Free-TV-Premiere im ZDF

"Die dunkelste Stunde": Gary Oldman erweckt Winston Churchill zum Leben

von Andreas Fischer

Während des Zweiten Weltkriegs wird der knorrige und wenig beliebte Winston Churchill britischer Premierminister. Trotz großer Widerstände im eigenen Land stellt sich Churchill mit aller Macht gegen Hitlers Barbarei. Gary Oldman bekam für seine Darstellung völlig zurecht den Oscar.

ZDF
Die dunkelste Stunde
Drama • 01.06.2020 • 22:00 Uhr

Winston Churchill war ein Mann, an dem sich viele Briten reiben konnten. Als er 1940 zum Premierminister des Vereinigten Königreichs ernannt wurde, war er keineswegs so beliebt, wie er im von historischer Patina getrübten Rückblick heute erscheinen mag. Ganz im Gegenteil. Knorrig, unbequem, exzentrisch – ein Politiker, der aneckte, aber erfüllt war von Pflichtbewusstsein. Und einer, der sich für seine Überzeugungen einsetzte, auch wenn sie nicht opportun waren. "Die dunkelste Stunde" (2017), nun als Free-TV-Premiere im ZDF zu sehen, zeigt den "größten Briten des 20. Jahrhunderts". Inszeniert hat ihn Joe Wright, der sich im Kino sehr elegant in vergangenen Zeiten bewegen kann ("Stolz & Vorurteil", "Abbitte").

"Die dunkelste Stunde" setzt zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ein. Dass Churchill im Mai 1940 Premierminister wurde, passte nicht jedem Briten. Beliebt war der streitbare Politiker nicht, weder beim Volk noch im Londoner Politikbetrieb. Der König (Ben Mendelsohn) hatte gar Angst vor dem Mann, der mit seiner glänzenden Rhetorik durchaus einschüchternd wirken konnte. Gespielt wird Churchill von Gary Oldman, den man sich eigentlich so gar nicht in dieser Rolle vorstellen kann. Weil aber die Make-up-Abteilung fantastische Arbeit leistete und Oldman eine feine Balance fand zwischen der historischen Wucht seiner Figur und ihren menschlichen, zweifelnden Seiten, hat man nach wenigen Auftritten vergessen, dass da ein Schauspieler auf der Leinwand zu sehen ist. Völlig zu Recht erhielt Oldman für seine Darbietung bei den Oscars 2018 den Preis als "Bester Hauptdarsteller".

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Vielmehr sieht man einen Politiker, der im Gegensatz zu seinen Widersachern eine klare Haltung hat, die er auch gegen große Widerstände verteidigt. Während das politische Establishment in London die "Appeasement"-Politik fortsetzen wollte und immer noch auf eine Einigung mit Hitler-Deutschland hoffte, stellte sich Churchill mit aller Macht gegen die Barbarei. Er wollte keineswegs zurückweichen, wohl wissend, dass diese Haltung eine große Opferbereitschaft seiner Landsleute erforderte. In einer seiner wichtigsten Reden schwor der begnadete Rhetoriker seine Landsleute auf einen Kampf voller "Blut, Schweiß und Tränen" ein und stellte damit die Frage, welchen Preis die Gesellschaft für die Freiheit zu zahlen bereit ist.

Die großen Momente des Films sind die, in denen Regisseur Joe Wright die präzisen Dialoge des Drehbuchs von Anthony McCarten in den Mittelpunkt seiner Inszenierung stellt. Denn neben Oldmans Churchill machen der Umgang mit der Sprache, die kernigen Reden und geschliffenen Wortgefechte "Die dunkelste Stunde" zu einem sehenswerten Film, viel mehr als die aufgeplusterte visuelle Opulenz. Die teilweise schwülstige Ikonisierung Churchills, zu der sich Joe Wright hinreißen ließ, hätte der Film jedenfalls nicht nötig gehabt. Sie lenkt nur ab vom Wesentlichen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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