten Unkraut zupft, das ist wie eine Entspannungsoase für mich. Ich tauche in den Garten und gleichzeitig in eine Geschichte ein. Ein toller Ausgleich für ein sehr bewegtes Leben. Ich höre total gerne Krimis, momentan ganz viel von Karin Slaughter. Meine erste Begegnung mit einer meiner Lieblingsautorinnen war durch ein Hörbuch, das Hannelore Hoger eingelesen hat. Beim Autofahren höre ich auch gerne Hörbücher. Ich habe schon die ganze Agatha-Christie- und Kluftinger-Reihe gehört. Ich weiß noch, ich habe mal mit Christian Berkel gedreht und mich gewundert, warum ich mich so beruhige, wenn er spricht. Dann ist mir irgendwann klar geworden, dass er Kluftinger mit eingesprochen hat. Da habe ich gerne beim Puzzeln gehört – noch so ein Entspannungsritual von mir. 

„Und was macht das mit Ihnen?“ von Karen Elste, gesprochen von Karoline Herfurth, ab Donnerstag, 25. Juni, bei Audible