Sternekoch Tim Raue hat ein Kochbuch der etwas anderen Art veröffentlicht: "My Way" – ein Blick in sein "egozentrisches Universum".

Wissen Sie, was ein Excalibur ist? Haben Sie eine Silpatmatte in Ihrer Küche? Oder einen Konvektomat? Und: Haben Sie schon einmal mit Zutaten wie Roti-Prata-Teig, eingelegten Sansho-Beeren oder Bonitoflocken gekocht? Für Tim Raue ist all das Alltag.

Der 1974 in Berlin geborene Koch gehört zu den besten seiner Zunft – und Raue weiß das. "Dieses Buch erzählt meine Geschichte, meinen Weg aus der Gosse in Kreuzberg in den kulinarischen Sternenhimmel", schreibt er im Vorwort zu seinem neuen "Kochbuch" mit dem Titel "My Way" – und weiter: "Es ist der Weg eines kleinen Berliner Jungen, der mit preußischem Fleiß, Willensstärke, Ehrgeiz, Disziplin und Struktur den Stromschnellen und Abgründen des Lebens trotzte und zu einem der besten Köche der Welt wurde." Erst mal durchatmen.

Ein Buch wie ein kleines Denkmal

Zugegeben: Das ist dick aufgetragen. Wie überhaupt das ganze Buch nicht nur vor Selbstbewusstsein strotzt, sondern auch vor dem Versuch, diese Geschichte nicht bloß zu erzählen, sondern sie zu beweisen – mit Fotos aus Raues Jugendzeit, aus seinen Lehrjahren, vom Beginn seiner Karriere.

Demgegenüber stehen die Rezepte, und die sind das, was Raue seit Jahren liefert: Sterneküche. Alltagstauglich? Kein einziges davon. Selbst für "Gurke & Knoblauch", das wir Ihnen auf dieser Seite zum Nachkochen anbieten, braucht es eigentlich einen Thermomix – wenigstens aber die Zutaten dürften in diesem Fall im Großen und Ganzen zu bekommen sein. Keine Selbstverständlichkeit. Fast scheint es, als habe sich Raue mit diesem Buch ein kleines Denkmal setzen wollen. Aus jeder Faser, aus jeder Seite springt den Leser höchster Anspruch an, da scheut Raue auch nicht die Nennung expliziter Marken, denen er beispielsweise beim Essig oder beim Wan-Tan-Teig vertraut.

Völlig subjektiv und unangepasst

Dazu passt, neben dem zweiten Vorwort von Klaus Wowereit, die ganz eigene Form von Hybris, die Raue ausstrahlt. In sein "egozentrisches Universum" will er uns entführen und da sind Formulierungen wie "Übermenschliches leisten" oder "Wahnsinn und Methode" an der Tagesordnung. Das ist nicht weniger als unterhaltsam, wenn es einem gelingt, all das mit Abstand zu lesen. Weniger Abstand braucht es da schon für die Rezepte – etwa für "Gänseleber, Jiaogulan & Matcha", "Wolfsbarsch, Petersilie & Albatrüffel" oder "Shabu Shabu, Lauch & Ingwer". Kulinarisch ist dieses Buch eine Offenbarung, die zum Träumen einlädt – oder zum Kauf des ein oder anderen Küchengeräts. Dazu sind die Gerichte zurückhaltend-exquisit in Szene gesetzt und schnörkellos fotografiert. In diesem Sinne verspricht Raue nicht zu viel, wenn er schreibt, dieses Buch sei "völlig subjektiv und unangepasst". Etwas anderes hätte zu ihm aber auch kaum gepasst.