11.01.2022 Grüne Investitionen

Klimaziel wird teuer, aber Nichtstun noch teurer

Von Jürgen Grosche
Im November fand die UN-Klimakonferenz in Glasgow statt.
Im November fand die UN-Klimakonferenz in Glasgow statt. Fotoquelle: picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, sind Billionen-Summen erforderlich. Unternehmen kommt eine wichtige Rolle zu. Für sie ist das nicht nur eine Belastung.

Eine Zahl schwebt derzeit über allem: 1,5. Auf 1,5 Grad soll die Zunahme der Erderwärmung begrenzt werden, um gravierende Folgen des Klimawandels noch abzuwenden. Darum ging es auch bei der 26. Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Glasgow. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müsse der private und der öffentliche Sektor viel Geld in die Hand nehmen, rechnen Experten des Vermögensverwalters DWS vor. Laut der Climate Policy Initiative (CPI) erreichten Investitionen in den Klimaschutz 2019 und 2020 im Schnitt 632 Milliarden US-Dollar. Das klinge zunächst nach einer beeindruckenden Zahl, kommentieren die DWS-Experten die Zahl, „doch die Schätzungen von CPI suggerieren, dass die grünen Investitionen bis 2030 um das Fünf- bis Sechsfache auf über vier Billionen US-Dollar pro Jahr steigen müssen, damit das 1,5-Grad-Ziel erreicht werden kann.“

Staatliche Zusagen der Klimakonferenz reichen bei weitem nicht aus, wie auch der UN-Generalsekretär António Guterres auf der Konferenz einräumte. Wo soll das Geld herkommen? Die DWS zitiert die Internationale Energieagentur (IEA): Fast die Hälfte der bis 2050 erforderlichen Emissionssenkungen werde von Technologien erfolgen müssen, die es derzeit erst auf dem Papier oder als Prototypen gibt. Da der Klimawandel bereits im vollen Gange ist, würden aber auch Investitionen zur unmittelbaren Schadensbegrenzung benötigt. Die DWS-Experten messen der Wirtschaft eine große Bedeutung bei der Bewältigung der Aufgabe zu: „Was die Kapitalquellen betrifft, so spielen börsennotierte Unternehmen eine Schlüsselrolle.“ Nach einer Schätzung der Bank Goldman Sachs könne ein Drittel der zusätzlichen grünen Investitionen von bestehenden börsennotierten Unternehmen kommen, wenn man ihre Bilanz und ihre Mittelgenerierung betrachte.

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Für die Unternehmen sei das nicht nur eine zusätzliche Belastung: „Viele umweltfreundliche Projekte haben nicht nur eine positive Kapitalrendite. Wir glauben sogar, dass Unternehmen mit einem hohen oder wachsenden Anteil umweltfreundlicher Einnahmen, Forschungsausgaben oder Investitionen sowohl an der Börse besser als ihre Konkurrenten abschneiden als auch von niedrigeren Fremdkapitalkosten profitieren sollten.“

Die Bürger ahnen zudem, dass es noch teurer wird, die Folgen des Klimawandels zu beheben, als den Klimawandel aufzuhalten. Davon jedenfalls sind 71 Prozent laut einer Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut forsa im Auftrag von Union Investment überzeugt. Gleichzeitig sehen 89 Prozent der Menschen einen gesellschaftlichen Wandel in Richtung Nachhaltigkeit als dringend an.

Das Bild aus der Öffentlichkeit, dass vor allem junge Menschen die Dringlichkeit sehen, wird durch die Umfrage bestätigt. 80 Prozent der 18- bis 29-Jährigen glauben, dass die Behebung der Folgen des Klimawandels höhere Kosten verursachen würde als dessen wirksame Bekämpfung. Und 94 Prozent halten einen gesellschaftlichen Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit für dringend.

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