Pop-Star Nico Santos hat sich für die ZDF-Sendung „Song Trip“ intensiv mit den musikalischen Traditionen Vietnams auseinandersetzt. Mit prisma sprach er über die außergewöhnliche Reise und sein neues Album.
Hast du dir selbst ausgesucht, dass die Reise für dich nach Vietnam geht?
Nico Santos: Man durfte das Ziel selber aussuchen beziehungsweise es gab so fünf, sechs Länder zur Auswahl. Für mich war von Anfang an klar, dass ich gerne mal nach Vietnam reisen würde, weil ich noch nie in Asien war bislang. Ich wollte unbedingt mal erleben, wie es da wirklich ist. Und die Musik hat mich auch krass gekitzelt. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, dass es am Ende geklappt hat.
Wie würdest du die Musiktradition des Landes beschreiben?
Unglaublich vielfältig und unfassbar anders als unsere. Wenn wir jetzt viele Jahre zurückblicken auf, ich sag mal, deutsche Musik oder Musik aus Deutschland, da gibt es natürlich auch die Klassiker, die ganz großen Musiker unserer Zeit, die in der Klassik mitgewirkt haben. Aber welche Instrumente oder welcher Sound ist wirklich Deutschland? In Vietnam durfte ich eine Künstlerin treffen, die schon sehr lange Musik macht und ein Unesco-Weltkulturerbe ist. Sie ist eine Botschafterin zwischen Himmel und Erde. Diese Person hat ein eigenes Instrument, das nur ganz wenige Menschen spielen können. Das war eine ganz besondere Begegnung. Solche Sachen machen „Song Trip“ aus. Das erlebt man nicht, wenn man einen Vietnam-Urlaub bucht.
Du bist von Hause aus Pop-Musiker. Findet man in solchen Momenten seine eigene Musik banal?
Nein, das Schöne ist, dass man den gegenseitigen Respekt so sehr fühlt. Es ist einfach eine ganz andere Musik. Wir haben zusammen eine vietnamesische Version von einem Song von mir gemacht. Und dann zu sehen, dass jemand, der so gut in seinem Metier ist, ganz krasse Hürden bei einem Popsong hat – das ist schon verrückt. Musik ist Gott sei Dank universell und egal, um welche Sprache es sich handelt, man wird sofort gecatcht, egal wer was gemacht hat.
Was war für dich persönlich musikalisch die größte Herausforderung?
Ich wollte unbedingt ganz, ganz viel Vietnam in meinem Song haben. Und es ist so, dass wir in der westlichen Musikwelt mit Halbtönen arbeiten, es in der vietnamesischen Musiktradition aber auch die Vierteltöne gibt. Da die richtige Balance zu finden, war ganz schön knifflig. Außerdem wollte ich sehr viele Instrumente in meinen Song verpacken. Ich habe mir da wirklich viel vorgenommen, das meinten auch die Macher von „Song Trip“.
Rea Garvey, Yvonne Catterfeld und Peter Maffay waren diese Staffel ebenfalls dabei. Welches ihrer Länder hätte dich am meisten gereizt?
Das ist eine gute Frage. In dieser Staffel geht es ja nach Nashville, Kap Verde und nach Sápmi (Lappland). Lappland hätte mich auch echt begeistert, aber ich mag es nicht kalt (lacht). Da wäre ich wahrscheinlich nicht so frei gewesen. In Nashville war ich bereits und auf den Kap Verden auch. Wobei Yvonne Catterfeld eine andere Insel besucht hat als ich damals und der Vibe dort ganz anders war. Das Coole an „Song Trip“ ist einfach, dass das Format es einen ermöglicht, als Insider einen Ort zu erkunden und zu erleben. Und man muss nicht recherchieren, um da irgendwie bei den Locals reinzukommen. Du bist von Anfang an einer von denen.
Welches Erlebnis ist dir besonders im Kopf geblieben?
Ganz, ganz viele. Für mich war Asien echt ein Kulturschock – aber im positiven Sinne. Es ist krass, wenn man zum Beispiel sechs Menschen auf einem kleinen alten Roller sieht. Auf der Straße musstest du die ganze Zeit links und rechts gucken, damit du nicht direkt überfahren wirst. Ich würde es als synchronisiertes Chaos beschreiben. Alles liegt auf der Straße, aber die Menschen kommen so zurecht. Und abends sieht das dann auf einmal wieder nicht mehr so aus. Es ist einfach eine völlig andere Kultur.
Würdest du sagen, dass du musikalisch etwas für dich aus der Reise ziehen kannst?
Ich habe jetzt keine vietnamesischen Instrumente auf einem meiner neuen Songs. Aber ich muss schon sagen, es hat mich einfach so inspiriert, dass ich seitdem auf jeden Fall noch mehr gewagt habe. Ich habe mit „Optimist“ ein Lied herausgebracht, das ein reiner Gitarrensong ist. Das habe ich vorher auch noch nicht gemacht. Ich habe meinen Horizont noch mal erweitert, und ich glaube, dass in der heutigen Musikwelt alles so undefinierbar ist, wie es vor zehn Jahren auf jeden Fall noch nicht war.
Dein letztes Album hast du auf Deutsch unter dem Namen „Santos“ herausgebracht. Bleibt es jetzt erst einmal bei dieser Richtung?
Das Album ist 2025 erschienen und war für mich wie eine Zusammenstellung von Songs, die ich in den vergangenen fünf, sechs Jahren immer mal wieder mit Kumpels geschrieben habe. Aber mein Fokus liegt nach wie vor mehr auf englischsprachiger Musik. Deswegen kommt jetzt auch ein neues Album auf Englisch raus. Aber es ist schon lustig, dass es Jugendliche gibt, die noch nie „Rooftop“ oder „Better“ gehört haben und mich nur mit den deutschen Liedern kennen. Und ich kann immer mal wieder zurück switchen ins Deutsche und es fühlt sich nicht komisch für mich an.
Das neue Album, das du eben angesprochen hast, in welche Richtung geht das?
Das Album hat quasi zwei Seiten. Es gibt sehr verspielte und verrückte Songs, die ich so noch nicht gemacht habe. Und darauf sind sehr pure Songs. Nur mit Gitarre, sehr fragil, ganz intim und sehr persönlich. Ich freue mich sehr darauf, diese Lieder mit den Fans teilen zu können.
Eine Frage noch zum Schluss: Wenn du nochmal einen „Song Trip“ machen könntest – wo würde die Reise hingehen?
Das ist eine gute Frage. Ich glaube, ich würde gerne nach Südamerika reisen, weil ich da noch nie war. Ich kann natürlich Spanisch und würde am liebsten in etwas sehr Einheimisches mit alter Kultur eintauchen. Peru oder Mexiko mit dem Azteken-Erbe wären sehr interessant.
„Song Trip“
Freitag, 17. Juli, 23.30 Uhr ZDF
alle vier Folgen ab dem 29. Juni in der ZDF-Mediathek