Neue Folgen

"Die Kanzlei: Schräglage" – Esther Schweins gibt Debüt in ARD-Serie

von Eric Leimann

Eine neue Staatsanwältin: Esther Schweins ist in der neuen Staffel der ARD-Serie "Die Kanzlei" mit von der Partie. Der soziale Geist der einst von Dieter Pfaff geprägten Serie ist immer noch spürbar.

ARD
Die Kanzlei: Schräglage
Serie • 04.08.2020 • 20:15 Uhr

Im März 2013 verstarb Schauspieler Dieter Pfaff. Eines der Herzensprojekte des massig mitreißenden Schauspielers und Stoffe-Entwicklers war neben seiner grandiosen Psychotherapeuten-Reihe "Bloch" die eher mainstreamige ARD-Serie "Der Dicke". Pfaff verkörperte darin einen modernen Robin Hood im Anwaltsgewand. Einen, der kleinen Leuten half und den großen, fiesen gerne mal ans Bein pinkelte. Und dabei immer noch mit eigenen Dämonen zu kämpfen hatte. Von 2005 bis 2012 war Pfaff der titelgebende Dicke. In 52 Folgen prägte er die Serie. Nach seinem Tod gingen wohl die meisten davon aus, dass "Der Dicke" eingestellt wird. Der Verstorbene wurde jedoch durch Herbert Knaup ersetzt, die Serie lief fortan unter dem Titel "Die Kanzlei" mit beinahe identischer Besetzung und den Geschichten von Drehbuchautor Torsten Näter, der bis heute dabei ist, weiter. Nach vier Staffeln "Der Dicke" startet nun bereits Staffel fünf von "Die Kanzlei".

Die Auftaktfolge "Schräglage" erzählt wie gewohnt parallel von zwei Fällen. "Diese Kinder können unmöglich von mir sein, meine Frau ist eine Schönheit, und unsere Kinder sind, ehrlich gesagt, hässlich", sagt ein bekannter Fotograf zu den Anwälten Isabel von Brede (Sabine Postel) und Markus Gellert (Knaup). Der Auftraggeber möchte die Vaterschaft anfechten lassen. Während die Anwälte zwischen den Ehepartnern vermitteln, haben sie gleichzeitig mit einer Mutter zu tun, deren kleiner Sohn nach einem Badeunfall im Koma liegt.

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Ihr Ex-Mann hat sie angezeigt, nicht aufgepasst zu haben und macht ihr das Sorgerecht streitig. Nach Aussage des Bademeisters war die Mutter in der Schwimmhalle mit ihrem Handy beschäftigt. Die neue Staatsanwältin Barbara Geldermann (Esther Schweins) möchte die Frau wegen Verletzung ihrer Aufsichtspflicht hart bestrafen. Gleichzeitig geht es auch innerhalb des Anwalts-Teams menschlich zur Sache. Isabel von Brede plagen Geldsorgen, als Markus Gellert ihr gesteht, dass er Rücklagen der Kanzlei in spekulative Anlagen gesteckt hat. Und Assistentin Yasmin (Sophie Dal) vertraut Kanzlei-Ermittlerin Gudrun (Katrin Pollitt) an, dass sie schwanger ist.

Wer moderne Serienkultur mit fordernden Charakteren und Erzählstrukturen sucht, ist hier natürlich fehl am Platz. "Die Kanzlei" ist altmodisches, öffentlich-rechtliches Serienfernsehen – aber als solches eben erfolgreich und solide erzählt. Die Qualität der Folgen schwankt mit der Originalität von Thorsten Näters Geschichten – und jene mit dem Fotografen und seinen hässlichen Kindern ist originell! Die Zeiten, da Dieter Pfaff mit seiner besonderen Aura über – schon damals – plätschernde Plots hinweghalf, sind vorbei. Was keine Kritik an seinem Nachfolger sein soll, denn Knaup ist nicht jener Typ eines Volksschauspielers der seltenen Marke Pfaff, deren besondere emotionale Wirkung man einfach nicht erklären kann.

Abgesehen davon: In Zeiten, da die Schere zwischen Arm und Reich beziehungsweise gesellschaftliche Wirkmacht respektive Ohnmacht immer weiter auseinanderklaffen, tut eine Serie "pro kleine Leute" wie "Die Kanzlei" auf gewisse Art einfach gut. Dieter Pfaff würde es wohl gefallen, wenn er von oben zuschaut. Schließlich braucht der Mensch, vor allem der schutzlose, Beistand. Und diesen liefert die Serie – auf mehreren Ebenen – 15 Jahre nach ihrem Debüt.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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