Pferdefilm in der ARD

"Mein wildes Herz – Alles auf Sieg": Sieg der Sturköpfe

von Elisa Eberle

Das Pferde-Drama "Mein wildes Herz – Alles auf Sieg" verzichtet auf den für das Genre üblichen Kitsch und wartet zudem mit einer tollen Besetzung auf.

ARD
Mein wildes Herz – Alles auf Sieg
Drama • 30.05.2020 • 20:15 Uhr

Mit Pferdefilmen ist das oft so eine Sache: Sie gelten als kitschig, bisweilen unrealistisch und sprechen vor allem kleine Mädchen an. Denke man nur an "Bibi und Tina", "Ostwind" oder "Wendy". Auch "Mein wildes Herz – Alles auf Sieg" (2017) erfüllt sicher das ein oder andere Klischee – und dennoch: Der Film von Hanno Olderdissen (Regie) und Clemente Fernandez-Gil (Drehbuch) überzeugt – nicht zuletzt dank seiner großartigen Charakterschauspieler.

Vor drei Jahren lief der Film bereits im Kino. Damals noch unter dem Titel "Rock My Heart – Mein wildes Herz". Was nach dem Album einer Girlie-Popband klingt, ist eigentlich der Name eines Pferdes: Rock My Heart heißt der Gaul, um den sich die Geschichte dreht. Er ist ein sturer Hengst, der seinem mürrischen Besitzer Paul Brenner (Dieter Hallervorden) nichts als Ärger einbringt: Denn Rock will sich nicht zähmen lassen, geschweige denn kann er an einem Pferderennen teilnehmen. Dabei braucht Paul das Preisgeld doch so dringend! 80.000 Euro muss er der Bank vorlegen, sonst verliert er seinen Hof und damit seine ganze Existenz. Das hat die Kreditverwalterin (Anneke Kim Sarnau) ganz klar gesagt.

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Doch Paul will nicht aufgeben! Als eines Tages ein Mädchen auf der Koppel steht, wittert er eine Chance: Jana (Lena Klenke) kann sich dem wilden Hengst ohne Probleme nähern. Im Sattel scheint sie noch dazu ein echtes Naturtalent zu sein. Paul kann sein Glück kaum fassen und trainiert gemeinsam mit seinem Kumpel Steckel (Milan Peschel) Jana binnen weniger Wochen für ihren ersten Wettkampf als Jockey. Doch Jana hat ein Geheimnis: Sie leidet an einem angeborenen Herzfehler – Sport ist für sie lebensgefährlich ...

Vor sieben Jahren feierte Dieter Hallervorden in "Sein letztes Rennen" (Regie: Kilian Riedhof) ein großartiges Comeback. Seither hat der inzwischen 84-Jährige immer wieder sein schauspielerisches Können jenseits der Comedy ("Palim-Palim") unter Beweis gestellt. Hier überzeugt er erneut durch seine Darstellung des mürrischen Pferdehofbesitzers, unter dessen harter Schale ein weicher Kern verborgen liegt.

Doch er ist bei Weitem nicht der Einzige: Mit Annette Frier als besorgte Mutter und Johann von Bülow als verständnisvoller Arzt sind selbst die Nebenrollen toll besetzt. Von Hauptdarstellerin Lena Klenke ("Fack ju Göhte", "How to Sell Drugs Online (Fast)") ganz zu schweigen: Es macht Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie ihrer Rolle des sturen, herzkranken Mädchens Leben einhaucht, wie sie trotzt, kämpft und gegen die Eltern rebelliert, die sie zu einer weiteren Herzoperation zwingen wollen.

Kein Wunder, wo sie doch auch privat einen starken Willen zu haben scheint: "Mein Anspruch an mich selbst war, alle Szenen selber reiten zu können", erklärt die heute 24-Jährige in einem Interview. Binnen vier Monate habe sie deshalb das Reiten gelernt und wurde nur in den Rennszenen gedoubelt – aus versicherungstechnischen Gründen. Und so siegt am Ende die Erkenntnis, dass sture Köpfe manchmal Unglaubliches erreichen.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH
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