"Auf dunkler See"

"Der Kommissar und das Meer": Mordermittlungen auf der Fähre

von Wilfried Geldner

Auf einer Fähre wird ein Mord begangen. Kann Kommissar Anders, der eigentlich mit seinem 14-jährigen Sohn unterwegs ist, den Fall aufklären, bis die Fähre das Festland erreicht hat? 

ZDF
Der Kommissar und das Meer – Auf dunkler See
Krimi • 30.05.2020 • 20:15 Uhr

Es sieht fast so aus, als habe Miguel Alexandre, hier Autor, Regisseur und Kameramann zugleich, die Regeln der dänischen Dogma-Gruppe noch einmal befolgen wollen. Die Folge "Auf dunkler See" der beliebten ZDF-Reihe "Der Kommissar und das Meer" spielt im Hier und jetzt, wie einst von den Dogma-Leuten verlangt, sie ist zu weiten Teilen mit der Handkamera gedreht und benutzt die natürlichen Lichtquellen auf der Fähre, die von Visby zum Festland führt. Dass es dann auch noch um einen Familientyrann und Hotelbesitzer geht wie im legendären Dänenfilm "Das Fest", ist des Guten fast schon zu viel. Die Herausforderung, unter Zeitdruck auf dem schwimmenden Schauplatz zu drehen, hat jedenfalls Alexandre sichtlich gereizt: Die Optik ist das Hervorragende an diesem Schiffskrimi, dicht gefolgt vom Spiel des angespannt in sich ruhenden Walter Sittler als Kommissar Anders.

Mit seinem 14-jährigen Stiefsohn Kasper erreicht Anders in letzter Sekunde das Schiff – in Stockholm wollen Vater und Sohn Anders' dort lebende Frau besuchen. Mit auf dem Schiff befindet sich eine merkwürdige Hochzeitsgesellschaft, in der Streitereien eskalieren. Der Großvater, ein wahrer Kotzbrocken und Familientyrann führt ein strenges Regiment. Mit finsterer Miene weist der Besitzer einer Hotelkette, Karl Öqvist (der Norweger Bjorn Floberg), Frau und Schwiegersöhne zurecht. Er hat, so stellt sich später heraus, die ältere Tochter entmachtet und die Jüngere als Erbin eingesetzt. Grund genug, diese nun just am Hochzeitstag der Enkelin zu ermorden?

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Anders hat indessen andere Probleme. Noch während er in aller Ruhe die Mordermittlungen in den Korridoren des Schiffes aufnimmt und die Hochzeitsgesellschaft in der Messe versammelt, ist Kasper verschwunden. Dabei hatte er eigentlich nur die Toilette aufsuchen wollen. Auch nach mehrmaligem Aufruf des Bordlautsprechers bleibt Kasper verschwunden. Wurde er in den Mordfall verwickelt, hat man ihn als Tatzeugen umgebracht? Eine Videoaufnahme zeigt gar, wie ein Mann einen riesigen Seesack über die Reling warf.

Dieser Tatverdächtige ist das zweifellos schwächste Glied im Film. Schon zu Beginn hatte man ihn die Hochzeitsgesellschaft verfolgen sehen, nervös hatte er an einer Pistole hantiert. In tiefes Schweigen hüllt er sich, als ihn Anders zur Rede stellt. Er nimmt viel Platz weg, dieser Wicht, und ist doch recht notdürftig in die Handlung eingebaut. Das Familiendrama der Öqvists kommt viel zu kurz, nur wenig Interesse wird an den unter der Fuchtel des Patriarchen stehenden Familienmitglieder geweckt. Andererseits: Es macht Spaß, Walter Sittler und seiner still verzweifelten Suche nach dem Sohn zuzusehen. Die Kamera verfolgt ihn hartnäckig auf und unter Deck im Vorwärts- wie im Rückwärtsgang. Sein Anders bewegt sich schaukelnd wie John Wayne, und immer wieder stößt er beinahe mit dem Kopf an der Decke an. Interviews führt er im Flüsterton – oder er überlässt sie gleich Inger Nilsson, die ja vor langer Zeit mal Pipi Langstrumpf war. Mehr Gentleman-like kann ein Kommissar nicht sein.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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