28.09.2021 Finanzen

Bezahlen ohne Bargeld: Schöne neue Welt

Von Anja Kühner
Mehr Ordnung im Portemonnaie: Per QR-Code lässt sich der digitale Kassenbon aufs Smartphone laden.
Mehr Ordnung im Portemonnaie: Per QR-Code lässt sich der digitale Kassenbon aufs Smartphone laden. Fotoquelle: Thomas Willemsen für NRW.BANK

Jeder vierte Deutsche hat schon einmal kontaktlos an der Ladenkasse gezahlt. Das mobile Bezahlen ist schnell, einfach und hygienisch. Bei kleinen Beträgen genügt es, Karte oder Smartphone ans Lesegerät zu halten – fertig.

Die Mohnschnecke kostet 1,75 Euro. Die Kundin hält ihr Handy an den Bezahlterminal – und verlässt den Laden. "Etwa jeder Dritte bezahlt inzwischen selbst einzelne Brötchen kontaktlos mit Karte oder Smartphone", weiß Stefan Lechtermann, Geschäftsführer der Bielefelder Bäckerei Lechtermann-Pollmeier. Durch die Coronakrise hat sich das Bezahlverhalten der Deutschen verändert. Kontaktlos lautet das Gebot der Stunde. In Schweden oder in den Niederlanden ist Bargeld schon seit Jahren kein Thema mehr – dort hat kaum noch jemand Banknoten und Münzen im Portemonnaie. Nun haben sich selbst die Deutschen, die im internationalen Vergleich sehr an ihrem Bargeld hängen, an kontaktloses Bezahlen gewöhnt: Traditionalisten halten ihre Karte ans Bezahlterminal, immer mehr Menschen zücken ihr Smartphone und Technologie-Fans nutzen ihre Smart-Watch.

Der größte Vorteil des mobilen Bezahlens: Es geht schnell. Die Suche nach Kleingeld entfällt ebenso wie das Warten aufs Wechselgeld. Geldbeutel vergessen – kein Problem. Und es ist hygienisch, da kontaktlos. Mit wenigen Schritten lässt sich das Mobile Payment auf dem Smartphone einrichten: Im App-Store wurde die Sparkassen-App "Mobiles Bezahlen" mehr als eine Million Mal heruntergeladen. Auch die "VR Banking App" der Volks- und Raiffeisenbanken findet sich dort ebenso wie die Payment-Apps anderer Banken. Zu den beliebtesten Apps fürs mobile Bezahlen zählen außerdem Paypal, "Google Pay" sowie "Apple Pay".

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Meist genügen zum Einrichten der Bezahl-App die Zugangsdaten fürs Online-Banking. Dann muss der Nutzer die Karte auswählen, die er in der App als Zahlungsmittel hinterlegen will. In der Regel ist das eine Entscheidung zwischen Girocard und Kreditkarte. Ob das mobile Bezahlen im Laden möglich ist, lässt sich am Wellen-Logo erkennen. Es sieht wie ein auf der Seite liegendes W-Lan-Symbol aus und zeigt an, dass die Kasse NFC-fähig ist. Die NFC-Technologie ist ein internationaler Standard zum drahtlosen Datenaustausch im Nahbereich bis etwa zehn Zentimeter Entfernung. Bei kleinen Beträgen bis 50 Euro genügt es, das Smartphone an das Bezahlterminal zu halten. Es ist keine Bestätigung der Zahlung nötig. Höhere Summen müssen durch Face-ID, Fingerabdruck oder per PIN freigegeben werden. Das erhöht die Sicherheit dieses Bezahlverfahrens beziehungsweise limitiert mögliche Verluste.

Eine Umfrage aus vergangenem Sommer belegt, dass die Nutzungszahlen von mobilem Bezahlen während der Corona-Pandemie deutlich gestiegen sind: Mehr als jeder Vierte zahlt bereits im Alltag auf diese Weise. Besonders häufig wird das Smartphone in Lebensmittelgeschäften (77 Prozent) und Tankstellen (47 Prozent) gezückt. 23 Prozent der Nutzer geben an, damit überall zu bezahlen. Für die Bäckerei Lechtermann-Pollmeier hat das Smartphone am Kassenterminal einen weiteren Vorteil: Per QR-Code lassen sich die Kaufbelege übertragen. Der Kunde hat kein Zettelchaos im Geldbeutel. Und das Familienunternehmen sparte angesichts der gesetzlichen Bonpflicht allein in 2020 rund 30 000 Euro Kosten für Thermopapier. Der Chef freut sich: "Wir sparen dadurch rund zehn Kilometer Chemikalien-getränktes Papier ein, verbrauchen weniger Rohstoffe und leben Nachhaltigkeit."

Checkliste: Was beim mobilen Bezahlen zu beachten ist

  • Kann mein Smartphone NFC?
  • Ist diese Bezahlvariante überall dort möglich, wo ich einkaufe?
  • Welche App will ich nutzen? Eine App von meiner Bank oder die eines Dienstleisters?
  • Ist diese App kostenlos?
  • Soll direkt vom Konto abgebucht werden oder der Umweg über eine Kreditkarte erfolgen?
  • Kann ich ein Ausgabenlimit setzen und verändern?
  • Werden meine Daten analysiert, zu Werbezwecken ausgewertet oder gar weitergegeben?

Mehr Infos: www.verbraucherzentrale.de

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